Die Technik funktioniert auch am dritten Tag nicht so recht: Mikrofone jaulen oder sind zu leise, Videoclips laufen nicht oder ohne Bild, und einige der Vortragenden verschwinden hinter den hochgeklappten Laptops auf dem großen Pult, so dass das Publikum einen hin- und hergleitenden Haarschopf verfolgt. Es ist halt die erste »International Computer Game Conference Cologne«, und Erstlinge haben Kinderkrankheiten. Dass die austragende Fachhochschule Köln in Electronic Arts einen einflussreichen und vor allem finanzkräftigen Partner gefunden hat, erfährt man in erster Linie durch die Dankenreden; bei der Präsentation der Tagung hat sich der Software-Riese mit Eigenlob angemessen zurückgehalten. EA stellt das apfelgrüne Tagungsdesign und die knapp berockten Hostessen, in den Lounges laufen EA-Spiele -- sicher als Anschauungsmaterial, man nimmt's wissenschaftlich. Auszahlen dürfte sich das Engagement der Software-Riesen trotzdem, nicht nur, weil kaum ein Referent versäumt, bei Beispielen den Halbsatz anzuschließen: »Übrigens ein Spiel unseres Sponsors.«
Im Vordergrund aber steht die Wissenschaft. Man verzeiht die technischen Kleinigkeiten gern -- denn die Veranstaltung ist wichtig. 19 Vorträge geben einen aufschlussreichen Einblick in die Zahl und Qualität der Spieleforscher und ihrer Projekte, und man darf mit Verwunderung wie mit Genugtuung feststellen, dass deutsche Forscherzirkel in diesem Feld an vorderer Front stehen -- auch in den USA, etwa der spezialisierten Annenberg School of Communication.
Das Wesentliche, die Kernaussage der Konferenz aber ist: Das vermeintliche Kindermedium Computerspiel ist es wert, mit Ernsthaftigkeit behandelt zu werden. Ausgesprochen wird das nur einmal, viel zu spät, von der Schlussrednerin Karin Wenz. Die ärgert sich zu Recht darüber, wenn Videospiele als »Teil der Jugendkultur« bezeichnet werden -- denn Jugendkultur sei etwas Kurioses, Vergängliches, dem kein größerer Wert beigemessen werden müsse. »Wird dadurch verhindert, dass man Spiele ernst nehmen muss?«, fragt Wenz. Es ist die wichtigste Frage der drei Tage, und die Veranstaltung selbst ist die beste Antwort darauf.
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