Cyberpunk 2077: Warum Patch 1.1 für CD Projekt einen Wendepunkt markieren muss

Meinung: Nach über einem Monat seit Release steuert Cyberpunk auf Patch 1.1 zu. Zumindest für PC-Spieler sollte dieser Patch aber mehr liefern als Bug-Fixes.

von Fabiano Uslenghi,
15.01.2021 17:30 Uhr

Die Debatte rund um Cyberpunk 2077 und seinem derzeitigen Zustand bleibt eine kuriose. Insbesondere weil CD Projekt Red unserer Meinung nach eigentlich ein grandioses Rollenspiel hervorgebracht hat, das trotzdem von vielen Spielern (völlig zu Recht) kritisiert wird. Wir selbst mussten dem Spiel aufgrund neuer Bugs im Nachhinein seinen Platin-Award aberkennen.

Ein Zustand, mit dem CD Projekt natürlich alles andere als zufrieden sein kann. Und den sie aktuell wohl nicht nur bereuen, sondern für den sie sich schon mehrmals entschuldigten. Zuletzt in einem Video von Firmen-Mitgründer Marcin Iwinski:

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Doch bekanntlich sagen Taten mehr als tausend Worte. Deshalb veröffentlichte das Team im selben Atemzug auch eine Roadmap. Die allerdings in etwa so oberflächlich bleibt wie ich, wenn ich meiner 90-jährigen Oma Cyberpunk erkläre.

Wir wissen jetzt aber immerhin: Das nächste Update wird kein Hotfix, sondern der erste große Patch 1.1. Eine Wegmarke, die wir nicht unterschätzen sollten - und eine wichtige Chance für CD Projekt.

Patch 1.1 muss mehr liefern

vor allem für uns PC-Spieler wird der nächste Patch 1.1 und auch der nachfolgende Patch 1.2. einen Wendepunkt markieren müssen. Bislang hat CD Projekt Red mit seinen Hotfixes nämlich lediglich Schadensbegrenzung betrieben.

Der Autor

Fabiano hat vor allem die Weihnachtstage genutzt, um sich in der Rolle von V durch Night City zu questen. Dabei hat er aber natürlich auf dem PC gespielt und war die meiste Zeit über hervorragend unterhalten. Obwohl er eigentlich in seiner Freizeit viel Pen&Paper spielt, kam er bisher noch nie dazu, die Vorlage für Cyberpunk einmal auszuprobieren. Nachdem er CD Projekt Reds Vision davon nun erlebt hat, kann er es aber gar nicht mehr abwarten. Und das, obwohl Cyberpunk 2077 eigentlich bei weitem kein perfektes Spiel geworden ist.

Drei Stück wurden bislang veröffentlicht und jeder davon hatte ein einziges Ziel: Bugs beheben! Weniger T-Posen von NPCs, Quests die sich nicht abschließen lassen, kaputte Speicherstände und aufploppende Personenkraftwagen.

Alledem und noch mehr hat sich das Team bereits angenommen. Und klar - auch die großen Patches müssen weiterhin die Technik auf Vordermann bringen. So langsam wird es aber auch Zeit, dass sich CD Projekt um tiefgreifendere Probleme kümmert.

Kritik an Cyberpunk 2077 - Was muss CD Projekt jetzt liefern? 30:27 Kritik an Cyberpunk 2077 - Was muss CD Projekt jetzt liefern?

Cyberpunk 2077 gehört für uns abgesehen von den Bugs zu einem der besten Spiele der letzten Jahre. Gleichzeitig gab es trotz allem einige Aspekte, die wir in unserem Test kritisieren mussten. Glücklicherweise gehören zu diesen Kritikpunkt ausschließlich Mechaniken, die im Nachhinein mit einem Patch verbessert werden könnten. Die Story kann das Team beispielsweise nicht mehr ohne weiteres anpassen, aber muss das zum Glück auch gar nicht.

Für die nervigsten Eigenarten von Cyberpunk 2077 kann CD Projekt hingegen sicherlich eine Lösung finden und selbst, wenn die großen Patches nicht jedes davon sofort lösen werden, so können sie doch so langsam ein Fundament dafür legen.

Die drei wichtigsten Probleme, die Cyberpunk 2077 bald lösen sollte

1. Das Balancing

Der Nahkampf spielt sich nicht nur ein wenig hakelig, mit einem Katana ist er sogar viel zu stark. Das sollte sich ändern Der Nahkampf spielt sich nicht nur ein wenig hakelig, mit einem Katana ist er sogar viel zu stark. Das sollte sich ändern

Ein echter Klassiker bei Videospielen, wenn es um nachträgliche Optimierung geht. Aber auch ein Bereich, in dem sich die Meisterklasse eines Studios zeigt. Oft findet man eben erst nach dem Release heraus, wenn tausende Spiele tausend unterschiedliche Wege gehen oder Builds ausprobieren, wo die Spielbalance aus den Fugen gerät.

Auch Cyberpunk 2077 gelingt es bisher noch nicht so recht, den perfekten Mittelweg zwischen seinen verschiedenen Schwierigkeitsgraden und den unterschiedlichen Spielstilen zu finden. In unserem Test beschrieben wir das optimale Spielgefühl hätte man auf einem Härtegrad, der irgendwo zwischen »Normal« und »Hart« liegt.

Ersteres fällt noch viel zu leicht aus, während V in zweiterem extrem schnell das Zeitliche segnet. Hinzukommt noch, dass Katanas und Scharfschützengewehre alles wegpusten, während Söldner mit Maschinenpistolen deutlich hinterherhinken. Hier könnten ein paar einfach Änderungen am Schaden schon wahre Wunder wirken.

2. Loot und Ausrüstung

Eine außergewöhnliche Waffe wie Skippy ist super, doch abgesehen davon macht es selten Spaß, neue Waffen zu finden oder gleich selbst welche zu bauen. Eine außergewöhnliche Waffe wie Skippy ist super, doch abgesehen davon macht es selten Spaß, neue Waffen zu finden oder gleich selbst welche zu bauen.

Was das Sammeln von neuen Gegenständen angeht, kann Cyberpunk 2077 bislang noch nicht glänzen. Zwar gibt es ein paar extrem coole einzigartige Gegenstände wie die sprechende Pistole Skippy, aber wir klauben beim Spielen viel häufiger immer die selben Waffen auf. Die können wir dann zerlegen, um andere Gegenstände zu verbessern oder zu craften, doch wirklich Spaß macht das nicht.

Der Prozess ist recht langwierig und um gute Gegenstände zu basteln, müssen wir sehr viele Skillpunkte vergeben. Das ist die Mühe meistens nicht wert, da wir schneller stärkere Waffen finden oder den Schaden mit anderen Fähigkeiten erhöhen können. Ein Nebeneffekt des Lootsystems ist außerdem Vs offensichtlich Modeverirrung.

Wer nur auf die Stats guckt und seine Rüstung verbessern will, muss willkürlich jede Menge Modestile kombinieren und mit einer hässlich gekleideten V leben. Ob in den nächsten Patches eine Transmog-Funktion kommt, ist schwer vorherzusehen. Es wäre zu wünschen, doch auch geliebte Kleidung leichter aufrüsten zu können, wäre bereits eine große Hilfe.

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3. Besseres Fahrverhalten

Das ist ein Problem, das sehr viele Spieler recht unterschiedlich wahrnehmen. Einige steigen in eines der futuristischen Autos und cruisen dann ohne viel Tamtam durch die von Neonlichtern beleuchteten Gassen der Stadt. Andere (so wie ich) kommen mit der Steuerung überhaupt nicht zurecht. Da auch in Foren oder auf Youtube über dieses Problem geredet wird, bin ich damit offensichtlich auch nicht allein.

Selbst teure Karren steuern sich in Cyberpunk 2077 oft etwas zu schwer und geraten leicht ins trudeln. Mit Maus und Tastatur nochmal ein wenig mehr als mit dem Gamepad. Selbst teure Karren steuern sich in Cyberpunk 2077 oft etwas zu schwer und geraten leicht ins trudeln. Mit Maus und Tastatur nochmal ein wenig mehr als mit dem Gamepad.

Vielleicht gelingt es CD Projekt Red mit einem Patch ja, das Fahrverhalten so zu optimieren, dass noch weniger Spieler ständig mit verbeulter Karosserie beim Questziel ankommen. Momentan geraten viele beim Fahren nämlich regelmäßig ins Schlingern, verpassen diverse Ausfahrten oder brauchen gefühlte 200 Meter Bremsweg, bevor das Auto selbst bei niedrigem Tempo stillsteht.

In den Optionen lässt sich das alles ein wenig abfedern, eleganter wäre es allerdings, schon beim ersten Spielstart nicht in Schlangenlinien zu fahren.

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Viel zu beweisen

Ich weiß, was jetzt einige denken: »CD Projekt Red hat gerade ganz andere Sorgen!«. Und das stimmt. Cyberpunk 2077 auf den alten Konsolen zum Laufen zu bringen, hat die oberste Priorität. Doch irgendwann muss CD Projekt Red beispielsweise Sony vermitteln, ob das Rollenspiel wieder ihrem Qualitätsanspruch entspricht. Und dann reicht es nicht, ein Produkt abzuliefern, das die schlimmsten Dellen lediglich ausgebeult hat. Dann muss das Spiel besser sein, als es auch ohne Bugs hätte sein können.

In meinen Augen ist dieser Punkt entscheidend bei dem Versuch, das verlorene Vertrauen zurückzugewinnen. Nicht nur auf den Konsolen, sondern auch bei enttäuschten PC-Spielern. Wird das alles klappen? Nicht unbedingt. Trauen wir es CD Projekt Red zu? Durchaus.

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