Paradebeispiel der

Wurde das Adventure-Genre vor gar nicht all zu langer Zeit noch tot gesagt, hat sich mittlerweile gerade in Deutschland eine ausgeprägte Szene für das alt...

von - Gast - am: 01.01.2010

Wurde das Adventure-Genre vor gar nicht all zu langer Zeit noch tot gesagt, hat sich mittlerweile gerade in Deutschland eine ausgeprägte Szene für das alt ehrwürdige Genre entwickelt, die mit qualitativ hochwertigen Spielen kleiner Entwickler gefüttert wird. KING Art schickt mit Book of Unwritten Tales (BoUT) seinen eigenen Ableger in das Rennen um die Gunst der Spieler.

Story

Man stelle sich folgendes Szenario vor: Der Bösewicht und dessen Schergen wollen die freie Fantasywelt erobern und nur durch einen Zufall rutschen verschiedene Charaktere in die Rolle eben jene Welt zu retten und beginnen somit den Wettlauf um ein verborgenes, magisches Artefakt. Klassisch? Allerdings! Langweilig? Keines Falls!
BoUT versteht es nicht nur diesen einen Handlungsstrang schön zu erzählen sondern spinnt in jeder der Hauptmissionen mit jeweils mehreren Unterkapiteln zusätzlich lustige und toll erzählte Nebengeschichten. Beispiel gefällig? Wie wäre es mit dem Sensenmann, der in einem Adventure, in dem man nicht sterben kann, so ziemlich arbeitslos ist und dem man beim Aufbau eines kleinen Unternehmens zur Lebendbestattung hilft. Nebenstränge wie diesen gibt es viele, und sie werden in klassischer Adventuremanier angegangen.
Besonderheit und Abgrenzungkriterium: Es stehen im Laufe des Spiels vier Charaktere zur Verfügung. Ein Gnom, ein Mensch, eine Elfe und Das Vieh. Diese müssen zuweilen auch gemeinsam in einem Level gesteuert werden und warten mit individuellen Eigenschaften auf, die natürlich auch genutzt werden möchten.

Gameplay

Gesteuert wird, wie mittlerweile zum Glück wieder üblich, einzig und allein mit der Maus. Zur Unterstützung des Spielers können zusätzlich alle Interaktionsmöglichkeiten des Bildschirmausschnittes eingeblendet werden um akribische Suchorgien und tränende Augen zu vermeiden. Kombiniert und gerätselt wird im Genre-Typischen Inventar, dass beim Überfahren mit der Maus am unteren Bildschirm eingeblendet wird. Nur einen Vorwurf muss das Spiel sich gefallen lassen: Möchte man einen Ring aufnehmen, weil man genau weiß, dass dieser für das gegebene Rätsel wichtig ist, führt kein Weg an einem vorherigen ?Untersuchen? vorbei. Erst dann wird der Gegenstand zur Aufnahme / Verwendung freigeschaltet. Dies ist jedoch für den gelungenen Gesamteindruck der Steuerung nur ein kleines Manko.

Technik

Technisch hinterlässt BoUT ein durchwachsenes Bild. Die Charaktere sehen hervorragend aus und sind in den meisten Fällen grandios animiert bzw. gelegentliche Schwächen sind hübsch kaschiert. Zu weilen erscheinen einzelne Animationen wie das Übergeben von Gegenständen jedoch etwas lieblos.
Bei den Schauplätzen handelt es sich um gerenderte 2D-Hintergründe, in die die Figuren zwar wunderbar eingearbeitet wurden, in denen Eigenanimationen (das Öffnen von Türen) jedoch sehr ruckelig rüberkommen und das positive Gesamtbild leider minimal trüben. Unverständlich: 2 (Neben)-Charaktere wurden ebenfalls als animierte Sprites (2D-Flächen) in des Spiel eingepflegt. Das ist verschenktes Potential und trübt in den besagten Abschnitten die Stimmung.

Rätsel

Die Rätselkost bewegt sich auf einem guten Niveau. Selten beißt man sich fest, alles erscheint logisch und gut strukturiert, dürfte für Profis jedoch ein wenig zu einfach sein. Nur im letzten 4. des Spiels nimmt die Qualität der Knobeleien ein wenig ab und man steht zu weilen wie der Ochs vorm Berg.

Humor

Keinen Schnitzer leistet sich KING Art beim Humor, der auf vielen verschiedenen Ebenen stattfindet. Von Wortwitz bis hin zur Inszenierung des ganzen Levels ist alles vertreten und wunderbar inszeniert. Wie wäre es mit einer Hommage an World of Warcraft im letzten Kapitel, wo auf dem Grabstein des Gnom-Magiers steht: 'Was? Aggro?!?' oder der Spieler aus der Tatsache, dass der ihm gegenüberstehende Ritter weder kämpfen noch heilen kann messerscharf schließt: 'Ah, ein Paladin.' Natürlich sind auch Tauren, Orks und Untote an dieser Stelle vertreten.
Gleichermaßen gibt es ständig Anspielungen auf aktuelle Geschehnisse, Personen oder Gruppierungen und zum Glück auch den guten alten Slapstick. Kurzum: Mit BoUT bekommen die Lachmuskeln was zu tun.
Kleiner Appetitanreger: Die Szene mit einer stark dementen Mumie ist mit eine der besten, die mir je in einem Spiel untergekommen ist.

Fazit

Unterm Strich hat KING Art mit Book of Unwritten Tales einen tollen Vertreter der deutschen Adventure-Kunst abgeliefert. Stimmiges Setting mit tollem Humor und schöner Rätselkost versüßen einem hier für 10 - 15 Stunden die Abende. Wer Adventures mag muss zugreifen, alle anderen dürfen durchaus einen Blick riskieren und sich somit auf den schon angekündigten Nachfolger Die Vieh - Chroniken freuen.


Wertung
Pro und Kontra
  • Grafik: Charaktere, Umgebung...
  • Sound: Top vertonte Dialoge
  • Balance: Gute Einstieg
  • Atmosphäre: Tolles Setting, tolles Sound, tolle Grafik
  • Bedienung: klassisches System
  • Umfang: Geliefertes TOP
  • Handlung: Gut erzählt, Nebenstränge
  • Rätsel: Logisch, gut Balanced
  • Dialoge: Gute Sprecher, alles vertont, lustig
  • Charaktere: Toll designed, gut modelliert...
  • Grafik: ...die z.T. ruckelig animiert ist
  • Sound: -
  • Balance: Etwas schwieriges Ende
  • Atmosphäre: -
  • Umfang: nur 10-15h
  • Rätsel: letztes Kapitel fällt qualitativ ab
  • Dialoge: -
  • Charaktere: ... mit 2 Ausnahmen

Zusätzliche Angaben

Schwierigkeitsgrad:

genau richtig

Bugs:

Nur sehr wenige

Spielzeit:

Mehr als 10, weniger als 20 Stunden



Kommentare(2)

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