Schnell und schnörkellos - einfach grandios

Abfetzende Gliedmaßen, Spritzendes Blut, herumliegende Körperteile, tote Menschen. Das erwartet man in der Regel von einem Horrorshooter mit einem gehörigen...

von Eldest am: 21.02.2009

Abfetzende Gliedmaßen, Spritzendes Blut, herumliegende Körperteile, tote Menschen. Das erwartet man in der Regel von einem Horrorshooter mit einem gehörigen Splatter-Anteil.
Abfetzende Karosserie-Teile, splitterndes Glas, herumliegende Autowracks, tote Motoren. Das erwarte ich von einem guten Rennspiel. Und all das steckt in GRID.

Nun gut, sich zerbeulende und zerstörende Autos sind nicht alles was ich und man von einem guten Rennspiel erwartet, ich erwarte auch eine Frau die sich um mich kümmert. 'Öhh? Was ist denn der Eldest für einer?'
Ja, in GRID erledigt die eigene Managerin, die übrigens klingt als sei sie nicht ganz bei der Sache, einem alles was nicht mit den eigentlichen Rennen zu tun hat. Sie beschränken sich aufs Fahren und das ist auch gut so. Denn wenn GRID eines kann, dann ist es Rennen zu simulieren.
Und das ist auch so ziemlich das einzige was das Spiel tut. Sie können ein Rennen fahren, dann noch eins und wenn sie Lust haben auch noch eins.
Keine pseudocoole Handlung, kein prolliges Tunen, keine Serienverwurstung? Nein das alles trifft im Gegensatz zu Need for Speed nicht auf Race Driver GRID zu.
Aber ist das denn nicht langweilig? Nein ist es nicht. Wer das behauptet gehört geteert und gefedert, oder in eines der spielinternen Autos gesetzt.
Von diesen besagten Autos gibt es in diesem schicken Rennspiel eine ganze Menge. Von Superflitzern wie einem Koenigsegg, bis hinzu ausstaffierten Crashderbywagen bedienen die 44 Autos so ziemlich alle Arten von Autos, die solch ein Spiel braucht.

Der Karrieremodus

Aber ohne Geld, keine Autos. Genrebedingt müssen sie fürs Geld verdienen Rennen fahren. Dies tun sie im sehr gut gelungenen Karrieremodus. Am Anfang Ihrer Karriere dürfen Sie sich einen Namen geben und diesem eines der dutzenden Soundsamples für die spielinternen Quasseltaschen zuweisen. Ist Ihr Name nicht dabei, dürfen sie sich als immercooler Iceman ansprechen lassen, oder was das Rennfahrrepertoire noch so an Namen bereithält.
Die Karriere ist im Prinzip ein einfaches Aneinanderreihen von Rennen, welche Sie frei auswählen können. Diese Rennen teilen sich in drei Kategorien auf: USA, Europa und Japan. Wie sich vermuten lässt fährt man in den USA eher mit drehzahlfreudigen und bulligen Boliden, in Europa mit klassischen Rennwagen auf grünen Rundkursen und in Japan mit hochgetunten Serienschleudern durch (abgesteckte) Städte und auf Berge rauf bzw. wieder runter.
Wo Sie fahren bleibt ganz Ihnen überlassen. Wenn Sie die Driftrennen in Japan verachten, lassen Sie diese einfach aus, müssen somit aber auch in Kauf nehmen, andere Rennen mehrmals zu fahren um genügend Rufpunkte für die nächste Lizenzstufe zu erhalten. Denn GRID besitzt ein cleveres Punkte-System. Für jedes gefahrene Rennen, bzw. für jede Meisterschaft erhalten Sie eine bestimmte Anzahl an Rufpunkten und natürlich auch Geld.
Diese Rufpunkte dienen wie gesagt dazu, die nächste Rennlizenz freizuschalten. Ist dies geschafft, können sie in der ausgewählten Region anspruchsvollere, aber auch ertragsreichere Rennen fahren. Nebenbei ziehen Sie so auch größere (lizensierte) Sponsoren an Land. Ja, ein bisschen Management gibt es auch in GRID. Neben dem Kauf der Autos verwalten Sie noch Sponsoren, bemalen Ihre Wägelchen und stellen Fahrer ein. Dieser Fahrer nimmt fortan an jedem Ihrer Rennen teil. Dies tut er für einen kleinen Obolus. Dafür bringt er Ihnen aber auch deutlich mehr Geld ein. Zum einen durch Sponsoren und Preisgelder.
Sind die ersten Fahrer noch echte Luschen, erweisen sich die späteren Fahrer als wahre Alleskönner, die oftmals den zweiten Rang ergattern. Natürlich nur den Zweiten, da sie ja hinter Ihnen landen, hoffentlich.

Die Rennen

Lassen wir mal Revue passieren. In diesem Rennspiel gibt es kaum Management, kein Tuning, keine Einstellungen am Auto. Dann müssen die Rennen ja einiges Wett machen! Und das tun sie auch. Mehr als aller anderen erhältlichen Rennspiele.
Der augenscheinlich größte Unterschied zu 0815-Rasern ist das Wiederholungssystem. Sobald Sie Ihren Wagen zu Schrott fahren und/oder einen kapitalen Fahrfehler begehen, können Sie das Spiel anhalten, zurückspulen und an dem gewünschten Punkt wieder ins Rennen einsteigen. Stellen die Rennen denn dann gar keine Herausforderung mehr dar? Doch, das tun sie. Dieses System entfernt lediglich die ätzende Frustration aus dem Spiel, wenn man in der letzten Kurve vor Rennsieg seinen Wagen an der Wand zerschmettert. Man kann das natürlich auch nicht unendlich oft tun. Auf dem niedrigsten Schwierigkeitsgrad gibt es fünf direkte Wiederholungen, mit ansteigendem Niveau werden es weniger.
Außerdem gibt es auch mehr Geld wenn man sich das Verwenden dieser Funktion verkneift und mehr Rufpunkte je höher der Schwierigkeitsgrad ist, den Sie frei vor jedem Rennen konfigurieren können.
Ein Rennen besteht in der Karriere meist aus drei Runden und mehrere Rennen bilden eine Meisterschaft. 6 Meisterschaften gibt es in den ersten beiden Rennlizenzen. Danach werden es zwar weniger Meisterschaften, aber mehr Rennen.
Erfreulich ist, dass die verschiedenen Meisterschaften ganz andere Vorraussetzungen an Sie stellen. Kommt es bei den Open-Wheel-Rennen (Formel 3 und co.) auf exaktes Bremsen und das Halten der Idealspur an, so dürfen sie in der amerikanischen Muscle-Szene um die Kurven driften, sich mal verbremsen und den Gegnern tödliche leichte Schubser verpassen.
Enttäuschend ist hingegen etwas, dass alle Rennen (außer Drift) gewonnen werden, indem man als Erster ins Ziel kommt. Es gibt zwar ein Crashderby, aber für Crashs gibt es keine Punkte (trotzdem ist es ein Heidenspaß). Alles ist etwas unoriginell, es gibt keine wirklichen Reißer, nichts echtes Außergewöhnliches. Das ist etwas schade, schmälert aber nicht die Perfektion des Vorhandenen.
Wobei, nicht alle Rennen sind perfekt. Es gibt da am Ende jeder Saison (dauert ein paar Meisterschaften) das große 24h-Rennen von LeMans. Sollte es eigentlich DAS Highlight werden, ist es ein ungeliebtes Anhängsel, welches man zum Glück überspringen kann. 24 Minuten über Serpentinen brettern heißt es hier, die KI fährt völlig untypisch im Pulk und trauriger Tiefpunkt: Man hat das Gefühl sie cheatet! Ich bin bei meinem ersten Erlebnis damit gefahren, gefahren und gefahren. Ich hatte einen deutlichen Vorsprung in meiner Rennklasse. Doch plötzlich werde ich von allen, ohne Fahrfehler, einfach überholt. Die wurden plötzlich schneller, ohne erkennbaren Grund.
Deshalb fahre ich diese Geduldproben auch nicht mehr - ich bin ja kein Masochist.

Der Multiplayer-Modus

Was macht mehr Spaß als KI-Gegner zu zerschrotten? Natürlich Freunde und fluchende Unbekannte an die Wand drücken! Und deshalb dürfen Sie Grid wie jedes anständige Rennspiel über Lan und das Internet spielen.
Auch hier bietet Grid eine ganze Menge. Zum einen ist es einleuchtend, dass die vielen Rennklassen auch viel Abwechslung bieten, zum anderen ist aber die Umsetzung von Codemasters sehr erfreulich. Die Server laufen wie geschmiert, das Lobbysystem ist gut aufgebaut und logisch. Auch schien man bei der Entwicklung die Frustfaktor-Begrenzung im Faktor gehabt zu haben: Im Solo-Spiel kann man zurückspulen und im Multiplayer findet sich ein geniales System wieder, was die alten Streitigkeiten verschwinden lässt, welche Strecke als nächstes drankommt. Nach einer festgelegten Anzahl an Rennen, wird nämlich neu abgestimmt, was als nächstes gefahren wird. Dies ist schön demokratisch und läuft, wie der Rest auch, sehr gut.
Auch haben gewisse Deppen keine Chance die Rennen zu versauen, indem sie beim Start rückwärts in die anderen krachen. Wer in die falsche Richtung fährt, dem wird die Kollisionsabfrage abgeschaltet und alle rasen einfach durch ihn durch.
Ein Tipp für alle Neulinge: Bei den Crashderbys sammelt man zwar keine Punkte für Unfälle (wer zuerst im Ziel ist gewinnt auch hier), trotzdem sind die Rennen im Multiplayer der Hit, was sich auch an den Spielerzahlen ablesen lässt.

Balance, Fahrverhalten und KI

Grid ist deutlich einsteigerfreundlicher als seine drei Vorgänger geworden. Es gibt Fahrhilfen, sehr gut ausbalancierte Schwierigkeitsgrade und dazu noch die Wiederholungsfunktion. Dabei wird das Spiel aber auch nie zu einfach. Bei der Balance habe ich nichts zu meckern, genauso wenig beim Fahrverhalten. Alle Autos fahren sich herrlich unterschiedlich, aber doch einen Deut arcadelastiger als in den besagten Vorgängern. Aber trotzdem zergeht Grid nicht zur anspruchslosen Actionraserei. Spieler die GTR2 mit allen Pegeln auf Realismus und mit verbundenen Augen bezwingen, werden allerdings unterfordert sein. Zum Glück gehöre ich nicht dazu!
Wovon aber niemand unterfordert sein wird, ist die KI. Diese ist das Prunkstück des Genres. Die Gegner fahren aggressiv, machen Fehler, verbremsen sich, bauen untereinander Unfälle, fahren ausgezeichnet, haben menschliche Aussetzer. Sie stimmt einfach und vermittelt einem das Gefühl, gegen echte Widersacher zu fahren. Sehr schön!

Umfang

44 Autos, eine dicke Karriere, ein toller Multiplayer-Modus. Das erwartet einen in diesem Top-Spiel. Aber mehr auch nicht, darüber sollten sich Tuning- und Einstell-Fanatiker im Klaren sein. Es werden Rennen gefahren, und zwar entweder einzelne Rennen, oder Meisterschaften im Karrieremodus. Eigene Meisterschaften kann man nicht erstellen.
Ich perösnlich brauche nicht mehr. Aber das sei jedem selbst überlassen.

Präsentation

Aber jetzt muss doch mal was Negatives kommen! Nein, zum Glück nicht! Auch hier wird alles richtig gemacht. Wie dieses Spiel aussieht, ein Genuss. Und das mit niedrigeren Hardware-Anforderungen als Engine-Mitnutzer Colin McRae: Dirt. Die Texturen sind knackscharf, die Verwischeffekte phänomenal und die Automodelle am Rande des zurzeit Machbaren. Die Fahrten vermitteln ein solch großartiges Geschwindigkeitsgefühl wie kein anderes Spiel, und hopps steht man an einer Wand, Außenspiegel fliegen einem um die Ohren, das Auto wird zusammengefaltet und sieht verfremdet aus. Ja, auch das Schadensmodell ist einsame Spitze.
Und während man so schnell fährt, kracht, scheppert und röhrt es gewaltig aus den Kopfhörern und den Surround-Systemen. Die Motoren klingen wie Motoren klingen sollen. Sie klingen männlich, zum Weinen schön, wie ein Genuss, das ist echtes, tolles… Lassen wird das.
Beeindruckt hat mich auch die Musik. Hier gibt es kein Gerappe und Saitengehaue, hier gibt es orchestrale Elektro-Musik. Liest sich komisch, klingt aber bombastisch. Noch nie habe ich eine solch treibende Tonuntermalung gehört. Die Musik ist wie das Spiel, sie ist schnell und schnörkellos. Schade dass sie nicht immer zu hören ist, sondern eher in dramatischen Situationen, wo sie aber perfekt hinpasst.
Die Managerin passt aber nicht dazu. Die klingt gelangweilt, oder cool. Egal was es sein soll, es klingt nicht gerade toll. Dafür sprechen aber die Teamkameraden sehr gut!

Fazit

Ich denke man merkt es mir an. Ich finde dieses Spiel einfach nur grandios, so ist auch der Präsentations-Absatz eine einzige Jubelorgie geworden. Aber es macht mir solch einen riesigen Spaß, dass ich alle (kleinen) Mängel vergesse. Ich könnte noch stundenlang von dieser Musikuntermalung schwärmen, aber ich lasse es aus Rücksicht auf Sie.
In diesem Spiel erlebte ich auch meinen schönsten Rennspielmoment: In der vorletzten Kurve werde ich überholt, dann geht es mit 250 auf die engste Schikane zu. Der Spitzenreiter bremst leicht ab, ich fahre neben ihn, drücke ihn auf den Bürgersteig an die Wand. Er schleudert, knallt gegen die Mauer, überschlägt sich. Durch die reibungsbedingte Geschwindigkeitsverminderung fahre ich perfekt durch die Schikane mitsamt nachfolgender Kurve und gewinne das Rennen. Meine Güte, habe ich gejubelt!
Bei aller Bescheidenheit, wer Rennfan ist und das hier nicht spielt, ist selbst Schuld!

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Wertung
Pro und Kontra
  • Grafik: Knackscharfe Texturen, tolle Modelle...
  • Sound: Sehr gute Effekte und Motorensounds, klasse Musik!
  • Balance: Gute Lernkurve, Wiederholungsfunktion, perfekt
  • Atmosphäre: Geniales Geschwindigkeitsgefühl, 3D-Zuschauer
  • Bedienung: Für meine Begriffe perfekt...
  • Umfang: Viele Autos, Multiplayermodus, dicke Karriere
  • Fahrverhalten: Alle Autos anders, Bodenbeläge wirken sich aus
  • KI: Macht Fehler, fährt nachvollziehbar, aggressiv
  • Tuning: Viele Lack-Möglichkeiten, Management
  • Streckendesign: jede Strecke anders, wechselnder Anspruch
  • Grafik: -
  • Sound: Managerin klingt gelangweilt
  • Balance: -
  • Atmosphäre: LeMans die einzige große Lizenz und dazu doof
  • Bedienung: ...die Lenkradkonfiguration soll aber nerven
  • Umfang: Keine eigenen Meisterschaften erstellbar
  • Fahrverhalten: -
  • KI: Pulkfahren bei LeMans
  • Tuning: Auto-Tuning nicht vorhanden
  • Streckendesign: -

Zusätzliche Angaben

Schwierigkeitsgrad:

genau richtig

Bugs:

Nein

Spielzeit:

Mehr als 40, weniger als 100 Stunden



Kommentare(4)

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