Verdammter Hochmut. Da scrolle ich durch die schier endlose Liste aus Demos für das aktuell Steam Next Fest 2025 und beschwere mich noch lautstark, dass ich zu wenig vielversprechende Aufbauspiele darunter finde. Da meint Chefredakteur Heiko doch glatt: »Was wäre denn mit City Tales: Medieval Era« und ich sage dazu nur: »Neee, das sieht doch oll aus.«
Heiko war berechtigterweise überrascht, denn er sah vor sich zu diesem Zeitpunkt das echte City Tales: Medieval Era während mein Gehirn mir irgendeins der gefühlt hunderten, billig produzierten Mittelalter-Spiele auf Steam vorspielte. Aber um es mit den Worten von Thorin Eichenschild zu sagen: Ich habe mich noch nie so getäuscht!
Ein Blick auf die Steam-Seite reichte aus, auf der meine Augen wundervoll grüne Wiesen, beschauliche Dörfchen und eine waschechte Burg in Screeshots zu sehen bekamen, um mir sofort die Demo auf den Rechner zu laden und loszuspielen.
Und was soll ich sagen? Ich bin froh, dass ich es getan habe!
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Mit City Tales - Medieval Era erwartet euch 2025 ein wunderschönes Aufbauspiel im Mittelalter
Die Grundlagen sitzen
Auch wenn es sich hier um kein seelenloses, sondern ausgesprochen liebevoll designtes Aufbauspiel handelt, steht City Tales vor einem Problem: Es mangelt bei weitem nicht an beschaulichen Aufbauspielen im Mittelalter.
Auf der anderen Seite hat die Masse an Spielen dieser Art einen Grund, denn das Prinzip zieht schlicht immer wieder Menschen an. Mich ja auch, der selbst dem fantastischen Manor Lords immer noch Lust darauf hat, neue Spiele dieser Art zu entdecken.
Auch bei City Tales war ich darauf eingestellt, mehr vom gleichen zu bekommen und lag damit auch nicht ganz falsch. Denn natürlich liefert das Spiel eine altbekannte Basis. Ich beginne meine Karriere als Lehnsherr damit, irgendwo in einem europäisch anmutenden Wäldchen erste Holzhütten zu platzieren, schicke dann Holzfäller aus und lasse nach Wild jagen oder Beeren sammeln.
Das Dorf wächst, die Ansprüche ebenfalls. Plötzlich werden die Rufe nach neuen Waren laut. Klamotten sollen her, Wildschweinbraten, Apfelwein und dann bitte noch eine kleine Schule und eine eindrucksvolle Kapelle. Ruckzuck befinde ich mich in der altbekannten Spirale. Will neue Ressourcen heranschaffen, brauch dafür aber erst einmal andere. Gleichzeitig muss die Stadt stetig wachsen, um meinen Goldbedarf zu decken. Ihr kennt das Spiel!
Und das sei schon gesagt, City Tales beherrscht diese Grundlagen ausgesprochen gut. Etwa drei Stunden habe ich in der Demo verbracht und mich in dieser Zeit nicht eine Sekunde gelangweilt. Es ging hier Schlag auf Schlag, ich war durchgehend motiviert und hätte sogar noch viel mehr Zeit darin verbringen können. Noch mehr Häuser aufstufen, noch mehr Betriebe errichten. Genau so muss sich ein Aufbauspiel anfühlen!
Wer entwickelt das?
Hinter City Tales steht ein seit 2022 bestehendes Studio aus Paris namens Irregular Shapes, das sich vor allem aus Aufbau-Fans zusammensetzt. Es handelt sich um ihr erstes Projekt in dieser Konstellation. Viele der Entwickler haben aber schon Erfahrungen in anderen Unternehmen gesammelt.
Was City Tales abhebt
City Tales ist allerdings mehr als nur ein weiteres Aufbauspiel, das aussieht wie Siedler und sich anfühlt wie Anno. City Tales stibitzt nämlich zusätzlich ein wenig bei Manor Lords! Wobei sich das nur auf die Art und Weise bezieht, wie hier gebaut wird. Rasterlos und indem ich ganze Grundstücke in die Landschaft ziehe statt nur einzelner Häuser.
Einfach den Grundriss mit ein paar Klicks abstecken und schon entsteht auf dem eben gemalten Feld das Fundament für neue Gebäude. Doch während bei Manor Lords so höchstens mehrere, individuelle Wohnhäuser herauskommen, lege ich in City Tales damit direkt ein komplettes Stadtviertel fest.
Die Größe bestimmt, wie viele Bauplätze entstehen, die ich im Übrigen nicht nur für Wohnhäuser benötige. Neben öffentlichen Gebäuden wie Märkte, Theater oder Brunnen müssen hier auch handwerkliche Betriebe wie Bäckereien oder Seiler Platz finden.
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City Tales: Medieval Era - Wir werkeln 20 Minuten an unserer beschaulichen Mittelalter-Siedlung
Und dann geht die Puzzelei los. Jedes Viertel kann nur zwei öffentliche Gebäude beheimaten, braucht aber oftmals deutlich mehr. Also muss ich darauf achten, dass die Wirkungsbereiche der benachbarten Viertel andere Viertel mit einschließen. Obendrein hat jedes Wohnhaus ein Stück weit eigene Bedürfnisse. Eine Familie benötigt ein Theater zum Aufsteigen, einer andere eine Kirche.
Hier immer die richtige Verteilung zu finden, ist gar nicht so leicht - wenn auch entspannt genug, dass ich nach wie vor die urige Mittelalter-Atmosphäre genießen kann. Ein schöner Nebeneffekt: Viertel haben durchaus eine eigene Persönlichkeit und einen großen Wiedererkennungswert. Ich speichere sie in meinem Kopf als: das Viertel mit der ulkigen Form, oder das Viertel mit der Bäckerei. Vielleicht auch als das Viertel mit den Leuten, die alle Lust auf Apfelwein haben.
Das verleiht der Stadt Charakter und Charakter ist ein weiteres gutes Stichwort.
Der Herr der Städte: Die Gefährten
Die zweite Besonderheit von City Tales sind die sogenannten Gefährten. In vielen Aufbauspielen muss ich meine gesichtslosen Untertanen direkt auf freie Betriebsstellen verteilen, in City Tales liegt mein Fokus auf den einzigartigen Gefährten, die aber eben nicht die gesamte Bevölkerung repräsentieren.
Sie sind ganz besondere Bewohner, die einen neuen Betrieb eine Weile am Laufen halten müssen, bevor sie einen Nachfolger ausbilden und dieser den Betrieb dann automatisch weiterführt.
Die Gefährten zeigen viel Potenzial, denn dank der sympathischen Illustrationen kann ich jeden davon eindeutig von den anderen unterscheiden. Das verleiht meinen Untertanen eine Persönlichkeit, die auch im späteren Verlauf nicht in der Masse untergeht. Es kommen zwar neue Gefährten hinzu, aber nie so viele, dass ich die Übersicht verlieren würde.
Gefährten bilden sich auch weiter und sind damit eine strategische Ressource. Brauch ich gerade vermehrt Brot, dann lasse ich den Gefährten die Bäckerei leiten, der mehr Punkte im Nahrungstalent hat als alle anderen.
In der Vollversion sollen die Gefährten mit einzigartigen Story-Quests auf uns zukommen, was ihnen noch mehr Charakter verleihen könnte.
Ich hatte in jedem Fall großen Spaß mit der Demo zu City Tales: Medieval Era! Zumal es hier schon gut vermittelt hat, wo die Reise hingeht, was seine Stärken sind und dass es das Potenzial hat, mich auch noch deutlich länger zu unterhalten. Schaut es euch doch selbst einmal an, sonst könnte euch eine kleine Überraschung entgehen.
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