Psychonauts in the Rhombus of Ruin - Review

Eine sympathische Erweiterung des Franchises, welche sich dem Medium der Virtual Reality gekonnt anpasst.

von swagkultur am: 30.05.2019

Der große Knall, das einschlägige Verkaufsargument für VR-Systeme bleibt weiterhin aus. Trotzdem erscheinen weiterhin regelmäßig kleinere Titel, die versuchen diese Technologie zu nutzen und sie sinnvoll und charmant mit ihrem Gameplay und ihrer Erzählung zu verknüpfen. Kaum ein Spiel sollte dafür wohl ähnlich geeignet sein wie ein Psychonauts. Immerhin verwendete Psychonauts eine Erzählmethode, die der Virtual Reality selbst sehr nahe kommt. Das Abtauchen in die träumerischen Gedankenkonstrukte der Psychonauten, gleicht dem Aufsetzen einer VR-Brille, bei dem man sich den träumerischen Gedankenkonstrukten der VR-Entwickler vollends hinzugeben versucht. Die Verknüpfung zwischen virtueller und echter Realität. Die Grenzen sollen verschwimmen. Eine Geschichte aus anderen, neuen, alternativen Blickwinkeln erleben. Ob es jedoch den großen Knall zu bringen vermag? Wohl eher nicht, aber für ein unterhaltsames, erzählerisches Erlebnis der hautnahen Zeichentrickkunst innerhalb der VR reicht es allemal.

Razputin landet in einem Sommercamp für Aussätzige. Was für viele wohl eher Widerwillen erzeugt und als von autoritären Eltern erzwungener Aufenthaltsort gilt, stellt für Razputin das komplette Gegenteil dar. Ein Rückzugsort der Möglichkeiten, ein Ort, der einem die freie Entfaltung ermöglicht. Razputin zog als letzte Konsequenz aus seinem bisherigen Leben – einem vorherbestimmten Leben im Zirkus – die Flucht nach vorne, um dem Potenzial seiner Fähigkeiten endlich Ausdruck zu verleihen. Die Flucht in ein Sommercamp. Aus eigenem Antrieb, nicht wie so viele andere, deren Eltern mal kurzzeitig Abstand von ihren Kindern brauchten und zwangsmäßig dort abgesetzt wurden, begibt er sich auf freiwilliger Basis dorthin: ins Whispering Rocks Camp. Denn dort halten sich lauter komische Gestalten auf, absurde, durchgeknallte, schräge Erwachsene und Kinder. Hier wird die Andersartigkeit zelebriert, nicht unterdrückt. Hier bei den Psychonauten.

https://www.youtube.com/watch?v=FYkNKO9F28s

2005 lieferten Double Fine Productions mit Psychonauts einen zeitlosen Klassiker des Jump ’n‘ Run/Adventure Genres ab, welcher demnächst endlich einen Nachfolger erhält. Tim Schafer, der leitende, kreative Kopf hinter dieser Produktionsmühle ist vielen als Legende der Industrie bekannt, welche u.a. Titel wie Monkey Island, Day of the Tentacle, Grim Fandango und Psychonauts mit zu verantworten hat. Sein Schaffen hat aber noch kein Ende. 2017 erbrachte das Studio mit ‚Psychonauts in the Rhombus of Ruin‘ einen ersten Eintrag ins VR-Spielesegment. Es trägt zwar nicht die „2“ im Namen, setzt aber direkt am Ende der Erzählung des ersten Spiels an.

Der geliebt gelernte Campingplatz wird vorerst verlassen, die Ausbildung zum Psychonauten ist abgeschlossen und Protagonist Raz muss und will nun als vollwertiger Agent an seiner ersten offiziellen Mission teilnehmen. Es geht um die Rettung von niemand Geringerem als dem Vater von Lili. Dieser ist auch der CEO, der Leiter, der Psychonauten. Das ist vielleicht etwas beschreibender. Truman Zanotto wurde entführt.

Begeben wir uns nun also endlich mal ins Spiel, befinden wir uns an Bord eines Jets. Die Rettungsmission ist in vollem Gange und wir entdecken direkt alte, liebgewonnene Charaktere wieder. Was außerdem auffällt: man fühlt sich als stecke man in der Haut der ProtagonistInnen inmitten eines Animationsfilms. Geschmeidige Animationen und eine für VR ungewohnt scharfe Optik. Wahrscheinlich kommt der schlichte aber charmante Grafikstil, den Grenzen der Technik auch sehr zu Gute. Aber warum eigentlich „ProtagonistInnen“? Gibt es neben Raz nun noch andere spielbare Figuren? Ja und nein. Das Steuerungsprinzip aber, ermöglicht es uns durch Raz‘ mentale Fähigkeiten in die Köpfe nahestehender Charaktere einzutauchen, um andere Positionen und Sichten einzunehmen. Durch die Beschränkung der Steuerung auf das reine „Umherschauen“ und „Perspektivwechseln“ wird das Spiel angenehm entschleunigt und das Problem der bislang noch sehr unausgereiften Bewegungssteuerung im virtuellen Raum, umgangen. Für all diejenigen, die es verständlicherweise nicht mögen, in einem Spiel als passiver Zuschauer abgestellt zu werden, kann man auch Entwarnung geben. Es ist sicherlich kein fordernder Titel, dennoch werden Eingaben des Spielers in einer höheren Frequenz, als beispielsweise in einem Telltale-Spiel, erfordert. Gott hab‘ sie selig. Zwar spielt es sich nicht komplett von selbst, ist aber trotzdem beileibe kein Titel mit spielerischem Tiefgang. Psychonauts in the Rhombus of Ruin punktet eher in Kategorien wie Atmosphäre, Erzählung und Umsetzung. Denn das was sie hier versuchen, klappt auch. Auch wenn es nicht allzu ambitioniert ist, in Sachen Revolution der VR, versetzt es die Erzählung gekonnt und sinnvoll in ein anderes Medium, ohne dabei die Stärken und Schwächen jenes Mediums außer Acht zu lassen. Nun ist es eben kein Jump ’n‘ Run Adventure mehr, sondern eher ein reines Story-Adventure mit gelegentlichen Puzzle-Einlagen. Double Fine Productions haben ihr Gameplay-Gerüst aus Psychonauts gekonnt den von ihnen neu betretenen Begebenheiten angepasst und mit ‚In the Rhombus of Ruin‘ eine sympathische Erweiterung ihres ganz eigenen Superheldenuniversums von schrägen, übersinnlich begabten Psychonauten erschaffen.

Allerdings muss ich leichte Abzüge in der B-Note vornehmen, da das Spiel Tendenzen zu pyromanischem Verhalten fördert, indem es eine eigene Taste für das Inbrandsetzen von Objekten vorbehält. Aus anderer Perspektive betrachtet, kann man es allerdings auch als Ventil für tendenzielle Brandstifter sehen. Nun. Ach was soll’s. Feuer macht Spaß. Dinge anzünden macht Spaß, sorry kids, no message for you here.

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Wertung
Zusätzliche Angaben

Schwierigkeitsgrad:

zu leicht

Bugs:

Nein

Spielzeit:

Weniger als 5 Stunden



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