Active Shooter - Steam-Spiel simuliert Amoklauf an einer Schule, Valve und Entwickler in der Kritik

Auf Steam soll ein Spiel erscheinen, in dem man an einer Schule Amok laufen können soll. Steam-Betreiber Valve erntet heftige Kritik dafür, Active Shooter überhaupt zu veröffentlichen.

von Maurice Weber,
25.05.2018 14:45 Uhr

Active Shooter zählt mit, wie viele Polizisten und Zivilisten der Spieler ermordet. Active Shooter zählt mit, wie viele Polizisten und Zivilisten der Spieler ermordet.

"Sei der Gute oder der Böse, du hast die Wahl!", wirbt Active Shooter auf seiner Steam-Seite - und der Böse ist in diesem Fall ein Amokläufer. Der Trailer zeigt Szenen, in dem der Spieler fliehende Schulmädchen niederschießt und mit seinem Gewehr zu Boden prügelt. Das Spiel will ein "dynamischer SWAT-Simulator" sein, man kann also alternativ auch die Polizei-Einsatzkräfte spielen.

Für die britische Wohltätigkeitsorganisation Infer Trust macht das die Sache aber nicht besser. Sie hat sich dem Kampf gegen Schusswaffenmissbrauch verschrieben und forderte im Gespräch mit der BBC, dass Valve den Titel mitsamt dem werbenden Trailer von Steam entfernt, noch bevor er am 6. Juni veröffentlicht wird:

"Es ist enorm geschmacklos. Seit Anfang des Jahres fanden in amerikanischen Schulen 22 Amokläufe statt. Es ist abscheulich. Wie kommt irgendjemand darauf, es sei eine gute Idee, etwas derart gewalttätiges zu vermarkten und keinerlei Gefühl ob des Todes so vieler Kinder zu zeigen? Wir sind angewidert, dass dieses Spiel vermarktet wird. "

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"Bitte nehmt das nicht ernst"

Auf Steam schreibt der Entwickler, man solle das Spiele bitte nicht ernst nehmen - "es soll nur eine Simulation sein, und sonst nichts". Die Beschreibung empfiehlt allen, die tatsächlich ihren Mitmenschen Schaden zufügen wollen, einen Therapeuten aufzusuchen oder die Polizei zu rufen.

In einer Stellungnahme betont der Entwickler erneut, er wolle niemanden zum Amoklauf ermutigen und hätte ursprünglich nicht einmal geplant, den Schützen spielbar zu machen. Active Shooter habe als reiner SWAT-Simulator begonnen. Dann wäre er aber auf die Idee gekommen, durch die Schützen-Rolle und einen für nach Release geplanten Zivilisten-Survivalmodus mehr Gameplay einzubauen.

"Ich verstehe den Zorn der Leute, und warum das für das Spiel eine schlechte Idee sein könnte, aber ich glaube trotzdem, wir sollten dieses Thema beiseite lassen." Schließlich gebe es deutlich schlimmere Spiele wie etwa Hatred, Postal und Carmageddon.

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Es sei aber möglich, die Rolle des Schützen zum Release zu streichen, wenn Valve das wünscht. Er habe bereits Kontakt aufgenommen, warte aber noch auf Antwort. Auch öffentlich hat sich Valve bislang noch nicht zu Active Shooter geäußert.

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