Totalschaden

Vorfreude ist bekanntlich die schönste Freude. Endlich wieder Verfolgungen mit der Polizei und eine offene, frei befahrbare Spielwelt im Stile von Most Wanted...

von Firewind am: 29.11.2008

Vorfreude ist bekanntlich die schönste Freude. Endlich wieder Verfolgungen mit der Polizei und eine offene, frei befahrbare Spielwelt im Stile von Most Wanted sollten den neuesten Need for Speed Teil wieder spielenswert machen. Meine Freude hat sich mittlerweile in Enttäuschung geändert. Warum, das erfahrt ihr hier im Test.

Das erste, was viele bereits schon vor dem eigentlichen Spielen abschrecken dürfte, ist die Online-Aktivierung, die schon wie bei anderen neuen EA-Spielen angewandt wird. Das heißt also, dass man ohne Internetzugang das Spiel nicht aktivieren und somit auch nicht spielen kann.

Hat man das Spiel aktiviert und startet es, kommt die nächste Überraschung. Wo ist das Hauptmenü hin? Ganz einfach - es gibt keins. Das Menü findet man nämlich nur, wenn man im Spielgeschehen pausiert. Stattdessen wird man erstmal aufgefordert, ein Profil anzulegen. Danach startet auch schon das Spiel mit einem rasanten Intro. Helikopter fliegen übers Meer, im Hintergrund sieht man die Stadt Tri-City Bay. Sie und ein paar Streifenwagen verfolgen einen flüchtigen Nissan 370Z, den wir nach der Einführungssequenz gleich steuern dürfen. Und hier wartet schon die nächste Überraschung: alles wirkt so furchtbar überstrahlt und wird unscharf. Naja, zum Glück kann man diese Effekte abstellen. Nach einer kurzen Weile erreicht man eine Polizeiblockade, die unser Auto natürlich durchbricht und es folgt eine schöne Zwischensequenz, bei der gezeigt wird, wie alle uns verfolgenden Polizeiwagen von zusammenstürzenden Bauteilen von uns außer Gefecht gesetzt werden und wir mit unserem Wagen gemütlich davon fahren. Danach erscheint ein kleiner Film, so in der Art wie man ihn schon aus den neuen C&C-Teilen kennt. Nur sind die Szenen hier nicht überdreht, sondern schon ernsthaft gespielt. In diesem Film sieht man nun Lieutenant Keller und Chase Linh (gespielt von Maggie Q) in einer kurzen Unterhaltung, in der man schon mal kurz erfährt, um was es so ungefähr gehen wird. Wir werden als Undercover-Agent in die illegale Racer-Szene eingeschleust, um ein Syndikat aufzudecken.

Jetzt geht es so richtig mit den Rennen los. Seltsamerweise starten wir aber nicht mehr mit unserem Fahrzeug aus der Anfangsverfolgung, sondern bekommen, ohne zu erfahren warum, einen lahmen Nissan 240SX, mit dem wir unsere ersten Rennen bestreiten. Und hier merkt man gleich, dass auch die Steuerung sich anfangs gewöhnungsbedürftig, aber danach doch sehr einfach und arcadelastig anfühlt. So kann man selbst bei Hochgeschwindigkeiten scharfe Kurven meistern, ohne bremsen zu müssen.

Insgesamt gibt es fünf verschiedene Renntypen. Neben dem bekannten Rundkurs, Sprint und Checkpointrennen gibt es auch die aus Underground 2 bekannten Outruns wieder, bei dem man den Gegner überholen muss und dann eine bestimmte Zeit lang führen muss. Dabei ist es völlig freigestellt, welche Route man fährt, da man die ganze Stadt frei befahren kann. Neu dazugekommen ist der Highway-Battle, bei dem man auf dem Highway gegen einen Kontrahenten entweder mit einem 300-Meter-Vorsprung gewinnt, oder auch wieder für eine bestimmte Zeit führt. Das ist gar nicht so einfach, da hier, im Gegensatz zur sonst so leeren Stadt, überraschend viel Verkehr herrscht und man doch ein wenig Glück und Geschick braucht, um zu gewinnen. Die Rennen sind eigentlich allesamt sehr einfach, sodass nicht nur Anfänger sich schnell zurechtfinden, sondern auch Profis schnell unterfordert sind. Es ist kein Problem, bei einem Rennen 10-20 Sekunden Vorsprung rauszufahren und zu halten, dazu fährt die KI einfach nicht aggressiv genug. Zudem ist auch ein häufiges Fahren im Pulk zu beobachten.
Sehr abwechslungsreich und fordernd, aber teilweise sehr schwer dagegen sind die Jobs, die man erledigen muss. So soll man zum Beispiel einen Wagen möglichst ohne Beschädigung am Zielort abliefern und dabei aufpassen, dass die Cops einen nicht erwischen. Die gehen nämlich nicht gerade vorsichtig mit dem Spieler um. Sehr schön ist dabei, dass es hier nicht nur immer pro Fahndungsstufe eine Art von Polizeiwagen gibt, sodass man es mit gemischten Polizeiwagen, z.B. mit Mustangs und Porsches zu tun hat. Insgesamt ist der Schwierigkeitsgrad, den man übrigens nicht ändern kann, ziemlich unausgewogen. Was mir an der Balance auch nicht so gut gefallen hat, ist, dass man den vollen Gewinn immer nur beim 1. Mal eines Rennens bekommt. Fährt man bereits gewonnene Strecken noch mal, bekommt man nur ca. 10% des ursprünglichen Gewinns.

Nach jedem dominierten Rennen oder Job erhöhen sich die Fahrerskills. Dabei kann man leider nicht beeinflussen, welchen Teil der insgesamt 10 Teile (u.a. Motor, Fahrwerk, Bremsen, Reifen Einnahmebonus, Teilerabatt) man gerne ändern möchte .

Je mehr Jobs und Rennen man absolviert, umso mehr Erfahrungspunkte bekommt man und erhöht so im Lauf der Zeit seine Fahrerstufe. Dadurch werden auch Rennen mit höherer Fahrstufe freigeschaltet.

Der Fuhrpark umfasst über 50 Fahrzeuge, die in europäische, japanische und amerikanische unterteilt sind und verschiedene Stufen haben, wobei 4 die schwächste und 1 natürlich dann die beste ist. Neben alltäglichen Wagen gibt es natürlich auch Musclecars und sehr teure Exoten wie den Bugatti Veyron oder den McLaren F1, der zuletzt in Hot Pursuit 2 zu sehen war.

Die Bedienung ist eigentlich sehr einfach. Entweder man wählt die Karte aus, wählt ein beliebiges Rennen und schon fährt man, oder man drückt die Tabtaste und kommt so zum Rennen. Zu einem Rennen fahren geht leider nicht, was eigentlich das Erkunden der riesigen Spielwelt überflüssig macht.

Abseits der Karriere gibt es auch noch einen Quickrace-Modus, in dem man ein beliebiges, bereits freigeschaltenes Auto wählt und kostenlos tunen und lackieren kann, bevor man dann eine Strecke gegen die KI fährt.

Grafisch wirkt das Spiel vollkommen veraltet. Trotz altbackener Grafik gibt es immer wieder Ruckler und die Framerate schwankt ab und zu ganz schön. Die Schatten sehen sehr kantig und hässlich aus, die ganzen Effekte wie Überstrahlung und Blur wirken hier sehr übertrieben, so dass man regelrecht geblendet wird, die Streckenumgebung kann auch nicht überzeugen, und der Gelb-Orange-Farbton ist sehr gewöhnungsbedürftig. Zum Glück kann man diese Effekte alle ausschalten, so dass man noch einiges an Performance gewinnt und so ziemlich flüssig spielen kann. Zudem habe ich schon ein paar Mal Clipping-Fehler erlebt. So bin ich zum Beispiel durch Polizeiautos hindurch gefahren, als ob sie gar nicht da wären, ein Polizeiwagen versank nach einem Sprung zur Hälfte im Boden und auch normale Autos ploppen einfach aus dem Nichts auf. Und an manchen Stellen strahlt die Sonne durch Berge hindurch. Hier wurde einfach schlampig programmiert, denn bei solch einer Grafik sollte man doch ein ruckelfreies Spielen erwarten können. Einzig die Autos sind sehr schön und detailliert gestaltet worden. Auch das Schadensmodell ist wieder ganz ordentlich geworden, so sieht man nicht nur Kratzer, sondern auch Scheiben gehen zu Bruch, die Heckklappe oder die Motorhaube haut es weg. So schön und detailliert wie bei einem Flatout oder GRID ist es allerdings bei weitem nicht geworden - wahrscheinlich aus Lizenzgründen.

Auch das Tuning ist wieder mit dabei. Hier kann man sowohl die Optik als auch die Leistung der Autos verändern. So gibt es wieder eine reiche Auswahl an Vinyls und Lack. Zudem kann man noch äußere „Kosmetik“ z.B. an Felgen, Motorhauben, Spoilern oder Auspuff vornehmen. Auch das Autosculpt aus vorherigen Teilen ist wieder mit dabei, so dass man bestimmte Teile beliebig ändern kann. Sehr mager dagegen ist die Auswahl an Bodykits ausgefallen, von denen gibt es pro Fahrzeug nur drei Stück. Beim Leistungstuning gibt es die Möglichkeit, entweder Schnell-Upgrades für Power und Handling in den Stufen Street, Race oder Pro einzubauen, oder man kauft sich Upgrade-Pakete um einzelne Komponenten aufzurüsten. Bei Motor, Fahrwerk, Antrieb, Reifen und Nitro lässt sich Feintuning vornehmen, bei dem man die Regler nach Belieben einstellen kann. Die Auswirkungen zeigen sich leider erst, nachdem man wieder auf der Straße ist. Teststrecken oder Windkanäle sucht man vergebens.

Soundtechnisch gibt es fast nichts zu bemängeln. Die Funksprüche klingen (in der englischen Version) wieder sehr authentisch und auch die Motorensounds sind kraftvoll. Der Soundtrack ist ganz ordentlich ausgefallen. Es gibt überwiegend elektronische, aber auch ein paar rockige Tracks. Ich hätte mir da persönlich eine ausgewogene Mischung gewünscht. Sehr schade ist auch, dass es diesmal keine Trackliste gibt, in der man die Lieder auswählen kann.

Fazit:
Nach dem doch sehr enttäuschenden ProStreet hatte ich gehofft, dass es endlich wieder aufwärts geht. Schließlich klang alles so vielversprechend mit den Cops, der freibefahrbaren Stadt und den ganzen anderen Neuerungen. Stattdessen findet man eine veraltete, ruckelige Grafik mit einem mit der Zeit langweilig werdenden Gameplay vor, das bis auf die Jobs nichts wirklich Aufregendes und Abwechslungsreiches bietet und somit wieder enttäuscht. Sehr schade!

Jetzt eigenen Artikel veröffentlichen

Schreib Deinen eigenen Artikel auf GameStar und tausche Dich mit anderen Lesern aus.

Eigenen Artikel schreiben

Wertung
Pro und Kontra
  • Grafik: schöne Autos
  • Sound: guter Soundtrack, gute Motorensounds
  • Balance: Einstieg sehr leicht
  • Atmosphäre: coole Verfolgungen mit den Cops
  • Bedienung: sehr einfach, Rennen direkt anwählbar
  • Umfang: lange Karriere, viele Rennen
  • Fahrverhalten: sehr arcadig, spezielle Fahrmanöver,Schadensmodell
  • KI: gute Cop-KI
  • Tuning: große Lack- und Vinyl-Auswahl
  • Streckendesign: 4 verschiedene Stadtteile
  • Grafik: veraltete Grafik,Clippingfehler,hässliche Schatten
  • Sound: Musik nicht auswählbar
  • Balance: nur 1 Schwierigkeitsgrad, unausgeglichen
  • Atmosphäre: leblose Stadt, langweilige Zwischensequenzen
  • Bedienung: umständliche Menüs
  • Umfang: ---
  • Fahrverhalten: sehr gewöhnungsbedürftig, anspruchslos
  • KI: fährt häufig im Pulk, nicht aggressiv genug
  • Tuning: Keine Tuningeinzelteile, nur Upgradepakete
  • Streckendesign: nicht sehr herausfordernd, zu künstl. Abgrenzungen

Zusätzliche Angaben

Schwierigkeitsgrad:

eher leicht

Bugs:

Nur sehr wenige

Spielzeit:

Mehr als 10, weniger als 20 Stunden



Kommentare(10)

Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.