Wer dieses Video sieht, versteht, wieso Filme kaum noch praktische Effekte nutzen, obwohl es ihnen guttun würde

Mittels Greenscreen und CGI lässt sich in Filmen nahezu alles realisieren, aber muss man das auch?

Greenscreens sind echt mächtig, wie der Clip beweist. (Bild: Ian Hubert) Greenscreens sind echt mächtig, wie der Clip beweist. (Bild: Ian Hubert)

Ich will euch nicht mit einer unnötigen Einleitung langweilen, deshalb kommen wir gleich zur Hauptattraktion. Die spricht nämlich für sich. Schaut euch diesen zweieinhalb minütigen Clip an:

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle findest du einen externen Inhalt von YouTube, der den Artikel ergänzt.
Du kannst ihn dir mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.

Ich bin damit einverstanden, dass mir Inhalte von YouTube angezeigt werden.

Personenbezogene Daten können an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Link zum YouTube-Inhalt

Das ist zu sehen: Das Video zeigt einen Splitscreen. Auf einer Hälfte bewegt sich eine Schauspielerin vor einem Greenscreen in einem fast leeren Raum. Die andere zeigt den fertigen Ausschnitt aus einem Film – komplett mit CGI.

Ist das nicht verblüffend? Ganz ohne viele Requisiten bewegt sich die junge Frau im leeren Raum. Im fertigen Film kaufe ich ihr ab, dass sich wirklich mit der cyberindustriellen Welt um sich herum interagiert.

Besonders interessant ist die Stelle, als sie Aufzug fährt. Natürlich tut die Schauspielerin vor dem Greenscreen nur so, einen echten Schrottaufzug nur für diesen einen Moment zu bauen, wäre unverhältnismäßig kostspielig.

Ja, der Clip ist bereits vier Jahre alt. Ich bin allerdings erst neulich auf Reddit darüber gestolpert – und er hat mich in ein Rabbithole zu CGI und handgemachten Effekten gestoßen, deren Erkenntnisse ich mit euch teilen möchte.

Maxe Schwind
Maxe Schwind

Maxe liebt gute Geschichten, sei es in Form von Videospielen, Filmen, Serien oder Büchern. Filmemachen ist zwar kein Hobby von ihm, aber er findet es faszinierend, wie ganze Welten hinter der Kamera entstehen – oder eben am Computer. Daher schreibt er auf GameStar Tech auch immer wieder Filmtechnik und die kreativen Köpfe, die sie erdacht haben.

Woher stammt der Clip?

Zu finden ist er, neben Tutorials zum Erstellen von Computereffekten, auf dem YouTube-Kanal von Ian Hubert. Viel ist über den Mensch dahinter nicht herauszufinden, aber laut IMDB war er bei rund 30 kleinen Projekten für die visuellen Effekte zuständig.

Kann man irgendwo den ganzen Film sehen, aus dem der Clip stammt? Ja, tatsächlich, auch wenn »Film« nicht der richtige Begriff ist.

<br>Waipu.tv

Waipu.tv
Waipu.tv bietet euch insgesamt 270 TV-Sender, davon 255 in HD-Qualität und 69 Pay-TV-Kanäle, die ihr entweder live anschauen oder streamen könnt. Dazu gibt es haufenweise aktuelle Blockbuster.
<br>Prime Video

Prime Video
Bei Prime Video findet ihr neben zahlreichen Filmen und Serien großartige Amazon-Eigenproduktionen, darunter die neue Fallout-Serie oder The Boys, eine der besten Superheldenserien aller Zeiten.
<br>WOW

WOW
WOW, ehemals Sky Ticket, hat nicht nur Kino-Hits wie Oppenheimer und HBO-Serien wie Game of Thrones anzubieten, sondern auch jede Menge Live-Sport, z. B. Bundesliga, Premier League oder Formel 1.
<br>Disney+

Disney+
Vor allem für Star-Wars- und Marvel-Fans ist Disney+ ein absolutes Muss. Daneben gibt es echte Klassiker wie etwa Toy Story, aber auch Oscar-Preisträger wie die beiden Avatar-Filme oder Poor Things.
<br>RTL+

RTL+
Egal ob Live-TV, Film-Klassiker wie die Zurück-in-die-Zukunft-Reihe oder spannende Dokumentationen: RTL+ ist vielfältig aufgestellt. Fußballfans dürfen sich außerdem die Europa League freuen.
<br>MagentaTV

MagentaTV
Über 150 HD-Sender, eine große Mediathek mit internationalen Blockbustern, paralleles Streaming. Zudem lassen sich andere Streaming-Dienste wie z. B. Netflix vergünstigt hinzubuchen.
<br>Joyn

Joyn
Rosins Restaurants, GNTM, The Voice Kids – all diese bekannten TV-Serien könnt ihr mit Joyn live sehen oder nachträglich streamen. Für eine noch größere Auswahl gibt es das kostenpflichtige Joyn PLUS+.

Der Ausschnitt stammt aus Dynamo Dream, einer Art lose zusammenhängenden Serie einzelner Folgen, die in einer dystopischen Zukunft spielen. Auf YouTube gibt es bisher vier Episoden, die eher als Anthologie zu verstehen sind.

Warum ich den Clip so beeindruckend finde

Wir alle kennen Hollywood-Blockbuster mit CGI-Bombast ohne Ende, die meisten Marvel-Filme zum Beispiel. Wir können uns auch alle vermutlich vorstellen, wie ungefähr funktioniert, wenn per Computer Effekte eingesetzt werden. Auch die Bilder von Schauspielern vor Greenscreen haben viele von uns schon gesehen.

Doch zumindest mir wurde noch nie so klar vor Augen geführt, wie vermeintlich wenig es tatsächlich braucht, um eine glaubwürdige Welt auf den Bildschirm zu bringen. Gerade die Gegenüberstellung der Schauspielerin am Set mit dem fertigen Produkt hat mich tief beeindruckt.

Das Kurzvideo hat bei mir noch etwas ausgelöst: Ich habe jetzt ein vages Verständnis davon, wieso Filmstudios stark auf CGI setzen. Es wirkt: 

  • Einfacher: Schließlich muss alles nur am Computer zurechtgerückt und eingesetzt werden. Wie einfach das wirklich ist (oder nicht), seht ihr beispielsweise an den Tutorial-Videos von Ian Hubert auf seinem Kanal.
  • Ungefährlicher: Viele Stunts werden nicht mehr am Set gedreht, sondern am Computer nachgebaut. Das schützt Schauspieler, Stuntmen und Crew.
  • Variabler: Hintergründe lassen sich dank Greenscreen schnell austauschen, in der Postproduktion kann man leichter mit visuellen Effekten experimentieren (Raindance).
  • Schneller: Mal eben fix eine Szene am Computer zusammenbasteln, geht nicht. Laut Animation Iconic dauert die Produktion von einer Minute hochqualitativer CGI zwischen Wochen und Monaten. Dennoch müssen keine Sets oder Requisiten gebaut werden, was unter Umständen noch länger dauert und obendrein aufwändiger ist.

Wie lange das Produktionsstudio wohl am CGI-Trailer der kommenden Alien-Serie auf Disney Plus gesessen hat?

Video starten 0:42 Der neue Teaser-Trailer zu Alien: Earth lässt die Xenomorph-Brut auf die Erde los

Ich wette, ihr habt genau wie ich auch an die Kosten gedacht. Tatsächlich sind die Kosten höher, als ich zunächst angenommen habe. Nachfolgende Zahlen stammen ebenfalls aus dem Artikel von Animation Iconic.

  • Low-Budget CGI: Zwischen 1.000 und 5.000 US-Dollar pro Minute
  • Mittelmäßige CGI: Zwischen 5.000 und 20.000 US-Dollar pro Minute
  • High-End-CGI: Zwischen 20.000 und über 100.000 US-Dollar pro Minute

Günstig ist der Einsatz von CGI also nicht, dennoch schlagen riesige Sets, Animatronics (technisierte, bewegliche Puppen) und aufwändige Requisiten noch mehr zu Buche (The Daily Star). Und im Verhältnis ist der eingangs erwähnte Aufzug einfach schneller und einfacher mit dem Computer umgesetzt, denn mit einer echten Requisite.

Es gibt allerdings auch eine Schar von Filmemachern, die sich nicht ausschließlich auf Computereffekte verlassen wollen – und dabei nicht ganz ehrlich sind.

CGI ist es erst, wenn man es sieht

Wenn ihr den neuesten Marvel-Streifen schaut, dann fällt die CGI (meist) sofort ins Auge. Anders sieht es bei Filmen aus, in denen sich Superhelden nicht die Ömme verbrezeln – wie beispielsweise in Top Gun: Maverick.

Tom Cruise ist dafür bekannt, seine Stunts selbst zu drehen. So saß er auch für die Fortsetzung von Top Gun im Düsenjet und hat zusammen mit anderen Fliegern halsbrecherische Stunts gedreht. Doch ist das alles echt? Ja und nein.

Tom Cruise ist wirklich geflogen, aber:

  • Nicht alle Jets sind immer gleichzeitig über den Himmel gezischt.
  • Aufnahmen, wenn Jets sich gefährlich nahe kamen, sind nicht echt.
  • Die Jets der Bösewichte existieren in Wirklichkeit gar nicht.

Das und noch mehr seht ihr in diesem Video; die entsprechende Kapitelmarke habe ich euch bereits eingestellt:

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle findest du einen externen Inhalt von YouTube, der den Artikel ergänzt.
Du kannst ihn dir mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.

Ich bin damit einverstanden, dass mir Inhalte von YouTube angezeigt werden.

Personenbezogene Daten können an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Link zum YouTube-Inhalt

Checkt auch gerne die anderen drei Teile des YouTubers aus, in denen er noch mehr »unsichtbare CGI« entdeckt hat.

Auf diese Art und Weise wird in vielen Filmen Realität mit CGI vermischt, auch wenn nicht immer ehrlich darüber kommuniziert wird, wie das Video oben beweist. Und nicht immer ergibt es Sinn, wie etwa in Terminator: Salvation, wo sogar Autotüren aus dem Computer stammen (YouTube).

Spätestens hier wird es meiner Meinung nach haarig. Muss es denn wirklich immer CGI sein?

Bitte weniger CGI

Ich habe euch jetzt viele Beispiele gezeigt, die für CGI sprechen – und trotzdem wünsche ich mir mehr handgemachte Effekte. Warum?

CGI wird zu inflationär eingesetzt

Ich verstehe vollkommen, wenn man gefährliche Manöver im Düsenjet lieber am Computer generiert, auch wenn die Filmemacher das meiner Meinung nach nicht verschweigen sollten.

Ich verstehe allerdings nicht, wenn CGI genutzt wird, um beispielsweise eine Autotür zu ersetzen, wie es bei Terminator: Salvation der Fall war. Das wirkt auf mich unecht.

Ein noch krasseres Beispiel: Die Der Herr der Ringe-Trilogie im Vergleich zur Der Hobbit-Trilogie. Ersteres wurde mit Computereffekten unterfüttert, zweiteres teilweise ganz vor Greenscreen gedreht, was auch Gandalf-Schauspieler Ian McKellen missfallen ist (Indiewire).

Und in diesem Fall spricht dieses Bild mehr als tausend Worte. 

Ian McKellen hat am Set der Hobbit-Filme nicht gefallen, dass er nicht mehr mit den anderen Schauspielern interagiert hat. (Bild: Warner Bros.) Ian McKellen hat am Set der Hobbit-Filme nicht gefallen, dass er nicht mehr mit den anderen Schauspielern interagiert hat. (Bild: Warner Bros.)

Genau so müde wie Ian McKellen bin ich auch. Der inflationäre Gebrauch von CGI ist für mich zu einer Unart geworden, den den meisten Filmen mehr nimmt als er ihnen gibt. Im schlimmsten Fall wirken Computereffekt wie ein Hintergrundrauschen, auf das ich gut und gerne verzichten kann.

Handgemachte Effekte wirken physischer

Ich wünschte, ich könnte euch erklären, wieso das so ist, aber tatsächlich ist es mehr ein Gefühl. Zum ersten Mal wirklich aufgefallen ist es mir bei der Quasi-Neuverfilmung von Das Ding aus einer anderen Welt.

Während der Horrorfilm mit Kurt Russell aus den 1980ern ausschließlich auf Masken und praktische Effekte setzt, wirkt die Verfilmung von 2011 einfach weniger gruselig. Für mich liegt das daran, dass das Monster aus dem Computer stammt. Es wirkt einfach unechter auf mich, weil ich weiß, dass es nur Computereffektrauschen ist.

Ich vermute, dass das mit dem Uncanny-Valley-Effekt zusammenhängt, der den älteren Streifen für mich körperhafter – und damit schauriger – macht. Erklärt habe ich das in dieser Kolumne, in der ich einer alten Angst aus Kindertagen von mir nachgegangen bin.

Beschließen möchte ich den Artikel mit einem positiven Beispiel. Die Fallout-Serie hat auf Greenscreen verzichtet, wenn sie konnte. Stattdessen drehte man viele Szenen in The Volume, einer Kuppel mit riesigen Displays. Und Walton Goggins, der Schauspieler des Ghuls, stammt auch nicht aus der Konserve, sondern saß bis zu fünf Stunden in der Maske.

Der Aufwand hat sich gelohnt; das Ergebnis kann sich sehen lassen.

Natürlich gehört zu einem Erfolg wie dem der Fallout-Serie mehr dazu als praktische Effekte, aber es zeigt auch, dass es ohne CGI geht, wenn man will – selbst bei einer Geschichte, die so viele fantastische Elemente besitzt wie Fallout.

Ihr findet das Thema so spannend wie ich? Dann habe ich noch ein paar Artikel für euch:

Die Macht des Greenscreen ist wirklich stark, das meine ich sowohl im technischen als auch persönlichen Sinn. Es ist verblüffend, was mit dem Computer möglich ist. Dennoch hoffe ich, dass wir in Zukunft wieder mehr Inhalte mit praktischen Effekten sehen und im besten Fall geht beides Hand in Hand.

Wie ist eure Meinung zu Greenscreen und CGI? Schreibt es gerne in die Kommentare.

Hinweis: Ich habe den Artikel aktualisiert.

zu den Kommentaren (21)

Kommentare(15)
Kommentar-Regeln von GameStar
Bitte lies unsere Kommentar-Regeln, bevor Du einen Kommentar verfasst.

Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.