Mit Freunden spaßig, ansonsten meh

Rezension: „Among Us“ – Version v2020.12.9s – Plattform: Steam

von ModuGames am: 28.02.2021

Einer der größten Mobile-Hits des letzten Jahres ist mit Sicherheit Among Us. Auch ich konnte mich dem Spiel, in dem es darum geht, einen Betrüger zu entlarven, nicht entziehen und habe mit meinem Freundeskreis einige Runden bestritten. Neulich habe ich mir Among Us auf Steam gekauft (kostet 4€) und dachte „Zu so einem Spiel hast du noch nie eine Rezension geschrieben“ – und daraus ist dieser Text entstanden.

Die Definition von „low budget“

Was einem bei Among Us direkt ins Auge springt, ist der ungewöhnliche Grafikstil. Uns wird ein sehr minimalistischer Comiclook präsentiert, der für manche Leute bestimmt charmant wirken mag, mir aber eher billig vorkommt. Aber gut, wir reden hier ja immerhin über einen Mobile-Port, der quasi nichts kostet. Auch die Musik und die sonstigen Soundeffekte sind sehr simpel gehalten und neigen dazu, auf Dauer zu nerven. Ich würde jeglichen Ton sowieso abstellen, da er das Spiel nicht bereichert und man sich ohne ihn besser konzentrieren kann. Wir spielen eine Gruppe von Astronauten (so sehen sie zumindest aus), die auf drei Karten mehrere Aufgaben (sogenannte „Tasks“) erledigen müssen. Die drei Maps heißen „The Skeld“, „Mira HQ“ und „Polus“, wobei die letzteren beiden kaum gespielt werden. Übrigens: Das Spiel bietet keine deutsche Übersetzung an.

Wir spielen Among Us mit bis zu zehn Leuten. Lobenswert ist, dass man die meisten Spieleinstellungen (siehe linker Rand) verändern kann. 

Jede der Karten konfrontiert uns mit unterschiedlichen Aufgaben, die jedoch alle eines gemeinsam haben: Sie sind ziemlich dumm. Man muss zum Beispiel Schalter umlegen oder die Zahlen in der Reihenfolge von 1 bis 10 eingeben. Die meisten Tasks lassen sich mit einem Klick lösen. Natürlich sind diese Aufgaben nur ein Mittel zum Zweck, aber ich hätte mir etwas anspruchsvollere Rätsel gewünscht. Das eigentliche Spielziel besteht nämlich darin, einen oder mehrere sogenannte „Imposter“ (also Betrüger) zu eliminieren. Diese Imposters werden zufällig zu Beginn der Runde ausgewählt und müssen die Crewmitglieder töten.

Dröge Chatrooms und gewiefte Betrüger

Die Crewmitglieder wissen jedoch nicht, wer ihnen ans Leder will, und müssen daher klug kombinieren, um die Identität der Mörder zu erfahren. Die Betrüger wiederum müssen einen Kill Cooldown (z.B. 30 Sekunden) abwarten, man kann also nicht jeden sofort umbringen. Das Töten eines anderen Spielers erfolgt mit einem Schlag und man kann sich nicht dagegen wehren – außer eben wegzurennen, wenn man ein mulmiges Gefühl hat. Wenn jemand gestorben ist, bleibt dessen Leiche zurück. Diese kann dann gefunden und „reported“ werden, wodurch sich das Spiel verschiebt: Wir landen nun in einem Chatroom und tauschen uns darüber aus, wer den Mord verübt haben könnte. Die Betrüger versuchen natürlich, von sich selbst abzulenken und anderen die Tat in die Schuhe zu schieben. Am Ende wird abgestimmt und derjenige mit den meisten Stimmen wird automatisch eliminiert.

Hier können wir darüber abstimmen, wer der Betrüger ist. Die gelbe Spielfigur wurde bereits getötet.

Dieser Chatroom ist für mich die wohl größte Schwäche des Spiels: Zum einen hasse ich es, auf meinem Smartphone zu schreiben, weswegen ich dann auch auf den PC umgestiegen bin. Aber auch Leute, die etwas Handy-affiner sind als ich, werden erleben, dass diese Gruppengespräche das Spiel enorm unterbrechen. Stellenweise hockt man bis zu zwei Minuten in den Chatrooms und am Ende ist doch nichts dabei herumgekommen, weil es eben ziemlich schwierig ist, einen Lügler festzustellen, wenn alle nur über Textnachrichten kommunizieren. Anders sieht es aus, wenn man mit Freunden spielt: Dann kann man sich Programme wie Discord zulegen und den schwerfälligen Chat umgehen. Wenn man seine Mitspieler auch tatsächlich hört, steigt die Spannung enorm. Teilweise entstehen sehr lustige Situationen, wenn Leute, die schlechte Lügner sind (wie ich), schlussendlich ertappt werden. Wenn man jedoch alleine gegen fremde Menschen spielt, halte ich Among Us für ausgesprochen langweilig.

Fazit

Among Us ist eines dieser Spiele, wo ich gerne das Suffix „-chen“ anhängen würde: Es ist nur ein Spielchen. Dieser Titel bietet nur ziemlich wenig tatsächliche Substanz: Maps, Aufgaben, Spielablauf – das ist alles ziemlich einfallslos und repetitiv. Aber Among Us hat es verstanden, lediglich die Rahmenbedingungen zu liefern und die Spieler selbst die Lücken ausfüllen zu lassen. Gerade mit Freunden macht dieses Spiel durchaus Spaß. Das ist mir aber ehrlich gesagt ein bisschen zu wenig, denn wenn wir einmal ehrlich sind: Mit Freunden macht so ziemlich alles Spaß. Daher lautet mein Urteil: Among Us eignet sich gut, um nach Feierabend noch ein bisschen Spaß mit den Kumpels zu haben (gerade in Corona-Zeiten kommt dieses Spiel sehr gelegen), aber es ist nun wirklich nichts, was ich über längere Zeiten oder gar alleine spielen wollen würde. Insgesamt ein mittelmäßiges Spiel.

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Wertung
Zusätzliche Angaben

Schwierigkeitsgrad:

genau richtig

Bugs:

Nein

Spielzeit:

Mehr als 5, weniger als 10 Stunden



Kommentare(2)

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