Cheaten ab 2021 illegal: Bundesregierung plant Gesetz gegen Gaming-Betrug

Wer in Videospielen betrügt, muss künftig mit ernsten Konsequenzen rechnen. Laut Bundeskanzlerin Angela Merkel solle es "beim Zocken endlich wieder auf den Skill ankommen."

von Michael Herold,
01.04.2020 11:43 Uhr

Angela Merkel macht sich höchstpersönlich gegen Gaming-Betrug stark und entpuppt sich dabei offenbar als Fortnite-Fan. Angela Merkel macht sich höchstpersönlich gegen Gaming-Betrug stark und entpuppt sich dabei offenbar als Fortnite-Fan.

Die deutsche Bundesregierung will künftig entschlossener gegen Betrug im Netz vorgehen. Laut einem neuen Gesetzesentwurf soll jegliche Form von "illegaler und unfairerer Vorteilnahme und daraus resultierende Benachteiligung Unschuldiger" verboten werden. Das betrifft auch die Welt der Videospiele.

Dem Entwurf zufolge sollen ab 2021 Hacks und Cheats in kompetitiven PC-Spielen unter Strafe gestellt werden. Ausdrücklich erwähnt werden dabei unter anderem Aimbots sowie der "Unendlich viel Geld in GTA Online"-Cheat. Sofern alle entscheidenden Gremien der Erweiterung des Betrugs-Paragrafen 263 StGB zustimmen, könnte das neue Gesetz ab 1. April 2021 in Kraft treten.

Das genaue Strafmaß für Gaming-Betrug stünde allerdings noch zur Debatte, so Steffen Seibert, der Pressesprecher der Bundesregierung. Ein erster Strafenkatalog spricht von "15 Minuten PC-Verbot" bei leichten Vergehen wie dem "Throwen" von Matches. Bis zu "72 Jahren Gefängnis" erwarten hingegen Cheater mit besonders schweren Vergehen, beispielsweise "Grief Plays", also einer Kombination aus Aimbot und sogenanntem "Shittalking" oder "Flaming".

Merkel: "Ich habe da keine Lust drauf!"

Den kompletten Gesetzesentwurf, den die Fachpresse bereits als "Git-Gud-Initiative" (kurz GG) bezeichnet, hat die Bundesregierung zeitgleich mit einem Statement von Bundeskanzlerin Angela Merkel höchstpersönlich veröffentlicht, die sich von der anhaltenden Cheater-Welle sichtlich betroffen zeigt:

"Deutschland steht seit Jahrzehnten für harte, aber vor allem ehrliche Arbeit, meine lieben Mitbürgerinnen und Mitbürgern - und das darf, kann und soll sich besonders im digitalen Zeitalter nicht ändern. Doch ich spreche hier nicht nur als Kanzlerin zu Ihnen, sondern auch als Mensch. Mir geht es wie Ihnen. Ich habe keine Lust darauf, mich im Feierabend auch noch mit unfairen Cheatern herumzuschlagen, die mich mal eben mit einem Aimbot aus einem Kilometer Entfernung mit einem Headie aus dem Latschen ballern. Das ist ehrlos. Wir alle haben ein Recht auf ein paar lockere Runden Warzone oder Fortnite am Abend, ohne dass Ihnen und mir böswillige Betrüger den Spaß rauben. Deshalb kämpfen wir als Bundesregierung, aber auch ich als Xbox-Live-Abonnentin, für eine faire Spielekultur."

Vorreiter in Sachen Bekämpfung von Gaming-Betrug sei dabei Südkorea. Dort gilt die Entwicklung sowie der Vertrieb von Cheat-Software bereits seit Ende 2016 als illegal.

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Wie genau die Strafverfolgung in Videospielen vonstatten gehen soll, ist offenbar ebenfalls noch nicht sicher. Das Bundeskriminalamt könne aber theoretisch um eine "Abteilung digitale Cheat-Verfolgung" erweitert werden, die dann in besonders einschlägigen Spielen auf die Jagd nach Betrügern geht. Zahlreiche große Publisher wie Ubisoft oder Activision, die seit Jahren gegen Cheater in ihren Spielen vorgehen, zeigen sich von der Initiative begeistert und haben bereits ihre Unterstützung zugesichert.

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