Avowed hat es nicht leicht. Denn mit Kingdom Come: Deliverance 2 und Monster Hunter Wilds erscheinen im Februar gleich zwei schlagkräftige Rollenspiel-Konkurrenten. Und als wäre das nicht schon genug, muss sich Obsidians neues First-Person-RPG quasi seit seiner Ankündigung immer wieder Skyrim-Vergleiche gefallen lassen. Aber warum eigentlich?
Klar, bei beiden Titeln handelt es sich um Fantasy-Rollenspiele. Doch während Skyrim auf eine waschechte Mittelalter-Welt setzt, spielt Avowed eher in der frühen Neuzeit − also dem Entdeckungszeitalter. Es gibt zwar die klassischen Waffentypen Schwert, Schild und Bogen; allerdings könnt ihr in Avowed auch schon zu primitiven Feuerwaffen wie Musketen greifen, die ihr stilecht langsam nachladet.
Einigen Rollenspielfans dürfte die Welt von Avowed zudem bekannt vorkommen - das Spiel ist in der Fantasywelt Eora angesiedelt, dem Schauplatz von Obsidian beiden Pillars-of-Eternity-Teilen. Doch da ist noch so viel mehr. Wir haben uns in Avowed umgesehen und verraten euch, warum sich das Spiel nur schwierig mit Skyrim vergleichen lässt.
Wo kommt der Vergleich überhaupt her?
Die Entwicklungsgeschichte von Avowed begann tatsächlich einmal als Obisdians Take auf Skyrim
. Als das Studio 2018 von Microsoft übernommen wurde, schlug man dem Xbox-Konzern vor, ein ähnliches Fantasy-Rollenspiel zu produzieren (via PCGamer). Denn mit Spielen auf Bethesdas Spezialgebiet kennt sich Obsidian spätestens seit Fallout: New Vegas bestens aus.
Während der Entwicklung kam das Team allerdings rasch zu dem Schluss, dass Avowed einen deutlich handlungs- und charaktergetriebeneren Ansatz verfolgen soll als das Konkurrenzprodukt. Vor allem die Story war bei Bethesda-Spielen bekanntermaßen nie eine Stärke. Einige Ähnlichkeiten sind Avowed allerdings bis zum Schluss erhalten geblieben.
13:23
Avowed hat das »Open« in Open World verstanden - obwohl es eigentlich gar keine hat
Eine Frage der Perspektive
Fangen wir mal beim Offensichtlichen an: Sowohl Skyrim als auch Avowed setzen auf eine Ego-Perspektive. In beiden Welten tingelt ihr auf Weltrettungsmission in der First-Person-Ansicht durch die Gegend und haut euren Gegnern mit Zaubern, Keulen und Schwertern eins auf die Mütze.
Doch schon beim Skillsystem beginnen beide Spiele sich zu unterscheiden. Wo ihr in Skyrim einzelne Fähigkeiten durch schlichtes Benutzen auflevelt, sammelt ihr in Avowed global Erfahrungspunkte, die ihr dann bei einem Stufenaufstieg einem Talentbaum zuweist. Habt ihr euch mal verskillt, könnt ihr die Punkte unkompliziert für ein paar Goldmünzen neu vergeben. In Skyrim gab es damals keine Möglichkeit zum Skill-Reset.
Auch eure Begleiter könnt ihr so im Spielverlauf mit neuen Fähigkeiten ausstatten, sie steigen ebenfalls die Erfahrungsleiter herauf.
Eine Open World, die keine ist
Der erste große Unterschied zwischen Avowed und dem fünften Elder-Scrolls-Teil ist die Art der Spielwelt. Denn während es sich bei Himmelsrand um eine waschechte Open World handelt, sind die Living Lands aus Avowed in mehrere Hubs aufgeteilt. Das heißt, ihr könnt nicht einfach ohne Ladeunterbrechung quer durch die Spielwelt laufen, sondern müsst hin und wieder zwischen den einzelnen Gebieten schnellreisen.
Störend ist diese Art der Weltgestaltung in Avowed allerdings nicht. Im Gegenteil: Die einzelnen Hubs sind so groß, dass sie glatt als mehrere eigene Open Worlds durchgehen könnten. In jedem Gebiet gibt es viel zu tun; die Hauptquest führt und nach und nach organisch von einem Hub zum andern.
Allzu sehr aufs Gas drücken solltet ihr dabei allerdings nicht, denn wer zu schnell in spätere Story-Gebiete vorprescht, wird dort zu Spielbeginn mit Horden von höherstufigen Gegnern konfrontiert. Levelscaling wie in The Elder Scrolls gibt es nicht; gerade als Nahkämpfer beißt man hier ratzfatz ins Gras. Lasst euch beim Erkunden der Levels also ruhig Zeit.
Ebenfalls erwähnenswert ist die bewusste Gestaltung der Hub-Landschaften von Avowed und sein Parkour-System. Denn wo ihr in Skyrim zu Pferd quasi jeden Berg senkrecht hinaufreiten konntet, gibt euch Avowed mit seinem Leveldesign bestimmte Wege über die Map vor.
Ob Wüste, trostlose Vulkanlandschaft oder tropische Küste − alle Landstriche liebevoll von Hand gestaltet und laden zum Entdecken ein. Die einzelnen Gebiete unterscheiden sich dabei landschaftlich deutlich drastischer als die nordisch-kalte Landschaft von Himmelsrand.
Besonders die geschickt eingebauten Kletterpassagen sorgen in Avowed für Abwechslung und bescheren euch immer wieder neue Blickwinkel auf die Spielwelt. Die flüssigen Animationen beim Klettern und Rutschen erinnern fast schon ein wenig an Mirror's Edge. In der Third-Person-Perspektive werden Sprünge allerdings gefährlich unpräzise; wir empfehlen diese Ansicht höchstens für Screenshots.
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