Prison Break Barbaren Edition

Am 8. Mai war es endlich soweit, Conan Exiles verlässt nach über einem Jahr die Early Access Phase und wird mitsamt frischen Patch und neuen...

von Couldstone am: 24.05.2018

Am 8. Mai war es endlich soweit, Conan Exiles verlässt nach über einem Jahr die Early Access Phase und wird mitsamt frischen Patch und neuen Kampfsystem auf den Markt gebracht. Nicht nur Freunde der Bücher von Robert E. Howard und Fans des in Hollywood beliebtesten Exportartikels aus Österreich kommen hierbei auf ihre Kosten. Auch Survival Game Enthusiasten haben dem offiziellen Release des Spiels lange entgegen gefiebert.

In Conan Exiles wird der Spieler in die Rolle eines gekreuzigten Sträflings gesteckt. Ohne sich an vielen Erklärungen dabei aufzuhalten, klickt man sich durch die Charaktererschaffung und wird dafür mit einer Cutszene belohnt in der man von keinem Geringeren, als den einzig wahren Conan selbst, vom Kreuz abgehängt und in die Spielwelt entlassen wird. Der erste Blick in die Welt führt den Spieler durch eine Wüste, bis an einen Fluss der in den ersten Spielstunden zur neuen Heimat wird. Hierbei wird der Spieler über ein Journal aufmerksam gemacht, was man alles erreichen kann im Spiel. «Baue eine Fackel» erklärt dabei keinen Vorgang, sondern nur das gewünscht Ergebnis um den nächsten Journalauftrag freizuschalten. Diese müssen jedoch nicht in Reihenfolge abgearbeitet werden, sondern werden immer abgeschlossen, sobald sie freigeschaltet wurden. Als Belohnung verdient sich der Spieler dadurch Erfahrung und das Gefühl etwas geschafft zu haben. Oftmals führen diese kleinen Journalinfos zu den wildesten Spekulationen und Erkundungstouren durch das Ödland von Hyboria.

Bei all diesen Vorgängen wird der Spieler von Hunger und Durst geplagt, die sich nach und nach bemerkbar machen und dem Spieler andauernd wieder abverlangen die Maslowsche Bedürfnispyramide zu befriedigen. Ein weiteres Element im Spiel sind die immer wiederkehrenden Sandstürme in der Wüste. Hierzu ist es sinnvoll ein Dach über dem Kopf zu haben oder im späteren Spielverlauf eine Ausrüstung, die das Leben im Auge des Sturms erleichtern. Ein weiteres Element um den Spieler auf den Füßen zu halten, ist das Purgemeter im Charakterbildschirm. Diese gibt an wann der Spieler damit rechnen darf, dass seine liebevoll gebaute Basis mit einer unmenschlichen Anzahl von digitalen Gegner überflutet wird. Je nach dem Gebiet in dem der Spieler seine Gebäude gebaut hat, werden unterschiedliche Gegnergruppen in Wellen der eigenen Basis entgegen geworfen. So passiert es, dass euch im hohen Norden bereits Untote Horden attackieren, im Dschungel stellt ihr euch wütenden Gorillas zum Kampf und in der Wüste trefft ihr je nach Position auf wütende Mobs von Kannibalen oder auch tollwütige Wildtierherden. Wer hierbei an eine bekannte Szene aus der König der Löwen denken muss, wird jedoch leider enttäuscht. Meist spawnen diese Gegner leider mitten in eurer Basis und sehen keinen anderen Sinn in ihrem kurzen Leben, als den von euch mühsam gebauten Schrein zu zerstören oder verbuggen in allesvernichtenden Todesschwadronen auf einem einzigen Punkt. Während agnostische Hyänen eure Götterschreine zerkauen, habt ihr alle Hände voll zu tun Gegner zu töten und Löcher in eurer Verteidigung schnellst möglich zu stopfen. Eine erfolgreicher Purge ohne größere Verluste lässt die Spielerbrust jedoch voller Stolz anschwellen und belohnt euch mit einem weiteren Journaleintrag.

Um das Ganze besser zu überstehen, hilft euch meist eine sinvolle Basis mit ausreichender Verteidigung. Das Spiel setzt auf drei Stufen von Gebäuden. Von der wüstengeprägten Sandsteinbude aus Steinen und Holz bis hin zu dunklen Tempeln aus Stahl und gehärteten Ziegeln, bietet sich ein Vielzahl von Templates an. Der Spieler baut sich, wie aus Genrebrüdern bereits bekannt, ein Fundament auf das Wände gestellt werden und über die ein Dach gezogen werden kann. Bei Fundamenten und flachen Dächern kann man zwischen einem unliebevollen quadratischen System und dem rohstoffintensiven hexagonalen System entscheiden. Das Spiel verzeiht Fehler in der Planung selten und macht Versuche mit verschiedenen Baustilen zu spielen oft zu einer rohstoffintensiven Erfahrung. Spieler die den Dreh heraus haben mit beiden Fundamenttypen gemeinsam zu bauen und lückenlose Gebäude erstellen, werden dafür aber mit der puren Schönheit der eigenen architektonischen Arbeit belohnt. Während andere Survival Games wie Rust dem Spieler eine kreative Freiheit beim Bau ihres Traums überlassen, krallt sich Conan Exiles leider an ein unsinniges und schwer zu begreifendes Stabilitätssystem. Dieses verhindert zwar Brücken die fast magisch in der Luft schweben. Sorgen aber dafür, dass die Spielwelt überflutet wird von Stützpfeilern und Fundamenten die aus dem Boden sprießen.

Für alle eure Bauvorhaben und digitalen Waffen, sowie Rüstungen erhaltet ihr die beinahe freiwillige Unterstützung eurer eigenen Sklaven. Diese holt ihr euch, wie bereits die Höhlenmenschen in grauer Vorzeit, mit mehreren gezielten Schlägen auf den Hinterkopf. In eure Höhle lasst ihr sie bei Schleimgrütze und Käfersuppe solange ein schweres Rad im Kreis drehen, bis der eigene Willen gebrochen ist. Eure Sklaven unterscheiden sich dabei in vier Stufen. Während Sklaven der Stufe eins wenig Auswirkung auf eure Produktion liefern, bietet ein Sklave der Stufe vier verringerte Kosten, kürzere Warteschlangen und einzigartige Rezepte für den Bau an. Das suchen von Sklaven und deren Versklavung ist ein stimmiges und passendes Konzept in der Welt von Conan. Nichts befriedigt einen mehr Abends zu Bett zu gehen und noch einen letzten verzweifelten Stöhner der eigenen Sklaven zu vernehmen, die ihr Rad noch die nächsten 10 Stunden drehen werden.

Bei der Interaktion mit anderen Spielern bedient sich Funcom an klassischen Elementen. Es existiert eingebautes Chatsystem, wie es uns in allen Formen und Farben bereits bekannt ist. Dazu gibt es einen Ingame Voice Chat der per Tastendruck aktiviert wird und nur von Spieler in eurer näheren Umgebung gehört werden kann. Und als Letztes wird das Ganze sauber abgerundet durch eine schier endlose Anzahl von spambaren Emotes, die ihr euch nach und nach im Spiel freischaltet über Erkundung oder besiegte Bossmonster. Rollenspieler können auch aufatmen. Alle Systeme lassen sich angenehm über die Adminkonsole an und abschalten. So wird die Illusion der eigenen Spielwelt nicht durch den globalen Chat gestört und bringt eine erzählerische Tiefe in das Spiel.

Das Kampfsystem wurde, wie von Funcom zum Release angekündigt, überarbeitet und in ein ComboMelee System verändert. Hierbei lasst ihr euren Helden in einer Abfolge von vier Angriffen wahlweise schnelle und leichte Schläge vollführen oder langsame, starke Schläge auf eure Gegner nieder prasseln. Das System fühlt sich sinnvoll an und passt gut in die Welt von Conan. Leider wurde mit der Ankündigung des finalen Release Patchs mit einigen Hoffnungen der Spieler aufgeräumt. Das Zaubersystem wurde vollends aufgegeben, da Funcom keine sinnvolle Umsetzung in der bestehenden Engine fand. Auch Spieler die den Fernkampf bevorzugen müssen in den sauren Apfel beißen, da der Schaden so drastisch reduziert wurde, dass es kaum möglich ist die eigenen Bettwanzen zu verjagen ohne Bäumeweise Pfeile zu verschießen. Dies führt leider dazu, dass sich Kämpfe zwischen Spielern oft eintönig anfühlen und bei gleichen Gegebenheiten meist der Spieler gewinnt, der der ersten Schlag trifft. Der getroffene Spieler kann ohne ausdauerintensive Bewegungen oder gezücktem Schild wenig dagegen halten, wenn er von einem Zweihänder malträtiert wird. Viele Waffen im Spiel fühlen sich übrigens komplett nutzlos an. Das Balancing der einzelnen Waffen steht in keiner Relation zueinander. Gerade im Endgame fühlt es sich an, als ob jeder Spieler mit der selben Rüstung und dem selben Schwert herumläuft und dazu noch die selbe Reihenfolge an Attacken vollführt.

Gerade dieser Aspekt macht das Spiel auf PvP Servern wenig lohnenswert. Letztere werden nämlich meist von ein bis drei Megaclans dominiert und als Underdog steht man immer außen vor, wenn es um die besten Bauplätze, Mineralienspots und nachwachsende Rohstoffsklaven geht. Im PvP dominiert ein Fulllootsystem und es passiert mehr als einmal, dass man seine tagelange Arbeit an andere Spieler verliert oder in die Luft gesprengt bekommt. Dies muss man jedoch auf PvP Servern in Kauf nehmen können und am besten immer irgendwo eine eiserne Reserve verstecken um zur Not nicht komplett bei Null zu beginnen.

Dies führt uns zum nächsten Punkt. Rohstoffe und vor allem seltene Rohstoffe sind spärlich gesäht. Das Spiel verlangt es euch ab tonnenweise an Rohmaterialien in mehreren Arbeitsschritten zu verarbeiten, um am Ende meistens nur eine Wand bauen zu können. Oft braucht ihr jedoch für sinnvoll abgeschlossene Gebäude hunderte an Fundamenten und Wänden. Der Grind der Rohmaterialen fühlt sich zumeist wenig interessant an und jeder, der siebzig mal den selben Weg herauf und herunter gerannt ist um den selben digitalen Pixelstein abzuschürfen, versteht, dass das Spiel zu viele Ressourcen abverlangt und den gemütlichen Abend mit Freunden in eine stundenlange Gesprächsrunde mit Schürfgeräuschen im Hintergrund verwandelt. Auch wenn man argumentieren kann, dass dies meist erst den Reiz eines Survivalgames ausmacht, fühlt es sich trotzdem auch nach über einem Jahr Early Access immer noch unausgewogen an. Das führt zum letzten negativen Element. Survival. Das Überleben im Spiel fühlt sich zu einfach an, um als Survival Game zu gelten. In keiner Weise kommt man im Spiel in die Not Essens- oder Wasserreserven anzulegen. Alle Gebiete, selbst die Wüste, sind mit mehr als nur einem Fluß oder See geschmückt. Fleisch ist einfach und in Massen erhältlich. Selbst gefunden Käfer bilden eine ausgewogenen Ernährung, wenn man sich genug davon herunter würgt. Auch wenn man gerade kein Lagerfeuer oder Thermomix zur Hand hat, isst man der Einfachheit halber alles roh. Hin vom vergammelten Jahrhundert Ei bis zum menschlichen Unterarm ist alles erlaubt was schmeckt. Negative Aspekte sind hierbei eher nebensächlich.

Trotz aller seiner Fehler und der schlechten Performance der offiziellen Server, bietet Conan ein Entdeckergefühl und ein Gefühl von Abenteuer, dass aus meiner Sicht bei den berühmten Genrebrüdern fehlt. Nichts fühlt sich epischer an als in einer Vollmondnacht an einem Berghang zu verbringen und zu sehen, wie sich ein Sandsturm in weiter ferne über das Land bewegt und alles in seinem Weg hinwegfegt. Der Moment Conan zu treffen und in die Geschichte der Welt von Hyboria einzutauchen sind unvergessliche Spielereignisse, die man gemeinsam mit Freunden erleben kann. Der Blick vom Rand eines Vulkankraters hinab in die schneeverwehte Eislandschaft darunter, macht die Bugs beim klettern nach oben alle mal wett. Letztendlich bietet das Spiel auch noch ein wirkliches Ende, welches wir hier nicht verraten wollen. Es ist eben noch kein Frank Morris vom Himmel gefallen.

Ich erhoffe mir für die Zukunft, dass Funcom weiterhin intensiv an ihrem Spiel arbeitet und vielleicht bis zu einem neuen Addon viele der angesprochenen Probleme in den Griff bekommen hat. Alles in allem sitzen sie auf einer reichen Hintergrundstory und einer guten Idee zur Umsetzung. Leider hakt es, auch nach dem offiziellen Release, immer noch an der Ausführung.


Wertung
Pro und Kontra
  • Episch
  • Abenteuerlust
  • Fantastische Spielwelt
  • Bildgewaltig
  • Eintöniges Kampfsystem
  • Grindy
  • Wegfindung der AI
  • Bausystem zu steif
  • Keine große Herausforderung

Zusätzliche Angaben

Schwierigkeitsgrad:

eher leicht

Bugs:

Oft, regelmäßig

Spielzeit:

Mehr als 100 Stunden



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