Wenn sich die Wolken auftürmen und schiere Wände an Schwarz heranrücken, weiß jeder was droht: Gewitter. Auch heutzutage richtet der sie meistens begleitende Sturmwind Verwüstungen an und Blitze können Brände auslösen oder gar Menschen töten.
Doch wie verhält es sich mit Schäden an Elektronik? Droht hier Gefahr, selbst wenn wir vor Feuer, Blitzschlag und Wind im sicheren zu Hause sitzen? Wir haben einen Experten gefragt, wie wir teure Hardware, egal ob PC, Laptop oder Fernseher schützen können.
Schäden an Elektronik: Mythos oder Realität?
Zerstörte elektrische Geräte unterschiedlichster Art sind keine Seltenheit, vielmehr die Regel bei Gewittern. Der Gesamtverband der Versicherer gibt sogar jährlich eine Statistik heraus, in der er explizit nur die Folgen von Blitzschlägen beziffert:
Demnach leisteten 2023 die Versicherungen rund 300 Millionen Euro für etwa 220.000 Blitz- und Überspannungsschäden.
Für jeden durch Blitzschlag verursachten Schaden fallen rund 1.600 Euro, gut 200 Euro mehr als im Jahr zuvor, an. Das liegt daran, dass die Gebäude technisch immer besser – und auch teurer – ausgestattet sind.
- Jörg Asmussen, Hauptgeschäftsführer des GDV
Typische Blitzschäden seien zum Beispiel zerstörte Dachflächen sowie Überspannungsschäden wie verschmorte Steckdosen, defekte Computer oder Telefonanlagen. Zuständig für Schäden durch Blitze an sogenannten beweglichen Eigentum in Wohnung oder Haus ist die Hausratversicherung.
Wie beschädigt ein Blitz Elektronik? Ein Blitz kann Überspannung hervorrufen. Gelangt diese auf irgendeinem Wege (dazu gleich mehr) in ein elektronisches Gerät, röstet sie geradezu die winzigen Komponenten im Inneren. Es reichen wenige Chips oder Mikroprozessoren, um eine fast aussichtslose Fehlersuche in Gang zu setzen. Das Ergebnis lautet meist: Totalschaden.
Kaum etwas, wofür wir Hunderte oder gar Tausende Euro ausgeben, egal ob Gaming-PC oder 4K-Fernseher verfügen über einen internen Schutz, der sie gegen solche Extremereignisse abschirmt.
Sollte ich also bei Gewitter alle Stecker abziehen? »Ja«, gibt Thomas Raphael, Blitzschutzexperte im Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e.V. (VDE), als Antwort. Doch das Thema ist komplex und einfach nur den Stromstecker ziehen, greife als Lösungsansatz zu kurz.
Denn nicht alle Geräte sind gleich gefährdet: »Je mehr Kabel zu einem Gerät führen, desto anfälliger ist es für Überspannungen.«
Stromkabel sind längst nicht die einzige, wenn auch die Hauptgefahrenquelle. Ein langes Netzwerkkabel oder ein Antennenkabel eines Fernsehers verwandelt sich bei einem Blitzschlag in der Nähe flugs in eine Antenne. Der Blitz induziert eine Spannung, und diese kann auch durch solche Kabel in Endgeräte eindringen und sie schädigen.
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Letztendlich sei aber auch das Ziehen von Steckern nur eine Notlösung:
Gewitter können ja jederzeit auftreten, also auch nachts, wenn ihr schlaft oder wenn ihr überhaupt nicht zu Hause seid. Wer hat schon Zeit, bei allen relevanten Geräten jedes Mal bei Gewittergefahr vor dem Gang zur Arbeit, zum Einkaufen oder wohin-auch-sonst die Stecker zu ziehen und dann vielleicht auch noch beim Router?
Thomas Raphael
Überspannungsschutz an Haus oder Wohnung als Lösung
Den einzigen zuverlässigen Schutz – zumindest bei Überspannungen, die über das Stromnetz verbreitet werden – bieten Überspannungsschutzgeräte (in der Fachsprache SPD) im Sicherungskasten. Dabei wird zwischen SPD Typ 1, 2 und 3 unterschieden.
- Überspannungsschutz vom Typ 1 werden auch als Blitzstromableiter bezeichnet. Wenn direkt am Haus oder in der Nähe ein Blitz einschlägt, dann leitet dieser den Blitzstrom in den Erdboden ab.
- Überspannungsschutzgeräte vom Typ 2 schützen vor Spannungsspitzen, die von weiter entfernt einschlagenden Blitzen herrühren.
Hinzu kommt der Typ 3. Das sind Geräte meist für die Nutzung in Steckdosen, die empfindliche Endgeräte wie Computer, TV-Geräte … schützen. Diese alleine reichen für einen umfassenden Überspannungsschutz aber nicht aus, wenn Typ 1- und Typ 2-Geräte fehlen.
Woher weiß ich jetzt, ob meine Wohnung oder mein Haus durch Typ 1 und 2 geschützt ist? Nachschauen, in eigenen Unterlagen nachschlagen oder im Zweifel beim Hausbesitzer nachfragen. Denn es gibt laut Thomas Raphael nur eine sehr begrenzte Pflicht beim Bau, solche Geräte zu installieren. So kann es weder bei Gebäuden jüngeren Datums, geschweige denn bei Altbauten als gegeben angenommen werden, dass sie vor Überspannungen geschützt sind.
Kann ich Überspannungsschutz selbst nachrüsten?
Ja, es ist kein Hexenwerk. Für Hausbesitzer stellt eine Nachrüstung weder finanziell noch vom Aufwand her einen großen Schritt dar, wie Thomas Raphael erläutert. »Den Einbau entsprechender Schutzanlagen vom Typ 1 und 2 kann jeder Elektriker am Sicherungskasten ausführen. Die Kosten belaufen sich in der Regel auf wenige Hundert Euro.«
Selbst eine Nachrüstung bei Mietwohnungen sollte in Absprache mit dem Vermieter meistens machbar sein – zur Not auf eigene Kosten. Denn hierfür sei kein baulicher Eingriff in das Haus notwendig, sondern die Arbeit beschränke sich auf den Sicherungskasten in der eigenen Wohnung.
Einen geringen Schutz bieten Steckdosen-Schutzgeräte vom Typ 3 herhalten, die es zum Beispiel in jedem Baumarkt für kleines Geld zu kaufen gibt. Wer ausschließlich auf sie setzt, sollte bei Gewitterwarnung wirklich lieber alle Stecker teurer Geräte ziehen.
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