Faktencheck: Will China Online-Gaming mit dem Rest der Welt verbieten?

Einer taiwanesischen Website zufolge wollen chinesische Behörden das Spielen mit dem Ausland verbieten. Aber stimmt das?

von Jonas Hellrung,
16.04.2020 13:55 Uhr

Will China das Zocken mit der "Außenwelt" verbieten? Will China das Zocken mit der "Außenwelt" verbieten?

Nach Berichten eines taiwanesischen Nachrichtenportals, das sich wiederum auf eine chinesische Spiele-Website beruft, sollen chinesische Behörden weitere Einschränkungen für Videospieler planen: Nachdem bereits mehrere Spiele verboten wurden, soll demnach auch das Online-Gaming zwischen China und dem Rest der Welt untersagt werden.

Außerdem sollen sich chinesische Spieler mit ihren echten Namen einloggen müssen, um eine vollständige Überwachung der Regierung zu gewährleisten. Online-Spiele, egal ob Single- oder Multiplayer, würden dem Bericht zufolge zudem intern überwacht. Aber - stimmt das überhaupt?

Korrektur: In der ursprünglichen News wurde das Verbot als Tatsache dargestellt, was es eindeutig nicht ist. Dafür bitten wir um Entschuldigung.

Wie glaubwürdig ist das?

Zwar wäre es chinesischen Behörden zuzutrauen, dass sie die Bestimmungen verschärfen, weil Online-Spiele ein Autoritäts-Vakuum darstellten, das die Regierung nicht vollständig überwachen kann. Dass sie wirklich einen derart drastischen Schritt gehen wird, lässt sich aber nicht bestätigen. Auf der taiwanesischen Website heißt es dazu (übersetzt via Google Translate):

"Der Inhalt enthält ein Verbot des "gleichen Dienstes" zwischen China und anderen Ländern, was bedeutet, dass chinesischen Spielern und Ausländern das gemeinsame Spielen von Online-Spielen untersagt ist. [...] Der Entwurf des Verbots ist bereits in Peking, Shanghai, Guangdong und anderen Gemeinden erschienen, und es wird erwartet, dass er in naher Zukunft auf ganz China ausgedehnt wird."

Der Analyst Daniel Ahmad, der den chinesischen Markt beobachtet und auf Twitter regelmäßig die dortigen Entwicklungen kommentiert, hält diese Nachricht für Unsinn. Auf Nachfrage eines anderen Twitter-Nutzers erklärt er:

Entsprechend wurde der Reddit-Thread über den Online-Gamig-Bann inzwischen von den Moderatoren als "probably misleading" gekennzeichnet, also als "eventuell irreführend". Komplett von der Hand weisen lassen sich die Gerüchte zwar nicht, aber es lässt sich keineswegs bestätigen, dass die chinesischen Behören wirklich ein Verbot planen.

Aufgrund des schwelenden Konflikts zwischen China und Taiwan könnte die taiwanesische Website die Nachricht schlichtweg überinterpretiert oder sogar bewusst aufgebauscht haben, um ihre Besucher zu schockieren. Dafür spricht auch, dass andere, größere Medien das Thema überhaupt nicht aufgegriffen haben.

Bekannt für drastische Maßnahmen

China ist durchaus für drastische Maßnahmen gegen Spiele und Spieler bekannt: Erst kürzlich wurde dort das Switch-Spiel Animal Crossing: New Horizons verboten. Ein Spieler hatte zuvor den Schriftzug »Free Hong Kong« ins Spiel eingebaut und sich über den chinesischen Generalsekretär Xi Jingping lustig gemacht. Auch andere Spieler verbreiteten regierungskritische Botschaften im Spiel, was zum Verbot führte. Das Mobile-Game Plague, Inc. wurde kürzlich ebenfalls verboten, vermutlich aufgrund der inhaltlichen Parallelen zur Coronavirus-Epidemie.

Auch die kunterbunte Welt aus Animal Crossing kann für politische Statements verwendet werden, und das passt der chinesischen Regierung nicht. Auch die kunterbunte Welt aus Animal Crossing kann für politische Statements verwendet werden, und das passt der chinesischen Regierung nicht.

Weitere Beschränkungen für die Gaming-Welt sehen vor, dass folgende Inhalte nicht mehr in China dargestellt werden dürfen:

  • Zombies und Seuchen
  • Selbst erstellbare Maps
  • Rollenspiele
  • Das Erstellen einer Gruppe in Spielen
Außerdem dürfen Spieler unter 18 Jahren seit Neuestem nicht zwischen 22:00 Uhr und 8:00 Uhr aktiv sein und nur eine bestimmte Summe im Monat für Games ausgeben.

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