»TikTok auf Steroiden«: USA wollen DeepSeek verbieten – droht auch bei uns der Bann?

In den USA wird gerade darüber diskutiert, ob nun auch DeepSeek auf Regierungsgeräten verboten werden soll.

Ein Cybersicherheitsunternehmen fand in einer Analyse heraus, dass DeepSeek heimlich Informationen an ein chinesisches Unternehmen übermitteln könnte, das in den USA verboten ist.

Nun gibt es in den USA Forderungen nach einem Verbot der App auf Regierungsgeräten – doch die Angst vor Spionage scheint nicht der einzige Grund zu sein.

Wie die Lage in Deutschland aussieht, schauen wir uns am Ende des Artikels an.

Hintergrund:

DeepSeek hat Ende Januar einen Hype ausgelöst. Der in China entwickelte Chatbot soll deutlich günstiger gewesen sein als vergleichbare Modelle aus den USA – aber praktisch genauso gut. Das hat nicht nur die Nvidia-Aktie zum Einsturz gebracht.

Schnell jedoch gab es Berichte über politisch-motivierte Zensur. Auch stimmen die häufig in Medien kolportierten Kosten von wenigen Millionen so nicht. Zusätzlich wurde bei DeepSeek ein Datenleck aufgedeckt, das sensible Daten exponierte.

Vor einer Woche wurde dann bekannt, dass Pentagon-Mitarbeiter sich über die App unwissentlich mit chinesischen Servern verbunden haben.

Video starten 40:10 ChatGPT am Ende? Das kann DeepSeek wirklich

Ein Verbot für Staatsangestellte

Nun berichtet AP News über eine Analyse des kanadischen Cybersicherheitsunternehmens Feroot Security. Die haben in der Webversion von DeepSeek geheimen Code entdeckt, der Verbindungen zu China Mobile herstellt. Das Telekommunikationsunternehmen ist in den USA verboten.

AP News ließ die Analyse von zwei unabhängigen Forschern überprüfen. Die bestätigen Links zu China Mobile, konnten aber nicht beobachten, dass tatsächlich Daten übertragen werden.

Nach diesem Bericht wurde laut ArsTechnica der Gesetzesentwurf No DeepSeek on Government Devices Act im Repräsentantenhaus eingebracht. Ziel ist es, die Nutzung des KI-Chatbots auf bundesstaatlichen Geräten zu verbieten.

Erinnerungen an das TikTok-Verbot werden wach

Von dieser Reaktion dürften sich einige an TikTok erinnert fühlen. Im Januar wurde die chinesische Social-Media-App in den USA verboten. Das Verbot wird durch eine Exekutiv-Anordnung des neuen Präsidenten Trump noch nicht durchgesetzt.

Auch wenn es bei DeepSeek bisher nur um ein Verbot für Dienstgeräte von Regierungsmitarbeitern geht, ist es nicht abwegig, zu vermuten, dass es DeepSeek damit früher oder später in den USA wie TikTok ergehen könnte.

Laut ArsTechnica ist auch TikTok seit 2022 auf Dienstgeräten von Regierungsmitarbeitern verboten.

Der republikanische Senator John Curtis bezeichnete letzte Woche während einer Anhörung DeepSeek als TikTok auf Steroiden. Trumps Kandidat für den Posten des Handelsministers, Howard Lutnick, erwiderte laut Ars Technica auf die Behauptung, DeepSeek sei in der Entwicklung sicher nicht so günstig gewesen wie angegeben Naja, es ist einfach, günstiger zu sein, wenn man etwas klaut.

Tatsächlich ist es nicht unwahrscheinlich, dass DeepSeek als sogenanntes destilliertes Modell auch von ChatGPT gelernt hat, was gegen die Nutzungsbedingungen von OpenAI verstoßen könnte.

Allerdings gibt es auch deutliche Anzeichen, dass OpenAI sich sowohl beim Training von ChatGPT als auch der hauseigenen Video-KI Sora an urheberrechtlich geschütztem Material bedient hat.

Vor allem zeigt sich aber, dass es bei solchen Vorwürfen nicht nur um Sicherheitsbedenken bezüglich der Nutzung der chinesischen App geht.

Die USA sind auf dem Technologie-Markt führend, allerdings wird der Abstand zur Konkurrenz, gerade aus China, kleiner. Insofern sind bei solchen US-amerikanischen Vorstößen auch geopolitische Interessen zu bedenken.

Wie wahrscheinlich ist so ein Verbot in Deutschland?

Die USA sind nicht das erste Land, das DeepSeek teilweise verbietet.

  • In Australien und Taiwan ist DeepSeek auf Geräten von Regierungsmitarbeitern ebenfalls tabu.
  • In Italien hat die Datenschutzbehörde letzte Woche den Zugang zu DeepSeek für alle gesperrt, da sie Antworten von DeepSeek auf Datenschutzanfragen für unzureichend befunden hat.

Auch deutsche Datenschützer zeigen sich besorgt über die chinesische App. Schon die Tatsache, dass DeepSeek bisher keine Niederlassung in Europa hätte, wäre ein Verstoß gegen die DSVGO.

Zusätzlich gibt es zwischen der EU und China kein Abkommen, das einen rechtlich sicheren Datenaustausch gewährleistet.

Auch wenn es in Europa nicht das Ausmaß von systemischer Rivalität zu China gibt wie in den USA könnte es auch hierzulande durchaus noch zu Einschränkungen der Nutzung von DeepSeek kommen.

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