Ich bin sowohl Besitzer eines iPhones als auch der AirPods 2 Pro, aber trotzdem kein Apple-Jünger. Mehr noch: Ich kann diese Fehde zwischen Android- und Apple-Fans nicht verstehen. Gute Geräte sind gute Geräte; ich kaufe keine Marke aus Prinzip.
Dass die Community die Beats Solo Buds feiert, gibt mir allerdings Rätsel auf. Das sind keine schlechten Kopfhörer, nicht für einen Preis von 90 Euro, doch sie besitzen so gut wie keine Features. Was gibt's da zu feiern?
Anstatt einen gewöhnlichen Produkttest zu den Solo Buds zu machen, frage ich mich deshalb: Wie viele Kompromisse will ich für günstige Kopfhörer eigentlich eingehen und wieso bekomme ich nicht mehr für mein Geld?
Apple Beats Solo Buds: Guter Klang, aber was sonst?
Als ich mein Testgerät bekam, war ich erheitert und verwundert zugleich: Die Verpackung sieht aus, als hingen die In-Ears in der Quängelzone an der Kasse im örtlichen Rewe. Für mich kein Beinbruch, denn ich finde dieses Understatement sympathisch.
Auch das Innenleben ist praktisch veranlagt und spricht trotz des geringen Preises Apples klare Designsprache. Gegen Optik und Verarbeitung ist auch rein gar nichts zu sagen. Das pillenartige Case (bitte nicht mit Wasser einnehmen) ist so lang wie mein Daumen und nur ein bisschen dicker.
Da gibt es nicht viel mehr zu sagen – auch nicht zum Klang. Für 90 Euro ist der solide, mehr aber auch nicht. Der Sound ist ziemlich klar, ihm fehlt aber eine breite Klangbühne, um wirklich Punch zu entwickeln. Auch die Mitten sitzen meiner Meinung nach zu eng zusammen.
Mit dieser Musik teste ich seit Jahren Kopfhörer, Soundbars und Co. – inklusive Playlist
Und spätestens da fragt man sich: Wo ist der Rest? Ja, es gibt eine schwammige Gestensteuerung, die Stöpsel schließen passiv ganz gut ab und die Akkulaufzeit von 18 Stunden ist brachial, allerdings laden die Kopfhörer im Case nicht (ja, richtig gelesen).
Die Beats Solo Buds haben nämlich viele Funktionen nicht:
- Kein aktives Noise-Cancelling
- Keine IP-Zertifizierung
- Keine App oder Equalizer
- Keine Modi wie Transparenz
- Kein Auto-Pause
Unterm Strich sind das solide In-Ears im Beats-Chic, mehr allerdings auch nicht. Doch bekommt man für 90 Euro denn nicht mehr? Doch, tut man.
Wir hatten nämlich ein Paar In-Ears im Test, das in derselben Preisklasse spielt und trotzdem alle Features besitzt, die den Beats Solo Buds fehlen.
Die Nothing Ear (a) machen’s besser
Gleich vorweg: Ich habe die Nothing Ear (a) nicht selbst gehört und kann daher nichts über die Klangqualität sagen, aber Linh hat einen ausführlichen Test geschrieben.
Bei diesem Kopfhörer bekommt für 100 Euro – also nur 10 Euro mehr – folgende Funktionen geboten:
- Aktives Noise-Cancelling
- IP54-Zertifizierung (Schutz vor Staub und Spritzwasser)
- Hi-Res-Audio-Kompatibilität
- App mit kleinem Equalizer
- Transparenzmodus
- Trageerkennung
Das sind alle Features, die ich bei den Beats Solo Buds vermisse und sie unterstützen zusätzlich noch einige verlustfreie Audiodateiformate.
Das ist nur ein Beispiel, aber schauen wir doch mal über den Tellerrand. Sucht man auf Idealo nach ANC-In-Ears unter 100 Euro, wird man direkt fündig – und das auch noch bei großen Marken:
- Samsung Galaxy Buds FE ab 54 Euro
- JBL Tune Flex ab 55 Euro
- Jabra Elite 4 Active ab 59 Euro
Das sind nur drei Beispiele, aber alle bieten mindestens aktives Noise-Cancelling und weitere Zusatzfunktionen, die ich bei den Beats Solo Buds vermisse und die in der Preisklasse durchaus drin sein dürften.
Ich sage es gerne nochmal: Die Stöpsel von Apple sind solide und ich will sie wirklich nicht schlechter machen als sie sind, aber wenn die Konkurrenz In-Ears im Portfolio hat, die allein auf dem Datenblatt die Beats Solo Buds ausstechen, wem soll ich die Kopfhörer dann empfehlen?
Sind die Solo Buds 2024 noch zeitgemäß?
Ich habe den Eindruck gewonnen, dass man im Falle der Beats Solo Buds vor allem für das Design und die Marke bezahlt. Ein Stück weit trifft diese Aussage auch auf die Beats Solo 4 zu, die ebenfalls solide On-Ear-Kopfhörer sind, aber auch einige Funktionen wie ANC vermissen lassen.
Und wisst ihr, was mich daran am meisten ärgert? Die Tatsache, dass Apple bereits bewiesen hat, dass es richtig starke Audio-Produkte herstellen kann, nämlich die Apple AirPods 2 Pro. Ich verstehe, dass es bei der Beats-Marke auch um den Style geht und man preislich nicht in die Vollen gehen will, aber ein Scheibchen extra darf's technisch dann doch sein, um mit der Konkurrenz mithalten zu können.
Am 10. September 2024 findet die diesjährige Keynote statt und wir gehen davon aus, dass auch eine neue Generation an AirPods gezeigt werden wird. Da kann Apple dann zeigen, dass sie es im Audio-Bereich draufhaben, denn so lange nicht das kleine b auf der Schachtel steht, scheint das auch zu klappen. Dann sind sich die Apple-Community und ich uns vielleicht auch wieder einig.
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