Horrorfilme gibt es seit über 100 Jahren – man denke allein an Nosferatu von 1922. Im Laufe der Zeit haben die sich vor allem technisch stark verändert: von praktischen zu computergenerierten Effekten.
CGI gibt mir nichts. Wenn ich mit Gänsehaut auf der Couch sitzen soll, braucht es praktische Effekte. Ein solcher fand vor allem in Gruselstreifen der 70er und 80er Jahre Anwendung, damals noch in Ermangelung einer Alternative: Stop-Motion.
Ich fordere: Bringt das hakelige Stop-Motion wieder zurück, und zwar aus einem Grund: Es ist so richtig schön unheimlich.
Stop-Motion: Not macht erfinderisch
Heutzutage nutzen Filmemacher Greenscreen und Computer, um jegliche Art von Monstrosität auf den Bildschirm zu bannen. Vor vielen Jahrzehnten musste man noch richtig kreativ werden. Geboren war die Stop-Motion – und das bereits vor über 100 Jahren.
Das ist Stop-Motion: Bei der Animationstechnik werden Objekte oder Modelle schrittweise bewegt und in Einzelbildern fotografiert. Diese werden dann hintereinander abgespielt, sodass die Illusion von Bewegung erzeugt wird, ähnlich wie bei einem Daumenkino.
Wer hat Stop-Motion erfunden? Kein Geringerer als der Pionier der Filmgeschichte Georges Méliès – und sehen könnt ihr das unter anderem in seinem Film »Die Reise zum Mond«.
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Jetzt ist der Film bereits 123 Jahre alt. Klar, dass das alles verglichen mit heutigen Standards eher rudimentär wirkt. Warum mich aber ausgerechnet Stop-Motion der 70er und 80er gruselt? Ein Begriff: Uncanny Valley.
Stop-Motion ist richtig schön unangenehm
Uncanny Valley habt ihr sicher schon mal gehört. 1970 hat der japanische Robotiker Masahiro Mori erstmals das »Phänomen des unheimlichen Tals« beschrieben. Das besagt, dass Menschen so lange mit Robotern interagieren wollen, bis ein gewisser Punkt erreicht ist, an dem der Roboter so menschenähnlich wird, dass sie verunsichert sind.
Was auf Roboter zutrifft, gilt auch bei Stop-Motion. Bevor ich euch erkläre, was ich daran so gruselig finde, schaut euch diese kurze Szene aus »Tanz der Teufel 2 – Jetzt wird noch mehr getanzt« an.
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Ich erkläre euch, warum sich mir ausgerechnet bei dieser Szene die Nackenhaare aufstellen (und bei jeder anderen mit veralteter Stop-Motion).
- Ruckelige Bewegungen: Das Monster im Clip hat ganz klar eine menschliche Physiologie, aber dank der Einzelbilder sind ihre Bewegungen nicht flüssig. Die Diskrepanz zwischen diesen beiden Dingen macht es uncanny.
- Licht und Schatten: Stop-Motion-Figuren sind oft nicht optimal für eine Szene ausgeleuchtet, was ihren unechten Effekt verstärkt.
- Handgemachte Modelle: Eine Puppe, so wie oben, sieht niemals zu hundert Prozent wie ein Mensch aus, obwohl sie einen darstellt.
- Limitierte Technologie: Früher musste alles handgemacht werden, wodurch Effekte auch mal »schlecht« aussehen. Gerade bei Horrorfilmen ist das für mich aber kein Abbruch, sondern trägt zur Atmosphäre bei.
Aus all diesen Gründen finde ich das Finale des ersten Terminator-Films positiv unangenehm, weil das metallene Skelett per Stop-Motion eingefügt wurde und die Szene auch noch ziemlich lange läuft.
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Stop-Motion ist übrigens nicht unbedingt aus der Mode. Zwar ist die Animationstechnik wahnsinnig aufwendig, aber auch heute gibt es noch einige Filme, bei denen sie zum Einsatz kommt. Einige bekannte sind:
- Chicken Run: Operation Nugget (2023)
- Guillermo del Toros Pinocchio (2022)
- Shaun das Schaf – Der Film: UFO-Alarm (2019)
- Kubo – Der tapfere Samurai (2016)
- Coraline (2009)
- Mad God (1990-2021)
Letzterer war deswegen über 30 Jahre in Produktion, einen Trailer dazu seht ihr hier:
1:13
Mad God: Offizieller Trailer zum Stop-Motion-Film von Phil Tibbett
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Neuere Stop-Motion-Filme gruseln mich übrigens nicht mehr. Dazu ist die Technik mittlerweile zu weit fortgeschritten und auch zu perfekt umgesetzt (und dennoch beeindruckend!). Computereffekten fehlt es meiner Meinung nach an Physis, sodass sie mich auch nicht gruseln. Handgemachte Effekte spielen bei Horrorfilmen einfach in ihrer eigenen Liga.
Findet ihr Stop-Motion auch gruselig? Habt ihr Filmempfehlungen für Horror-Fans? Schreibt es gerne in die Kommentare!
Hinweis: Der vorangegangene Artikel war bereits zu einem früheren Zeitpunkt auf GameStar verfügbar. Wir haben ihn im Rahmen unserer aktuellen Horror-Themenwoche für euch überarbeitet und neu veröffentlicht.
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