Der letzte Kreuzzug ist schon ein Weilchen her. Die Hochphase dieser religiös motivierten Kriege durch die Tempelritter im Nahen Osten lässt sich im 12. und 13. Jahrhundert verorten. Danach verlor das Christentum im Heiligen Land an Boden; die einst stolzen Ritterorden verfielen zusehends. 1312 wurde der Templerorden schließlich vom Papst aufgelöst.
Genau hier setzt das kommende Taktikspiel Band of Crusaders an. Das Werk des jungen polnischen Studios Virtual Alchemy zeichnet eine Alternativversion des mittelalterlichen Europas, in der nach dem Fall der Templer nun üble Dämonen den Kontinent bedrohen. Als Meister eines kleinen Ritterordens seid ihr und eure kleine Schar von Getreuen die Einzigen, die sich den höllischen Horden noch entgegenstellen.
Pünktlich zur gamescom konnten wir eine frühe Vorabversion des Strategie- und Rollenspiel-Mixes ausprobieren und verraten euch in unserer Preview, wie sich die Reise ins düstere Mittelalter anfühlt.
Das wirklich finstere Mittelalter
Wir schreiben das Jahr 1350. Finstere Mächte gehen in Europa um. In Abwesenheit des Templerordens haben sich die Jünger des Dämons Baphomet in Frankreich breit gemacht und beten den Satan an. Die Ordnung zerfällt, überall ziehen marodierende Banden umher, morden und brandschatzen. Nur wenige tapfere Krieger stehen noch für den Schutz der Armen und Schwachen ein.
Ihr schlüpft in die Haut von Michael, einem Ritter des Ordens der Heiligen Flamme, der trotz der aussichtslosen Lage sein Bestes gibt, die Dämonen in Schach zu halten. Eines Nachts wird euer Lager jedoch von Kultisten überfallen; der Großmeister wird erschlagen, eure wertvolle Reliquie wird geraubt. In seinen letzten Atemzügen bestellt euch der sterbende Großmeister zu seinem Nachfolger.
Das ist die Ausgangslage, von der aus ihr in Band of Crusaders zur Rettung Frankreichs antretet. Euer Ziel: Den Orden der Heiligen Flamme wieder aufzubauen und alle Dämonen zu vernichten.
Arme Ritter auf Reisen
Doch davon sind wir zu Spielbeginn weit entfernt. Unserer verbliebenen Ritterschar fehlt es an so gut wie allem. Die Moral ist niedrig, die Vorräte gehen zur Neige und die Schwerter könnten auch mal wieder geschliffen werden. Zeit, sich in der nächsten Stadt mit Proviant einzudecken.
Vom grundlegenden Spielablauf erinnert Band of Crusaders an Titel wie Wartales oder den Genre-Klassiker Mount & Blade: Warband: Auf der detaillierten Weltkarte bewegt ihr eure Gruppe von bis zu 20 Ordensrittern, die durch einen Spielstein symbolisiert werden, hin und her. In der Alpha besteht die Map aktuell aus Frankreich, Belgien und einem Teil der Schweiz. In jeder Region gibt es größere Städte, in denen ihr euch frische Aufträge abholen, Rekruten anwerben und Ausrüstung und Nahrungsmittel einkaufen könnt.
Bewegt ihr eure Ritter, vergeht auch die Zeit; die Uhr am unteren Bildschirmrand zeigt den Tag- und Nachtwechsel an. Das wird später noch wichtig, denn die Tageszeit beeinflusst die Kampfstärke aller Einheiten. Zur Planung eurer nächsten Aktionen könnt ihr die Uhr allerdings auch per Leertaste anhalten und in den aktiven Pausenmodus wechseln.
Eure Routen wollen wohlüberlegt sein, denn auf der Weltkarte treiben auch andere Fraktionen ihr Unwesen. Banditen, Kultisten und höllische Erscheinungen bewegen sich selbstständig über die Map; begegnet ihr ihnen, kommt es zum Kampf. Jeder Sieg, den wir gegen das Böse erringen, verringert jedoch das Chaos in der Welt.
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Finsteres Mittelalter hautnah: Band of Crusaders schickt euch als Ritter in den Kreuzzug gegen höllische Dämonen
Die Härte des Gefechts
Während der Gefechte wechselt Band of Crusaders auf kleinere Missionskarten, auf denen ihr ebenfalls in Echtzeit mit aktiver Pause eure Einheiten gegen den Feind schickt - das funktioniert ganz ähnlich wie bei Total War.
Der Startpunkt auf den Gefechtskarten ist zufallsgeneriert; die Gebiete sind jedoch detailliert gestaltet und vermitteln den tristen Charme eines von Seuchen und Monstern geplagten Landstriches ähnlich überzeugend wie schon das Gebiet Velen aus The Witcher 3. Der ebenfalls aus Polen stammende Rollenspiel-Meilenstein war für die Entwickler erklärtes Vorbild bei der Verwirklichung ihrer mittelalterlichen Welt.
Während der Gefechte kommt es darauf an, eure Einheiten geschickt in die richtige Aufstellung zu bringen und gut mit deren Gesundheit zu haushalten. Bogen- und Armbrustschützen sollten nach hinten, schwer gepanzerte Schildträger an die Front. Denn Band of Crusaders nimmt das düstere Mittelalter beim Wort und lässt eure Ritter ziemlich schnell das Zeitliche segnen.
Auch die Spezialfähigkeiten, die ihr per Hotkey auslöst, lassen sich nicht pausenlos einsetzen. Über der Gesundheits- und Rüstungsleiste zeigen Aktionspunkte an, wie oft ihr euren Bogenschützen etwa noch einen Krüppelschuss ausführen lassen könnt. Hier ist vorausschauende Planung gefragt.
Dumm nur, dass euch dabei die Gegner-KI momentan noch einen Strich durch die Rechnung macht. Denn in unserer Preview-Fassung entdeckten uns die Feinde meistens viel zu früh und stürmten dann alle auf einmal los, was die Gefechte häufig unübersichtlich werden ließ. Nur selten gelang es uns, einzelne Gegner aus ihren Gruppen herauszulösen.
Der Schwierigkeitsgrad wird damit insgesamt recht hoch gehalten. Dieser Eindruck wird auch dadurch verstärkt, dass das Spiel - zumindest in der aktuellen Fassung - sehr wenig erklärt und für Genre-Ungeübte nicht gleich auf Anhieb intuitiv bedienbar ist. Einen Regler zur Schwierigkeitsanpassung gibt es bisher nicht, der wäre aber bis zum Release auf jeden Fall eine wünschenswerte Ergänzung.
Lager, Skills und Attribute
Nach bestandener Schlacht gegen Monster, Marodeure und andere Feinde der Menschheit könnt ihr die gemachte Kriegsbeute entweder in der nächsten Stadt verkaufen oder - sofern es sich dabei um Ausrüstung oder Nahrung handelt - direkt zur Stärkung eurer Rittertruppe verwenden. Denn haben eure Recken zu wenig zu essen, wankt ihre Moral. Den Lebensmittelvorrat solltet ihr also stets im Auge haben.
Habt ihr bessere Rüstungen erbeutet, verteilt ihr sie über den Charakterbildschirm direkt an eure Ritter. Dort könnt ihr auch Skills und die drei Attribute Stärke, Geschicklichkeit und Konstitution der einzelnen Ordensmitglieder gezielt aufwerten. Der Skillbaum fällt weitläufig aus und ermöglicht es jedem Ritter sich auf eine bestimmte Waffengattung (Fernkampf, Schwerter, Lanzen, etc.) zu spezialisieren.
Hat sich hingegen einer eurer Soldaten im Kampf verletzt, steckt ihr ihn auf die Krankenstation, die ihr im Camp findet. Das Lagermanagement ist neben den Echtzeitkämpfen und der Personalisierung der Figuren die dritte große Gameplay-Säule von Band of Crusaders.
Im Lager findet ihr in der aktuellen Alpha-Fassung eine Schmiede, die Krankenstation, die Kantine und die Quartiere eurer Ritter. In der Schmiede repariert ihr beschädigte Ausrüstung, in der Kantine passt ihr die Rationen der Rekruten an (Achtung Moral!) und mit einer Vergrößerung der Quartiere könnt ihr mehr Ritter gleichzeitig mit auf Missionen nehmen; die Funktion der Krankenstation haben wir ja gerade schon geklärt.
In der finalen Spielversion soll es zudem noch weitere Lager-Bereiche wie ein Trainingsareal oder eine Kapelle geben.
Bis es soweit ist, müsst ihr euch allerdings noch ein Weilchen gedulden. Einen finalen Releasetermin für Band of Crusaders hat das Team von Virtual Alchemy bislang nicht kommuniziert. Allerdings befindet sich das Spiel momentan auch noch in einer frühen Entwicklungsversion.
Das erklärt auch die gelegentlichen Abstürze und einige aktuell noch fehlende Features, wie etwa die Möglichkeit zur Einstellung des Schwierigkeitsgrads. Auch bei der Gegner-KI und der Wegfindung ist noch etwas Feinschliff erforderlich.
Schon jetzt macht Band of Crusaders allerdings ordentlich Spaß und dürfte Mittelalterfans einige schrecklich-schöne Stunden bei der Rückeroberung Frankreichs von den Dämonen bescheren.
Wer mit taktischen Schlachtfeldaufstellungen und weitläufigen Skillbäumen hingegen nichts anfangen kann, sollte von dem polnischen Strategiespiel hingegen die Finger lassen. Denn wer hier nicht die Bereitschaft mitbringt, sich reinzufuchsen, dem wird Band of Crusaders unweigerlich die Härte des mittelalterlichen Lebens aufzeigen. Der unkluge Kommandeur schickt seine Ritter nämlich nicht zum Sieg, sondern nur auf den nächsten Friedhof.
In der obigen Linkbox findet ihr noch mehr aktuelle News und Previews frisch von der gamescom und aus unserem eigenen FYNG-Bühnenprogramm aus Köln.
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