Nach knapp zehn Stunden in der Beta von Modern Warfare 4 hat die Enttäuschung meine Vorfreude fast vollständig weggespült.
Dabei klang das, was mir die Entwickler im Vorfeld erklärt haben, richtig gut. Eine rundum erneuerte, verfeinerte Version des MW-Reboots von 2019 mit realistischerem Gunplay und ohne die Altlasten der Last-Gen-Konsolen? Ja, bitte!
Aber jetzt bleibt nur das Gefühl, ein geringfügiges Grafik-Update einer Formel zu spielen, die sich längst totgelaufen und ihre Identität über Bord geworfen hat.
Extremes Movement
Modern Warfare hatte für mich innerhalb des CoD-Kosmos immer eine eigene Identität. Etwas bodenständiger, etwas taktischer, nicht ganz so auf der Arcade-Seite wie ein Black Ops.
Doch das ist jetzt vorbei: MW4 streicht zwar das Omnimovement von Black Ops 7, spielt aber in Sachen Geschwindigkeit mindestens in der gleichen Liga – oder sogar etwas darüber.
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Das Movement kann ich nur als »extrem« bezeichnen: Superschnelle Taktik-Sprints, Slides, Hechtsprünge, Bunnyhopping – MW4 liefert das volle Programm. Spieler bewegen sich wie D-Züge über die Maps.
Dazu kommt eine unglaublich kurze TTK, jedes Feuergefecht ist also in einem Sekundenbruchteil wieder vorbei. Wer den Gegner zuerst sieht, gewinnt zu 99 Prozent auch den Kampf.
Spawns sind komplett chaotisch, sodass Gegner gefühlt jederzeit aus allen Richtungen kommen können – oft steige ich sogar direkt neben einem Feind neu ein.
In Kombination führt das dazu, dass jedes Match eine unlesbare, ununterbrochene Reflexprobe auf Speed wird. Verschnaufpausen? Keine. Taktik? Fehlanzeige. Fairness? Nicht wirklich.
Ohne jede Konsequenz
Da hilft es nicht, dass die Matches fast durchgängig auf kleinen Maps stattfinden, die wenig Rückzugsorte bieten und ganz offensichtlich auf permanente Dauer-Action ausgelegt sind.
MW4 will aktiv verhindern, dass ich mal für fünf Sekunden keinen Feindkontakt habe. Es ist ein Shooter für Leute mit 300 Tastenanschlägen pro Minute und reiht sich deutlich stärker in die Erbfolge der Black-Ops-Reihe ein, statt auf klassische MW-Stärken zu setzen.
Ich renne, schieße, kille und sterbe in schwindelerregender Geschwindigkeit und ohne jede Konsequenz vor mich hin. Dass gerade ein Infinity-Ward-Ableger nach MW19 und MW2 so radikal plump ausfällt, tut weh.
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Klar, CoD war nie ein Taktik-Shooter und wird immer auf Run&Gun setzen. Aber ich bin erschrocken, wie unglaublich gleichförmig und austauschbar sich die Beta im Kontext der letzten Jahre anfühlt. Es gibt keine Wagnisse, nichts Unvorhergesehenes, null Innovation.
Ich kenne das alles
Die Spiemodi der Beta sind allesamt mehr oder minder bekannte Variationen von Team Deathmatch, die Maps sind überschaubare Wettkampf-Arenen, an die sich in drei oder vier Jahren kein Mensch erinnern wird.
Versteht mich nicht falsch: MW4 ist kein mieses Spiel. Es ist nur das Gegenteil von besonders.
Gunsmith, Perks, Killstreaks und Ausrüstungsgegenstände sind fast durch die Bank ein Remix altbekannter Systeme und Mechaniken. Ja, das Gunplay ist richtig stark. Schüsse klingen satt, die Animationen sind butterweich und ein Kopftreffer mit der Sniper fühlt sich immens befriedigend an.
Alles in allem bleibt aber schon nach dem ersten Beta-Wochenende das Gefühl, dass ich das alles schon mal irgendwo gesehen und erlebt habe. Und bin müde vom irrsinnigen Tempo.
Noch hege ich die Hoffnung, dass DMZ eine neue und spannende Richtung mit mehr Spieltiefe eröffnen könnte. Denn ansonsten hat MW4 aus meiner Sicht wenig Daseinsberechtigung.
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