Der Krieg: Eine logische Konsequenz
Viele Aktionen beeinflussen nicht nur unser Ansehen, sondern auch das politische Klima. Am Anfang befinden wir uns im fest vorgegebenen Friedenszustand. Meuchelmorde und andere üble Sachen senken im Laufe der Zeit eine Friedensleiste am oberen Bildrand, sodass es irgendwann unweigerlich zum Krieg kommt.
Wer jetzt Total War denkt, liegt immer noch falsch. Zwar steht uns eine ganz ordentliche Truppenauswahl zur Verfügung, die nach dem Schere-Stein-Papier-Prinzip funktioniert, allerdings spielen sich die Schlachten und Belagerungen fürchterlich unspektakulär, und auch der taktische Tiefgang lässt zu Wünschen übrig.
Wer in der ersten Phase clever plant und Nahrung für den Unterhalt der hungrigen Soldatenmeute bunkert, der klickt sich nach Kriegsausbruch relativ anspruchslos zum Sieg. Überhaupt wirkt der militärische Aspekt nicht zu Ende gedacht. Die eben noch lebenswichtige Diplomatie wird plötzlich größtenteils hinfällig, die Schlachten selbst beschränken sich zumeist darauf, ganz viele Einheiten zu markieren und dann auf einen Feind zu klicken. Spaß macht das nicht wirklich, sieht bisweilen aber lustig aus, weil Truppen in die falsche Richtung schlagen und ihr Ziel trotzdem treffen.
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A Game of Thrones: Genesis - Trailer
Die Kampagne: Verstehen Sie Martin?
Fürchterlich unspektakulär – um nicht zu sagen: stinklangweilig – spielt sich auch die Kampagne von A Game of Thrones: Genesis. Das liegt unter anderem daran, dass die meisten Missionen streng nach Schema F ablaufen und uns gerade zu Beginn dauernd das wiederholen lassen, was wir im Tutorial ohnehin schon gelernt haben. Noch schwerer wiegt, dass die Geschichte nicht nur nur öde inszeniert, sondern mithin nahezu unverständlich für all jene ist, die nicht Hals über Kopf in der Materie der Vorlage stecken.
Wenn Sie beispielsweise keine Ahnung haben, wer Nymeria ist, und warum die irgendwie wichtig war, dann stehen Sie schon in der ersten Kampagnen-Mission wie der Ochse vor dem Berg. Genesis erzählt nämlich nicht nur die Vorgeschichte zur Roman-Handlung und kommt daher ohne die handelnden Figuren aus Buch und Serie aus – es gibt sich auch keinerlei Mühe, den teils leidlich interessanten Stoff so aufzubereiten, dass man ihn ohne Bachelor-Abschluss in George-Martin-Kunde vernünftig nachvollziehen kann.
Wer von Genesis das Spiel zur Fernsehserie erwartet und in Gestalt von Ned Stark den verfluchten Lannisters in den Hintern treten will, der sei gewarnt. Und wer gerade nur Bahnhof verstanden und »Ned wer?« gefragt hat, der sei erst recht gewarnt und an die wesentlich spannendere Romanvorlage verwiesen. Am Geschichtsunterricht Marke Genesis jedenfalls dürften nur hartgesottene Martin-Anhänger ein Vergnügen haben.
Die Atmosphäre: Steril schlägt Flair
Wenn die Kampagne schon keine Eis-und-Feuer-Atmosphäre versprüht, dann vielleicht wenigstens die Optik? Pustekuchen! Zwar dürfen wir im freien Spiel die aus der Vorlage bekannten Herrschaftshäuser spielen, bloß ist das so lieblos in Szene gesetzt, dass A Game of Thrones: Genesis ebenso gut in einer beliebigen 0815-Fantasy-Welt spielen könnte.
Die mit zweckmäßig noch wohlwollend umschriebene Grafik könnten wir dabei durchaus verschmerzen. Dass allerdings die den Romanen entnommenen Burgen allesamt den Namen »Feudalsitz« tragen und in etwa so viel Eindruck schinden wie die Playmobil-Plastikfestung des neunjährigen Bruders, wirft dann schon die Frage auf, wozu es die Lizenz eigentlich gebraucht hat.
Da passt es wie die Faust aufs Auge, dass selbst die Rückseite der deutschen Verpackung den korrekten Titel der Roman-Reihe nicht kennt. Oder unser Herrscher im freien Spiel keinen Namen hat, sondern – aufgepasst! – »Großlord« heißt. Wie sein Erbe heißt? »Erbe« natürlich. Und sein Bastard? Na, raten Sie mal. Wenn Sie mit George Martins Werk nicht vertraut sind, dann können Sie sich diesen Atmosphäre-Killer auch als Analogie vorstellen: Denken Sie sich einfach ein Herr-der-Ringe-Spiel, in dem alle Hobbits »Hobbit« heißen und Beutelsend unter »Da, wo der Hobbit wohnt« firmiert.
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