Der billigste gegen den teuersten: Wie krass ist der Unterschied? CPU-Kühler im Vergleich

David gegen Goliath.

Ein Meme in der Praxis: Teurer Top-Kühler tritt gegen eines der günstigsten Modelle überhaupt an. Ein Meme in der Praxis: Teurer Top-Kühler tritt gegen eines der günstigsten Modelle überhaupt an.

Wenn es im Sommer heiß wird, kommt auch PC-Hardware stärker ins Schwitzen. Im aktuellen Jahr hatten wir dieses Problem bislang zugegebenermaßen ziemlich selten, eine spannende Frage stellt sich in dem Zusammenhang (und generell) aber trotzdem: Wie groß sind die Unterschiede bei CPU-Kühlern?

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Um einen Eindruck davon zu bekommen, haben wir uns zwei Modelle zum Vergleich geschnappt, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Genauer gesagt geht es um den billigsten und den teuersten Prozessorkühler, die wir im beliebten Preisvergleichsportal Geizhals.de gefunden haben.

Sie stellen sich dem vielleicht größten CPU-Hitzkopf, den es aktuell im Desktop-Segment gibt: dem Core i9 13900K von Intel.

Natürlich würde niemand so einen Prozessor für knapp 600 Euro mit einem CPU-Kühler für grade mal etwas mehr als zehn Euro kombinieren. Für uns ein Grund mehr, genau das zu tun. Los geht's!

Billig ist nicht gleich billig - und teuer nicht gleich teuer

Ein wichtiges Kriterium war Mindestanforderung auch für unser günstiges Modell: Wir haben nur Kühler in Betracht gezogen, die auch offiziell für die Basis-Leistungsaufnahme der getesteten CPU von Intel geeignet sind. Ihre TDP liegt bei 125 Watt.

Dadurch fallen besonders billige Top-Blow-Modelle für Preise im Bereich von fünf Euro wie der Arctic Alpine 17 LP aus dem Raster.

Außerdem beschränken wir uns in diesem Vergleich auf Luftkühler. Das sorgt für einen günstigeren Preis des teuersten Modells, da beispielsweise All-in-One-Wasserkühlungen mit großem Radiator teils deutlich teurer sind als die Top-Modelle im Bereich der Luftkühlung.

Das sind unsere drei Testkandidaten

Von links nach rechts seht ihr hier den DeepCool Gamer Storm Assassin III, den Xilence I402 und den Noctua NH-D15. Von links nach rechts seht ihr hier den DeepCool Gamer Storm Assassin III, den Xilence I402 und den Noctua NH-D15.

Moment Mal, wieso drei Testkandidaten? Weil wir in Form des Noctua NH-D15 einen sehr bekannten und seit Jahren sehr beliebten Vertreter hinzunehmen, um euch einen zusätzlichen Vergleichspunkt zu bieten. Wie die drei Modelle in der direkten Gegenüberstellung aussehen, zeigt das Bild oben.

Nicht nur preislich, sondern auch mit Blick auf die Dimensionen muss sich der Billigkühler also einem sehr ungleichen Duell stellen. Um welche CPU-Kühler es sich genau handelt und wie deren wichtigste technische Daten lauten, verrät euch die folgende Tabelle:

DeepCool Gamer Storm Assassin III (teuer)Noctua NH-D15 (beliebt)Xilence I402 (günstig)
BauartDual-TowerDual-TowerSingle-Tower
Anzahl Heatpipes762
Gewicht mit Lüfter(n)1.460 Gramm1.320 Gramm408 Gramm
Lüfter2 (je 140 x 150 x 25 mm)2 (je 140 x 140 x 125 mm)1 (92 x 92 x 25 mm)
Abmessungen (BxHxT)140 x 165 x 161 mm150 x 165 x 161mm101,4 x 137 x 72,7 mm
ca. Preis120 Euro110 Euro12 Euro

Der Härtetest: Alle Kerne unter Volllast

Wir beginnen mit einem für die CPU sehr anspruchsvollen Test in Form des Cinebench R23. Die Multi-Core-Version lastet alle vorhandenen Kerne und Threads stark aus. Dadurch wird auch die Kühlung an ihre Grenzen gebracht.

Dabei verwenden wir für all unsere Messungen einen offenen Testaufbau mit stets frisch aufgetragener Wärmeleitpaste von Thermal Grizzly und dem Standard-Lüfter-Profil im BIOS des Mainboards. Die Außentemperatur lag zum Testzeitpunkt bei knapp 29 Grad und die Innentemperatur bei etwa 23 Grad.

Im Multi-Core-Test von Cinebench sprengt der Core i9 13900K seine Basisleistungsaufnahme von maximal 125 Watt deutlich, was auch offiziell so vorgesehen ist.

Der Wert verdoppelt sich mal eben so auf ungefähr 250 Watt - sofern die Kühlung mitmacht. Genau das ist beim günstigsten Modell im Testfeld wenig überraschend nicht der Fall, wie die folgende Tabelle zeigt.

Sie bezieht sich auf die Durchschnittswerte der gesamten CPU bei einem zehnminütigen Testlauf. Dabei werden sowohl die schnelleren Performance-Kerne als auch die langsameren Effizienz-Kerne des Core i9 13900K berücksichtigt.

Testergebnisse im Cinebench R23

DeepCool Gamer Storm Assassin III (teuer)Noctua NH-D15 (beliebt)Xilence I402 (günstig)
CPU-Temperatur96 Grad Celsius99 Grad Celsius99 Grad Celsius
CPU-Taktrate4.450 MHz4.300 MHz3.900 MHz
CPU-Leistungsaufnahme260 Watt232 Watt168 Watt
CPU-Lüfter1.300 RPM1.500 RPM2.000 RPM
Lautstärke52,8 dB(A)50,3 dB(A)45,5 dB(A)
Punkte36.29633.97331.190

Die CPU wird bei allen drei Kühlern sehr heiß. Der DeepCool-Kühler kann sich aber Dank sieben statt sechs Heatpipes insgesamt vom Noctua-Klassiker absetzen, auch bei der Taktrate und bei der Punktzahl. Das gelingt auf Kosten der lautesten Geräuschkulisse, trotz niedrigster Lüfterdrehzahl.

Klar abgeschlagen ist der billige Xilence-Kühler mit nur zwei Heatpipes. Er steht aber besser da, als wir gedacht hätten.

Man merkt ihm deutlich an, dass er nicht für eine CPU dieser Art unter Volllast ausgerichtet ist. Die Drosselung der Leistung hält sich jedoch in Grenzen und der kleinere 92-Millimeter-Kühler bleibt dabei trotz hoher Drehzahl vergleichsweise laufruhig.

Der Praxistest: Gaming-Leistung in Cyberpunk 2077

Im PC-Alltag kommt es eher selten vor, dass eine CPU wie der Core i9 13900K komplett ausgelastet wird. Daher schauen wir uns die Leistung der Kühler zusätzlich beim Gaming in Kombination mit einer Geforce RTX 4060 Ti an, diesmal bei einer 30-minütigen Belastung.

Testergebnisse in Cyberpunk 2077

DeepCool Gamer Storm Assassin III (teuer)Noctua NH-D15 (beliebt)Xilence I402 (günstig)
CPU-Temperatur70 Grad Celsius75 Grad Celsius95 Grad Celsius
CPU-Taktrate4.700 MHz4.700 MHz4.700 MHz
CPU-Leistungsaufnahme110 Watt110 Watt110 Watt
CPU-Lüfter1.000 RPM1.150 RPM2.000 RPM
Lautstärke44,3 dB(A)43,1 dB(A)45,7 dB(A)
FPS (WQHD, RT Ultra)333333

In diesem Fall gibt es bei der Anwendungs-Performance keinen Unterschied, alle drei CPU-Kühler ermöglichen eine durchschnittliche Taktrate von 4.700 MHz und 33 Bilder pro Sekunde. Um das zu erreichen, muss der Xilence-Kühler aber wesentlich mehr schuften.

Die beiden teuren CPU-Kühler laufen im Vergleich zum Cinebench-Test mit niedriger Drehzahl und leiserer Geräuschkulisse, außerdem liegt die CPU-Temperatur viel niedriger.

Mit dem Billigkühler wird die CPU dagegen fast so heiß wie zuvor und Drehzahl sowie Geräuschkulisse bleiben quasi unverändert.

Dabei ist abschließend nicht zu vergessen, dass wir mit einem offenen Testaufbau arbeiten. Muss der CPU-Kühler in einem geschlossenen Gehäuse mit einer höheren Umgebungstemperatur kämpfen, könnte der Rückstand des Billigmodells noch größer werden.

Wie wichtig es ist, weder die Wärmeleitpaste noch den Kühler ganz wegzulassen, zeigen zu guter Letzt die folgenden beiden Experimente aus unserer Was passiert, wenn...-Reihe:

Fazit der Redaktion: Was die Ergebnisse bedeuten

Nils Raettig
@nraettig

Wir machen es den CPU-Kühlern in diesem Test mit dem Core i9 13900K alles andere als leicht. Die meisten Prozessoren sind deutlich weniger hitzköpfig unterwegs. Es tut mir aber dennoch weh, unter Gaming-Last Werte von weit über 90 Grad Celsius wie beim Xilence-Kühler zu sehen.

In Anbetracht seines sehr niedrigen Preises kommt das nicht überraschend. Insgesamt hätte ich aber mit einem größeren Unterschied zu den etwa zehnmal so teuren Top-Modellen gerechnet.

Es gelingt dem Billigkühler immerhin, beim Spielen von Cyberpunk die gleiche Taktrate und FPS-Zahl zu erreichen. Außerdem ist sein kleiner 92-Millimeter-Lüfter dabei kein störend lauter Krachmacher.

Dennoch würde ich keinem empfehlen, so wenig Geld für einen CPU-Kühler auszugeben.

Das liegt nicht an den Ergebnissen im Cinebench, wo der Xilence-Kühler mit Blick auf die Leistung klar gegenüber den teuren Modellen abfällt. Entscheidend ist stattdessen für mich, dass ihr nicht so viel Geld mehr in die Hand nehmen müsst, um einen klar leistungsfähigeren Kühler zu bekommen.

Dabei fallen mir etwa der Pure Rock 2 von be quiet, der Fortis 5 von Endorfy und der Peerless Assassin 120 von Thermalright ein, um ein paar Beispiele zu nennen.

Sie kosten mit knapp 40 Euro zwar klar mehr als der Xilence-Kühler. Da man eine CPU aber meist sehr lange nutzt, ist das Geld in die bessere Kühlung mit Blick auf die Langlebigkeit meiner Meinung nach gut investiert. Gleichzeitig sind sie damit immer noch deutlich günstiger als die großen Top-Modelle.

Eine immer beliebtere, aber meist teurere Option sind außerdem All-in-One-Wasserkühlungen. Lasst mich gerne in den Kommentaren wissen, ob ihr selbst auf so ein Modell setzt beziehungsweise mit welchem Luftkühler ihr unterwegs seid.

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