Ver(Risen) 2

Der namenlose Held - und bei Piranha Bytes ist es immer ein Namenloser - strandete in Risen 1 auf einer großen Insel. Vom Laufburschen arbeitete er sich hoch....

von Tsabotavoc am: 23.06.2012

Der namenlose Held - und bei Piranha Bytes ist es immer ein Namenloser - strandete in Risen 1 auf einer großen Insel. Vom Laufburschen arbeitete er sich hoch. Er besuchte Ruinen, kam einer dunklen Bedrohung auf die Spur, besiegte die Armeen der Echsenmenschen und bezwang einen Titanen höchstselbst.

In Risen 2 ist alles ganz anders: Der Held aus Teil 1 hat sich um seinen Namen gesoffen und strandet in der Inquisitionsfestung. Er arbeitet sich vom Laufburschen hoch...

Wir sitzen im Schlauchboot...

Das alte Gothic-Feeling kommt erst gegen Ende des Spiels wieder auf. Die Welt wird offener und es gibt wieder mehr zu entdecken. Hier punktet das Spiel.

Leider viel zu spät den die meisten altgedienten Recken werden bereits vor mehreren Stunden das Handtuch geworfen haben.

Hässliche Charaktere die erschreckend flach bleiben und keinerlei Tiefe gewinnen, eine Story die nicht und nicht in Fahrt kommt, ein schwaches Charaktersystem gepaart mit einem nervigen Kampfsystem...

All das könnte ich verschmerzen. Denn: Gothicspiele hatten eine Seele. Die ist mit Risen abhanden gekommen.

Sorry aber das alles in Kombination ist mir 2012 zu wenig.

Alkohol für den Fortschritt!

Ob man Risen 2 mag hängt in erster Linie davon ab ob man Gothic mag oder nicht. Der Entdeckergeist, die Entscheidung zwischen den Fraktionen, das Erkunden vom Unbekannten - all das hat Gothic stark gemacht und das war auch die Stärke von Risen 1.

Da nahm man es ned übel, dass die ersten Quests eher den Charakter von Botengängen hatten. Man könnte es auch Risen 2 verzeihen...

Gleich die erste Quest die man bekommt im Spiel: Kisten einsammeln. Muss das sein? Wo Risen 1 noch mit einer prächtigen, frei erforschbaren Insel punktete hat man nun eine ganze Reihe von Inseln. Die allesamt so übersichtlich wie ein Hamsterkäfig sind.

Entscheidungen zwischen den Fraktionen? Praktisch Fehlanzeige. Die eine Entscheidung die man im Spiel treffen kann ist ein schlechter Witz.

Shakespeare im Rausch

Risen 2 schafft etwas, was kaum ein Spiel zuvor je geschafft hat: Es schafft den Trick schlechter auszusehen als sein Vorgänger.

Das hat mehrere Gründe: So kantige Gesichter habe ich schon seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen. Die Animationen der Charaktere sehen lächerlich aus. Kurioserweise sind die Eingeborenen wirklich in Ordnung von den Animationen. Leider bewegt sich der Held als hätte er einen Besen im Hintern und Patty wie aus einem Shakespeare Roman.

Die Gestik wirkt so übertrieben wie in einem Schauspielstück einer Volksschulklasse. Den Vogel schießt dabei Patty ab die bei jedem Satz eine theatralische Handbewegung durchführt.

Details mögt ihr meinen? Vielleicht. Aber sie zerstören die Atmosphäre. Massivst. Abgerundet wird dies durch massive Clippingfehler. Ich kann einem Spiel gelegentliche Clippingfehler nachsehen. Aber nicht bei den Rüstungen!

Da hilfts auch nichts dass die Landschaften sehr ansprechend gestaltet sind. Schon gar nicht wenn einem selbst auf den höchsten Grafikeinstellung alle paar Meter ein Objekt ins Gesicht ploppt.

Gesucht: Eine Bedrohung

Die Inszinierung könnte lächerlicher nicht sein. Ok: Inszinierung war nie die Stärke von Piranha Bytes. Aber wenn man schon alles andere vor die Hunde gehen lässt um den Spielern eine Story zu präsentieren sollte man das auch richtig tun.

Man ist Undercoveragent um eine mächtige Waffe der Titanen zu suchen. Ende. Wisst ihr was ein MacGuffin ist? Das ist das Paradebeispiel für eine MacGuffin. Oder die Piranhas haben die Story aus den Augen verloren.

Den die Titanen halten sich höflichst im Hintergrund. Das Gefühl undercover zu sein habe ich keine 30 Sekunden gehabt. Von der ach so bösen Mara habe ich praktisch nichts mitgekriegt bis ich sie zum Schluß platt machen durfte.
Und die ach so großartige Inquisitionsfestung zu Spielbeginn? Die besteht aus sage und schreibe zehn Leuten.

Kurz und gut: Risen 2 wirkt diesbezüglich noch unglaubwürdiger als Teil 1.

K(r)ampfsystem

Ja aber ist denn wenigstens das Kampfsystem und das Rollenspiel gut?

Klare Antwort: Nein.

Warum man das gut funktionierende Kampf- und Magiesystem aus Risen 1 komplett über Bord werfen und mit Gewalt was neues erfinden musste wissen nur die Götter allein.

Kämpfe lassen sich mit einem Wort umschreiben: Klicken, Saufen, Klicken, Saufen. Taktische Finessen sind Fehlanzeige. Für die Simplizität ist die Inszinierung zudem jämmerlich. In einigen Situationen wird man mit einer lustig anzusehenden Zeitlupenanimation belohnt.

Das Rollenspielsystem wurde versimplifiziert um einem breiteren Publikum zu gefallen. Es ist nicht so primitiv wie in Fable. Aber die Zeiten eines Gothics sind wohl endgültig gezählt.

Der Kern des Charaktersystems sind fünf Grundattribute die man mit Erfahrungspunkten steigern kann. Wenn man z.B Klingen auf 4 hat kann einem ein passender Lehrmeister danach spezielle Angriffsmanöver beibringen.

Das klingt nun toller als es ist: Denn das spannende Magiesystem aus Risen 1 wurde ersetzt durch Vodoo welches bestenfalls eine Supportrolle spielt und nicht als eigenständiger Spielstil angesehen werden kann. Fernkampf mit Musketen hingegen funktioniert so hervorragend das Nahkampf kaum eine Alternative bietet bzw. deutlich anspruchsvoller ist.

Kleider machen Leute

Eine weitere Neuerung des Spiels ist die Ausrüstung des Charakters. Endlich kann man seinen Charakter mit unterschiedlichen Hemden, Hosen, Jacken und Rüstungen ausstatten. Ab und an spielt die Kleidung sogar eine Rolle:

Z.B können wir nur dann zu einem Governour durch wenn wir ordentlich angezogen sind. Also müssen Hemd, ne gescheite Hose und vernünftige Schuhe her.

Wie gewohnt bieten die Klamotten Schutz vor Feindeinwirkung in unterschiedlichem Maße. Dadurch das die Trefferpunkte des Charakters nicht mehr steigen sondern immer gleich bleiben kommt einer vernünftigen Rüstung zudem mehr Bedeutung zu als in Risen.

Die Klamotten sind prinzipiell alle sauber und abwechslungsreich designed. Allerdings tragen gerade die mächtigeren Rüstungen so auf, dass man schon mal halb in Türen oder Gegenständen drin hängt was nicht besonders gut aussieht.

Wie gewohnt kann man seine Ausrüstung zum Teil auch wieder selber bauen. Um dem Piratensetting gerecht zu werden wurde Alchemie durch Schnaps brennen ersetzt und statt Schriftrollen und Runen baut man nun Vodoopuppen.

Leider muss der geneigte Fan der Serie auch hier Abstriche hinnehmen: Denn es gibt noch weniger Rezepte als in Risen 1. Schade drum.

Kostenlos dabei: Best of Minigames

Oder worst of Minigames. Das einfügen von Minispielen scheint immer mehr in Mode zu kommen.

Liebe Piranhas: Habt ihr in letzter Zeit mal bei der Konkurrenz vorbeigeschaut? Deus Ex Human Revolution zum Beispiel hat auch ein Hack-Minispiel. Das macht Spaß!

Das Schlösserknacken bei euch verursacht mir Krämpfe. Ich habe alle Zeit der Welt und kann eigentlich nicht verlieren. Das selbe beim Wetttrinken: Wer nüchtern startet kann es gar nicht vermasseln.

Wenn die Minispiele keinen Anspruch an den Spieler stellen - warum dann überhaupt machen? Die Frage können wohl nur die Designergötter beantworten.

Früher war alles besser

Risen 2 hat gute Ideen. Und man merkt das die Designer sich schon Gedanken um ihr neues Baby gemacht haben.

Die Welt ist wie von einer Postkarte kopiert und lädt ein zum Erkunden bis man merkt wie klein eigentlich alles ist.

Vodoo und Affentraining machen Spaß. Trotzdem fehlt einem ein richtiges Magiesystem wie in den Vorgängern.

Das Kommandieren seines eigenen Schiffes ist eine tolle Sache: Aber die Mannschaft wächst einem nie ans Herz.

Man kann nun zurecht sagen, dass die Charakterentwicklung nie eine Stärke der Piranhas war. Dennoch müssen die Jungs akzeptieren das sich die Welt weiterdreht. Entweder besinnen sie sich auf die alten Stärken oder sie gehen weg von dem was Gothic ausmacht. Dann aber müssen sie auch damit rechnen das man über klassische Schwächen nicht mehr einfach wegsieht - schon gar nicht wenn die Konkurrenz DeusEx und MassEffect heißt.

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Wertung
Pro und Kontra
  • Grafik: Schön gestaltete Inseln
  • Sound: Voll vertont, Gute Sprecher
  • Balance: Keine sinnlosen Fähigkeiten
  • Atmosphäre: Tolles Karibik-Urlaubsfeeling
  • Bedienung: Questübersicht mit Markierung auf Karten
  • Umfang: Mehrere Inseln, knapp 20 Stunden Spielzeit
  • Quests/Handlung: Sehr viele Quests mit unterschiedlichen Lösungen
  • Charaktersystem: Spaßiges Vodoo und Affentraining
  • Kampfsystem: Rum spielt eine Rolle und Alkohol ist gut!
  • Items: Viel mehr Ausrüstung als in Teil 1! Ringe, Waffen,
  • Grafik: Massives Clipping, schwache Animationen
  • Sound: Sprecher wiederholen sich, keine echte Emotion
  • Balance: Fernkampf zu stark, Diebstahl fast zwingend nötig
  • Atmosphäre: URLAUBSFEELING! Kein Gefühl der Bedrohung.
  • Bedienung: Unübersichtliches Interface
  • Umfang: Für ein Gothic viel zu linear
  • Quests/Handlung: Zu viele Botengänge
  • Charaktersystem: Keine Magie mehr und dadurch wenig Optionen
  • Kampfsystem: Klicken, trinken, Klicken, trinken, Taktik adieu
  • Items: Hosen, Helme, Talismane! Hier ist Risen TOP!

Zusätzliche Angaben

Schwierigkeitsgrad:

eher leicht

Bugs:

Oft, regelmäßig

Spielzeit:

Mehr als 20, weniger als 40 Stunden



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