Obwohl Videospiele längst ein fester Bestandteil der Alltagskultur sind, bleibt ein erheblicher Teil der Gaming-Welt für sehbehinderte und blinde Menschen unzugänglich. Während einige Titel Fortschritte in Sachen Barrierefreiheit machen, fehlt es vielen PC-Spielen an grundlegenden Funktionen, die eine inklusive Spielerfahrung ermöglichen würden.
Barrieren im digitalen Spielraum
Für Menschen mit Sehbehinderungen stellen viele PC-Spiele eine Herausforderung dar. Oftmals fehlen essentielle Features wie Screenreader-Unterstützung, Audiodeskriptionen oder kontrastreiche Darstellungen. Selbst Spiele, die bestimmte Barrierefreiheitsoptionen bieten, sind häufig nur auf spezifische Behinderungen ausgerichtet und berücksichtigen nicht die vielfältigen Bedürfnisse aller Spielerinnen und Spieler.
Melanie Eilert, eine Aktivistin für barrierefreies Gaming, betont: »Leider sind viele Spiele nur sehr spezifisch barrierefrei. Es gibt zum Beispiel Games, die sehr gut für motorische Behinderungen ausgestattet sind, aber nicht von blinden Menschen gespielt werden können.«
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Keine Grafik, nichts zu sehen: In The Vale müsst ihr für die Story gut zuhören
Auch grundlegende Betriebssystemfunktionen wie die Bildschirmlupe in Microsoft Windows stoßen an ihre Grenzen. Die Lupe erlaubt zwar eine starke Vergrößerung von Bildschirmbereichen, doch bei schnellen, grafisch intensiven Spielen oder Menüstrukturen, die nicht skaliert werden, hilft sie oft nicht weiter. Viele Spieloberflächen sind zudem nicht mit der Lupe kompatibel oder werden bei starker Vergrößerung unübersichtlich und unbedienbar.
Podcast
Spielen mit Blindheit: »Du weißt nicht, wann der Abgrund kommt«
Christian Ohrens ist von Geburt an blind - und passionierter Videospieler. Im Podcast erzählt er Dimi und Micha, wie man Spiele als blinder Mensch erlebt, wie er überhaupt zum Spielen gekommen ist, und warum ihn speziell für blinde Menschen entwickelte

Ein persönliches Beispiel aus der Praxis
Ich selbst bin Spieler und lebe mit Morbus Stargardt, einer erblich bedingten Netzhauterkrankung, die zur fortschreitenden Verschlechterung der zentralen Sehschärfe führt. Typisch ist dabei ein »blinder Fleck« im Zentrum des Sichtfelds, wodurch Details schwer oder gar nicht erkannt werden können. Ich sehe nur etwa zehn Prozent und bin dadurch auf die Bildschirmlupe von Microsoft Windows angewiesen.
Die Funktionsweise der Bildschirmlupe ist simpel: Sie folgt dem Mauszeiger – jeder Bereich, über den ich mit der Maus fahre, wird stark vergrößert dargestellt. In einigen Spielen funktioniert das gut – beispielsweise im Fernbus Simulator, der auf der Unreal Engine basiert. Hier kann ich mit der Alt-Taste in einen Freeroam-Modus mit Mauszeiger wechseln, wodurch ich mir die Benutzeroberfläche so anzeigen lasse, dass ich sie mit der Lupe lesen kann.
Doch in den meisten anderen Spielen fehlt eine solche Möglichkeit. Das führt zu kuriosen Workarounds: Um beispielsweise Dialogtexte oder Menüpunkte zu erkennen, mache ich oft Screenshots, füge diese in Paint ein – und lese erst dort mit der Bildschirmlupe, was auf dem Bildschirm steht. Eine unnötige Hürde, die durch eine standardisierte Freeroam-Funktion in Spielen leicht zu umgehen wäre.
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