Wenn MTV ein Ballerspiel wäre...

...und eine Priese Super Mario eingesträut hätte, dann wär's DOOM: ETERNAL

von Kontra am: 29.12.2020

Grafikschock!

Die Präsentation hat ID Software mal wieder gut hinbekommen - zumindest auf dem ersten Blick. Die IDTech Engine ist sehr gut, aber ID's Engines waren schon immer bahnbrechend.

Leider hält diese Grafikblendung nicht lange an: schon bei der ersten Begegnung mit einem Arachnatron geht es schon los: LOW AMMO / LOW HEALTH blinken auffällig und störend im Sichtfeld. Gewöhnt euch dran, das wird ständig der Fall sein. Gegner explodieren in einer Flut von quietschbunten Symbolen, die Munition und Gesundheits-Pickup darstellen sollen.

Die Monster und die Landschaften sehen bombastisch aus - nur dass man sie nicht wirklich geniessen kann, den DOOM ETERNAL bestraft stillstand: Munitions- und Gesundheitsmangel sind ein Dauerzustand, wer nicht ständig rumhoppelt und flitzt wie ein Kannickel der ist sehr schnell mausetot.

 

Gameplayschock!

Man spielt den Doomguy - oder neuerdings Doomslayer - eine Art Space Marine im Power Armour. Nur das dieses Power Armour scheinbar aus Gummi gemacht ist, den statt wie ein gepanzerter Space Marine hoppelt und tänzelt Doomguy herum wie eine Prima Ballerina.  Das ist auch bitter nötig, denn ständig in BEwegung zu sein ist Pflicht, ebenso die in DOOM 2016 eingeführten "Glory Kills" also Exekutionen per Tastendruck, denn nur durch diese bekommt man die dringen benötigten Munitionsdrops. Die berüchtigte Kettensäge, die beim UrDOOM noch ein (Mit)Indizierungsgrund Grund war ist auch diesmal wieder dabei - als Glory Kill Finisher. Sie verbraucht allerdings Benzin, kommt also nicht beliebig oft zum Einsatz da Benzin rar ist.

Einen absoluten Schnitzer hat sich ID Software im Gameplay geleistet: die Platforming Einlagen aus DOOM 2016 wurden gesteigert. Es gibt jetzt viel mehr davon, sehr viele Levels sind jetzt auch vertikal aufgebaut und Platform-Hopsen ist jetzt eine olympische Disziplin bei DOOM. Leider. Und diese Super Mario Einlagen sind es auch, die dieses Spiel - für mich zumindest - ungeniessbar machen.

Ach ja, DOOM hat jetzt eine Story! Eine aufgebauschte Story. Sie ist zwar absolut an den Haaren berbeigezogen, aber diesmal wirklich Bestandteil des Spiels, mit Zwischensequenzen und allem drum und dran...

 

Monsterschock

Die Gegner von DOOM ETERNAL sind leider nur noch Karikaturen der alten DOOM Monster, die auf Grund der Slapstick-Animationen jegliche Bedrohlichkeit verlieren: exekutieren wir beispielsweise einen Imp, treten seine Augen hervor in bester Slapstick Manier. Einem Cacodemon schiessen wir eine Granate ins Maul, auch hier wieder Slapstick Einlagen, ein lauter Schlucker, ein schockierter Blick und... somit verkommt DOOM ETERNAL eher zur Persiflage als zum Alptraum-Shooter der es hätte sein sollen. Ein wesentlich ernsterer Ton wäre hier viel besser und atmosphärischer gewesen.

 

Fazit

DOOM ETERNAL ist grafisch sicherlich imposant aber spielerisch ein Flop. Die vielen Sprungeinlagen, gepaar mit dem übertrieben hektischen Rumgehopse nerven auf Dauer einfach nur. DOOM ETERNAL stellt leider den absoluten Tiefpunkt des DOOM Franchises dar, das DOOM 2016 bereits eingeläutet hat. Eine wesentlich bessere (und billigere) Investition ist das zeitgleich erschienene DOOM 64, ein Port des Nintendo 64 DOOMs für PCs, das zwar technisch nicht auf dem Stand von 2020 ist, aber spielerisch und atmosphärisch die beiden letzten DOOMs weit hinter sich lässt. Von mir gibt's ne 3 von 9.

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Wertung
Pro und Kontra
  • grafisch und technisch sehr gut
  • nervtötende Platforming Passagen
  • an den Haaren herbeigezogene Story
  • dauernde Munitions- und Gesundheitsknappheit erfordern "Glory Kills"
  • quietschbunte Pickups und HUD
  • nicht mehr als ein Grafikblender

Zusätzliche Angaben

Schwierigkeitsgrad:

eher schwer

Bugs:

Nein

Spielzeit:

Weniger als 5 Stunden



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