Storytelling par-excellence in einem ansonsten grundsoliden Spiel (Danke CD Projekt)

Storytelling wie man es richtig macht. Cyberpunk ist ein Beispiel warum das Medium der Videospiele, Büchern und Filmen als Kulturgut in nichts nachstehen muss.

von DerFee am: 22.12.2020

Puh, @Dimi (ein guter Teil dieses Kommentars bezieht sich vor allem auf das was du so gesagt und geschrieben hast)

Ich habe gerade den Abspann hinter mir und... naja, sitze immer noch ziemlich baff hier. Wenn man sich drauf einlässt, dann sitzt man am Ende wirklich da und hat Wortfindungsprobleme. Ich würde am liebsten direkt an dieser Stelle weitermachen, wobei ich auch ein sehr optimistisches Ende erreicht habe. Da hat man dann so doch extrem viel Redebedarf und ich versuche jetzt mal ein paar Gedanken objektiver zusammenzufassen. Und trotzdem wow.

Storytelling:


CD Project Red zeigt mal wieder, dass sie wirklich gute, moderne Geschichtenerzähler sind. Akt 1 ist von Anfang bis Ende großartig. Sehr gutes Pacing, ruhige Momente sind wundervoll zum "experimentieren" und sobald die Story in Akt 1 Fahrt aufnimmt, sollte man dafür gesorgt haben, genug Zeit mitzubringen, denn das Ende von Akt 1 mittendrin für Schlaf oder sowas zu unterbrechen gehört verboten. Der pessimistische und bedrückende Grundton der danach herrscht kommt auch beim Spieler an. Und hier ist das einzige Problem des Storytellings, die Open World. Da Akt 2 in einer sehr offenen Open World stattfindet, stimmt das Pacing einfach nicht mehr wirklich. Es packt einen nicht mehr so dicht, da man logischerweise eher der Hauptstory folgen sollte, dabei dann aber die wunderbaren Nebenmissionen etc. vernachlässigt. Ja die wichtigsten Nebenmissionen sind schön mit den Hauptmissionen verbunden, aber dennoch ist hier ein paar Mal die Immersion gebrochen und ich bin in ein Missionen abklappern verfallen (Meckern auf hohem Niveau). Der letzte Akt zieht dann nochmal schön an, speziell meiner war auch schön emotional, aber hier hätte es ein wenig mehr Content bedurft (klar das Problem ist dass X Enden auch den Aufwand stark erhöhen, aber gebraucht hätte es das dennoch), so wirkte der letzte Akt irgendwie, aufgesetzt, oberflächlich und viel zu sehr nur auf der emotionalen Seite. Was ich sagen möchte: das Gameplay kam ein wenig dünn, wenn man mich fragt. Der Epilog kommt dann leider auch eher abrupt und fade daher. Hier hätte ich mich mehr verwobene Geschichtsstränge gewünscht, aber wie gesagt, meckern auf hohem Niveau.

Gameplay an sich:


Das Gameplay allgemein macht Spaß. Die Vielfalt an Möglichkeit ist eine schöne Spielwiese. Es wurde zwar schon häufig gesagt, aber dadurch dass so viele Möglichkeiten bestehen ist keine wirklich tief. Das Schleichspiel mit Hacking ist gut, aber nicht Genrekrone. Für Gunplay, Driving usw. trifft es ebenso zu. Am meisten enttäuscht bin ich vom Crafting. Cyberpunk versucht Lootshooter zu sein, weil das bei so vielen Open World spielen so gut funktioniert, möchte als Rollenspiel aber auch Crafting ermöglichen. Das ging völlig nach hinten los.
Cyberpunk sollte besser Fokus auf Story und Charaktere legen, d.h. dass Gegenstände nicht durchgewechselt werden sollten wie sonst was, da verliert man die Bindung zum Charakter. Aber zu meinen Ideen für ein Craftingsystem in Rollenspielen könnte ich eh stundenlang schreiben und diskuttieren, daher belasse ich es mal hierbei.
Alles in allem, gefällt mir das Gameplay des Spiels gut, es ist nicht überragend, aber in der breite kenne ich wenige Spiele die so vieles so richtig machen.

Grafik:

Viel zu abhängig vom System (habe keine Highendmaschine) und dennoch finde ich die Welt grafisch stimmig und ich habe mehrfach Panoramen oder Ausblicke gehabt, selbst wenn ich nicht weit gucken konnte, die mich wirklich umgehauen haben. Ein durchweg schönes Spiel.

Bugs/Glitches
Lest euch besser die speziellen Beiträge dazu durch. Ich fasse mich kurz: ja sie existieren. Auf dem PC sind es recht wenige und sie haben mich selten aus der Immersion gerissen.

Allgemeiner Zustand:
Ein durch und durch sehr gutes Spiel, das evtl. ein wenig zu früh auf den Markt gebracht wurde. Wenn ich mir die Diskussionen zwischen Management und Entwicklerteam so anschaue, dann kann ich aber auch verstehen warum... letztlich geht es ums Geld verdienen.

Fazit:


Cyberpunk zeigt warum das Medium der Videospiele heutzutage in der Lage sein kann, einem guten Buch und einem Film in nichts nachzustehen. Ein Videospiel kann Kulturgut sein, Kontroverse Diskussionen über ethische, religiöse, moralische Fragen auslösen und zum Denken anregen (wer das Spiel gespielt hat, dem werden hier wahrscheinlich direkt einige Beispiele einfallen). Und genau das ist es was ich an Cyberpunk großartig finde. Und genau das ist es auch warum ich dem Spiele eine vergleichsweise hohe Wertung gebe und diese auch vertrete. Am liebsten würde ich übrigens zwei Wertungen abgeben, eine objektive 80-85 und eine persönliche 90+ (Storytelling ist mir persönlich wichtig und das ist hier echt gut)

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Wertung
Pro und Kontra
  • Storytelling (Pacing, Art der Präsentation etc.)
  • Atmosphäre (Night City)
  • Gameplay Vielfalt
  • Präsentation
  • Bugs/Glitches
  • Crafting
  • Gameplay Tiefe

Zusätzliche Angaben

Schwierigkeitsgrad:

genau richtig

Bugs:

Nur sehr wenige

Spielzeit:

Mehr als 40, weniger als 100 Stunden



Kommentare(1)

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