Eigentlich hatten wir keine Zeit. Der Junggesellenabschied meines besten Freundes stand an. Als Trauzeuge habe ich diesen Abend wochenlang vorbereitet, Leute aus ganz Deutschland nach München bestellt. Eigentlich will ich den Bräutigam bloß abholen, doch der hat gerade Besuch und dieser Besuch sagt: Hey, bevor wir losgehen ... wollt ihr noch eine Runde Vampire Survivors zocken?
Ich kannte Vampire Survivors; also zumindest in der Theorie, weil ich beruflich natürlich wissen muss, warum ein vier Euro teures Steam-Spiel 2022 völlig aus dem Nichts über 70.000 Leute gleichzeitig vor die Rechner treibt und damit so manchen Triple-A-Blockbuster aussticht. Ich kannte Vampire Survivors als Phänomen, gespielt habe ich es nie.
Also sage ich als verantwortungsbewusster Trauzeuge natürlich: Klar, zehn Minuten haben wir noch, was soll schiefgehen?
Wir kamen viel zu spät.
Wenn dich ein Spiel in ein paar Sekunden in seinen Bann zieht, dann hat es etwas Besonderes. Kein Wunder, dass Vampire Survivors sein eigenes Subgenre losgetreten hat – die Ego-Shooter-Variante Bloodshed habe ich erst kürzlich vorgestellt.
Doch jetzt mischt ein Neuzugang mit, der mich als Altgriechen mit einem ziemlich coolen Alleinstellungsmerkmal lockt: Achilles: Survivor lässt mich Vampire Survivors in der griechischen Mythenwelt erleben – und es frisst gerade alle meine Feierabende.
Was ist Achilles: Survivor?
Achilles: Survivor ist ein Spin-Off des ziemlich unbekannten, aber spielenswerten Achilles: Legends Untold. Aber wo euch der Quasi-Vorgänger eher ein Diablo im Trojanischen Krieg auftischt, schlittert Achilles: Survivor mehr als deutlich im Windschatten von Vampire Survivors:
- Ihr wählt zu Spielbeginn eine von zig Heldenfiguren. Am Anfang steht euch nur Achilles selbst zur Verfügung, später schaltet ihr beispielsweise die mächtige Orakelpriesterin Pythia frei oder Hektor von Troja oder den Zyklopen Brontes oder ... das Kriegerhühnchen Alectryon!
- Dann geht's in die ausgewählte Arena: Ihr müsst 20 Minuten gegen stetig anwachsende Gegnerhorden aus Zyklopen, Riesenspinnen, Soldaten und Co. überleben.
- Euer Charakter greift automatisch an, ihr kümmert euch lediglich um das geschickte Manövrieren durch die Gegnerhorden.
- Jeder Kill gibt Erfahrungspunkte, die ihr in dauerhafte Power-Ups investiert, beispielsweise mehr Schaden, neue Angriffe, schnelleres Movement und so weiter.
- Egal, ob ihr durchhaltet oder KO geht: Nach der Runde sackt ihr rundenübergreifende Beute ein, die sich in dauerhafte Upgrades investieren lässt. Klassisch Roguelite.
Wer Vampire Survivors gespielt hat, merkt sofort: Es ist das klassische Survivors-Spielprinzip; das perfekte Spiel, um nebenbei einen Podcast zu hören, während ihr euch 20 Minuten in der Arena herumbewegt und stärker werdet. Der Sog funktioniert genauso gut wie im großen Vorbild. Anfangs haut mein Diomedes noch im Schneckentempo jeden Gegner einzeln weg, 40 Level-Ups später pfeffert er Zauber, Brandbomben und fliegende Schilde um sich herum und pflügt in Sekunden durch Hunderte Feinde.
7:11
In Achilles: Survivor ringen wir sieben Minuten lang als Hektor von Troja ums Überleben
Was macht Achilles: Survivor einzigartig?
In puncto Waffenvielfalt reißt Achilles: Survivor aber definitiv keine Bäume aus, hier bleibt die Vorlage deutlich kreativer. Dafür fährt Achilles eigene Stärken auf, die Vampire Survivors nicht hat:
- Es sieht super aus: Nichts gegen den Pixellook von Vampire Survivors, aber Achilles ist mit seinen 3D-Umgebungen und dem Griechenland-Look einfach eine sehr coole optische Abwechslung.
- Ihr baut Türme: Achilles leiht sich ein paar Kniffe aus dem Tower-Defense-Genre. Ihr sackt überall auf der Map Steine ein und klöppelt damit Geschütztürme, Säuregruben, Drehklingendingsis und andere Fallen aus der Erde. Diese Anlagen clever zu platzieren, bringt eine angenehme taktische Note ins ansonsten sehr stumpfe Gameplay.
- Es hat Bumms: Das klingt banal, aber wenn ich in einem Spiel Tausende von Feinden umspratzle, dann soll das auch Spaß machen. Achilles: Survivors kriegt ein sehr befriedigendes Oomph-Gefühl hin, vor allem bei den Explosionen. Wenn ihr eine explosive Spinne inmitten von Gegnerhorden zur Detonation bringt, dann fühlt sich das an wie eine 1+ in der Mathearbeit (nicht, dass ich die jemals hatte).
- Die spielbaren Helden: Ich kann nicht oft genug betonen, wie cool es sich anfühlt, mal als König Agamemnon um die Häuser zu ziehen.
Achilles: Survivor erfindet das Rad nirgendwo neu und wird es auch nicht schaffen, Vampire Survivors dauerhaft den Rang abzulaufen, aber es bietet sehr soliden Genre-Spaß für kleines Geld – selbst ohne Rabatt kostet das Ding nur 7 Euro. Falls ihr mal auf der Suche nach ein bisschen Beschäftigung seid, die euch nicht so stark vereinnahmt wie ein Open-World-Spiel, dann ist das wirklich gut investiertes Geld. Zumindest meine Feierabende werden gerade davon verschlungen.
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