Ultimate Trash Edition - mit Vorbehalt genial

So, nachdem ich frustriert Silent Storm in die virtuelle Ecke gepfeffert habe und ernsthaft befürchten muss, bei jeder künftigen Erwähnung des...

von Zockinchen am: 12.05.2014

So, nachdem ich frustriert Silent Storm in die virtuelle Ecke gepfeffert habe und ernsthaft befürchten muss, bei jeder künftigen Erwähnung des Unwortes "Panzerklein" in undamenhaften Angstschweiß auszubrechen, habe ich mich zur Ablenkung durch die letzten 2 Level von "Into the Dark" gerätselt, geballert und gelacht. Zeit für eine Review.

Trash mit Dampfantrieb

Die Ultimate Trash Edition Edition auf Steam ist die mittlerweile dritte Version des Machwerks, und die 1., die ich selbst spiele (Youtube Videos kannte ich bereits, ebenso die deutsche Box-Ausgabe, die bei uns im Büro voriges Jahr die Runde machte).

Gegenüber den Vorgängerausgaben gibt es jedoch einige Veränderungen:

  • Steam Achievements
  • zusätzliche Waffen
  • zusätzliche Items
  • ein zusätzliches Level
  • Oculus Rift Unterstützung
  • Neuer Soundtrack
  • Enthält den Film "Night of the Living Dead"
  • Neu aufgenommene Voice Overs
  • Überarbeitete Grafik
  • Ragdoll


Mit Ragdoll lassen sich tolle Sachen machen, leider verschwinden die Gegner schnell.

Das alles liest sich erstmal hervorragend, besonders wenn man schon mit dem Humor der Ur-Versionen etwas anfangen konnte. Allerdings muss man anmerken, dass das Betrachten von Lets Plays kein Ersatz für das Selber-Spielen ist, da ich kein einzgies Video kenne wo die Player auch nur die Hälfte der Gags und Anspielungen gefunden hatten. Es haben auch nur wenige begriffen, dass es sich um viel, viel mehr als nur ein trashig gemachtes Spielchen handelt. Und auf wie vielen Ebenen das Spiel eine Genialität versprüht, die man in diesem Medium noch kaum gesehen hat.
Doch davon später.

Die Steam Store Page ist ein Witz

Und ds ist jetzt vollkommen ernst gemeint. Das Werbevideo zeigt voller Stolz, wie man als Spieler an einem der Clipping Fehler sterben kann. Es wird mit Hunderten Bugs in der Feature List geworben und ein "Minimum von 10 Crashes beim Durchspielen" garantiert.

Dass das Spiel inzwischen keineswegs mehr verbuggt ist (zumindest weniger als die meisten Spiele der 10 Euro Klasse), tut nichts zur Sache - die Ösis von Homegrown Games tun erstmal alles, um potentielle Käufer abzuschrecken. Nur wer zwischen den Zeilen lesen kann, den Hinweis mit den IQ-Systemvoraussetzungen des Spielerhirns zur Kenntnis nimmt oder gar die "geheime" Botschaft in der Beschreibung entdeckt, wird sich wohl das Spiel kaufen. Es ist so, als ob die Entwickler sagen "Wenn du nicht verstehst, was wir hier gemacht haben, dann scher dich zum Teufel!"

Das gilt natürlich auch für alle unter 18. Zu Recht.

Pornographische Elemente sind auf der Store Page zensiert, im Spiel findet man sie in voller "Pracht".
(Anmerkung: Diese Motorsäge wurde in einer Küche gefunden. Und es fehtle das Benzin)

Und diese Antiwerbungs-Taktik geht durchaus auf:

Aktuell gibt es bei 21 Steam Reviews 17 Weiterempfehlungen, dieses Verhältnis haben normalerweise nur absolute Kracher aufzuweisen.

Was für ein Genre ist es überhaupt?

Into the Dark ist ein Investigation Game. Man stolpert illeglerweise als Ex-Österreicher, Ex-US-Soldat, Ex-New-Jersey-Polizist und nun alkoholkranker Versicherungsdetektiv unter Anleitung der zynischen, vulgären und abgebrühten Managerin Samantha "Sam" Miller in die Hütte eines verstorbenen Wissenschaftlers, um dort irgendwelche Dokumente zu finden, die es Sams Versicherung ermöglichen, sich vor einer Zahlung in der Höhe von 10 Millionen Dollar zu drücken. Spielerisch bedeutet das, dass man jede Ecke in dem spärlich beleuchteten Gebäude absucht, einfache Rätsel zu lösen hat und über kurz oder lang auch zur Waffe greifen muss, um am Leben zu bleiben.

Die Schrotflinte ist die stärkste Waffe im Spiel, die Munition dafür wurde aber gut versteckt. Insgesamt gibt es 14 Waffen (und Schnapps!)

Das Gameplay

Je mehr wir schießen, desto weniger Rätsel, aber dafür härtere Gegner bekommen wir (aber auch bessere Waffen). Je mehr Rätsel wir lösen, desto kniffligere Aufgaben bekommen wir, dafür aber auch sinnvolle Perks (Bomben basteln, Nekromantie, Alkoholismus der Stufe 3). Die Wahl des jeweiligen Pfades kann jederzeit über das Mission Log, eine Art virtuelles Tagebuch, aufgerufen werden und wird nach jedem Level ge-resetet. Die Rätsel beschränken sich meist darauf, Schlüssel, wichtige Hinweise oder Computerterminals zu finden und Passwörter zu recherchieren, aber es gibt auch einige echte Highlights, wo man die Umgebung manipuliert, einen C64 umcodet oder riesige Gemälde (pornographische, natürlich...) zusammensetzen muss. Das meiste lässt sich mit Lesen, Einsammeln und an den richtigen Stellen Enter drücken lösen.

Manchmal braucht man auch das richtige Ingame-Handbuch um nicht als Elektro-gegrilltes Festtagsalkoholikerspanferkel zu enden.

Die Optik

Wer ernsthaft die Grafik kritisiert, hat sie nicht alle. Klar sieht es nicht plastikbuntstrahlendglänzend wie der neueste Superrealengine 5 Shooter mit zehn Überstrahleffekten gleichzeitig aus, aber es wird eine alte, verrottete, abgefuckte Umgebung überzeugend dargestellt. Und was die Technik betrifft, veraltete einfache Engine hin oder her, die Texturenauflösung ist teilweise so hoch, dass man auf einer am Boden liegenden Briefmarke den Poststempel lesen kann, wenn man kriecht. Lediglich bei den Animationen muss das Spiel ordentlich Federn lassen, auch fehlen echte dynamische Lichtquellen.


Der Boden hier besteht aus 64.000 einzelnen Kacheln, und die Wandbilder sind höher aufgelöst als ein Full HD Fernseher - Unschärfe gibt es nicht.

 

Aber eigentlich ist die Grafik sekundär, Into the Dark spielt man wegen einem anderen Grund:

Der Humor.

Und hier trennt sich Spreu von Weizen. Wer nur über die McGyver Melodie, einige Titten- und Peniswitze und den köstlichen Akzent lachen kann, weil er den Rest nicht versteht, ist hier fehl am Platz. Ebenso, wer mit der erwachsenen Sprache der Protagonisten (bei gleichzeitig herrlicher Dummheit der Aussagen) nicht klar kommt.

Oder, anders gesagt: "Ist es dir nicht lustig genug, bist du zu blöd!"

Neben den erwähnten Primitivwitzen (nennen wir sie Stufe 1 Witze) gibt es nämlich auch die Stufe 2, ich nenne sie "Nerdwitze light". Schrödingers Katze, vor der sich Pete mehr fürchtet als vor den Zombies, Terroristen, dem CIA und den Raumnazis zusammen, ist so ein Fall.

Stufe 3 sind dann "Insiderwitze Medium", wenn beispielsweise ausgerechnet in der Küche eine Motorsäge ohne Benzin gefunden wird oder die Protagonisten vor einem "Wir Amerikaner lieben euch ehemelige Wehrmacht Soldaten" Poster "Springtime for Hitler and Germany" singen.

Stufe 4 benötigt dann exzellentes Geschichtswissen, Kenntnisse der Politikwissenschaften oder ein Quantenphysikstudium. Wenn Pete (der Hauptdarsteller) bei einer quantenmechanisch manipulierten Ratte nicht Position und Geschwindigkeit gleichzeitig feststellen kann, weil sie dann unscharf wird und sie dann Heisenberg tauft...

...wer das versteht, kann getrost 10 Punkte zu meiner Wertung addieren. Denn diese bezieht sich auf Spieler, die mindestens 2 dieser 4 Ebenen verstehen.

 


Mutant Irwin liebt Schach, Literatur der Antike, Poesie; er ist Vegetarier und Pazifist. Und unser wichtigster Verbündeter in den Abwasserkanälen.

Fazit:


Into the Dark ist für Casuals, Mainstreamer, Hektiker, Dumpfbacken oder Ignoranten immer noch ein ungewöhnliches, vielleicht sogar unterhaltsames, aber wahrscheinlich zu sprödes, zu userunfreundliches und zu abgehobenes Game. Aber es ist vor allem ein spielbarer Intelligenz- und Bildungstest. Und wer diesen besteht, bekommt die beste Unterhaltung der letzten Jahre geliefert.


Wertung
Pro und Kontra
  • Absolut einzigartiges Konzept
  • Teils sehr gute optische Elemente
  • Teils solide, teils gut konstruierte Levels
  • Spielunterstreichender, solider Soundtrack
  • gute Shooter-Einlagen
  • sehr viel Humor verschiedenster Niveaustufen
  • kernige Dialoge
  • gut versteckte bösartige Intelligenz
  • Nackte Menschen
  • Sehr subversiv verpackte "ernste" Botschaften
  • Kompletter Film "Night of the Living Dead" in einem Ingame Kino wo man mit Skeletten saufen und Film gucken kann (!!!)
  • 10+ Stunden Spielzeit bei langsamen Pacing
  • KI Aussetzer
  • Schlechte Tonabmischung
  • einige Schnitzer in Teilaspekten von Grafik & Design
  • Grottige Animationen

Zusätzliche Angaben

Schwierigkeitsgrad:

genau richtig

Bugs:

Nur sehr wenige

Spielzeit:

Mehr als 10, weniger als 20 Stunden



Kommentare(7)

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