Adventskalender 2019

Der Gewinner der E3 2019 ist … kein Publisher. Sondern der Kunde!

Microsoft, EA, Bethesda, Ubisoft und Square Enix haben ihre Karten auf den Tisch gelegt. Für GameStar-Chefredakteur Heiko Klinge liegen dieses Jahr aber alle Trümpfe in den Händen der Spieler. Weil wir wichtiger sind denn je.

von Heiko Klinge,
11.06.2019 07:15 Uhr

Keanu Reeves lieferte auf der Microsoft-Pressekonferenz quasi das Motto für die E3 2019: Liebe für die Fans. Keanu Reeves lieferte auf der Microsoft-Pressekonferenz quasi das Motto für die E3 2019: Liebe für die Fans.

»Du bist atemberaubend! Ihr seid alle atemberaubend!« Keanu Reeves hat auf der Microsoft-Pressekonferenz mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit nicht nur das prägende Zitat der E3 2019 geliefert, sondern damit quasi auch das Leitmotto für alle folgenden PKs vorgegeben. Logisch, wer will John Wick schon widersprechen?

Aber im Ernst, wir Spieler konnten uns vor Liebeserklärungen der Publisher ja kaum retten! Microsoft wurde nicht müde zu betonen, dass für sie der Spieler und seine Wünsche im Mittelpunkt stehen.

Das wohlgemerkt von dem Unternehmen, das PC-Spieler bislang in den ungeliebten Windows Store zwang, wenn man Forza Horizon 4 oder die Age of Empires: Definitive Edition spielen wollte. Jetzt sollen Microsoft-Titel plötzlich auch auf Steam erscheinen.

Der Autor

GameStar-Chefredakteur Heiko Klinge war schon immer sehr empfänglich für Abos. Angefangen als Kind mit dem Lustigen Taschenbuch, dann logischerweise die GameStar ab der Erstausgabe bis hin zu Spotify, Netflix, Amazon Prime und Sky. Bei Spiele-Abos ist er bis dato noch nicht schwach geworden, das dürfte sich aber spätestens dann ändern, wenn er endlich eine schnellere Internetleitung als kümmerliche 20 Mbit bekommt.

Die Fans haben immer recht!

Auch Bethesda stellte seine Communitys in den Mittelpunkt der seiner Pressekonferenz, die in mehreren Einspielern ausführlich zu Wort kamen. Und Bethesda-Game-Studios Todd Howard - normalerweise kein Kandidat für Bescheidenheit - gab vor Millionen von Zuschauern zu, dass man die Kritik an Fallout 76 verdient habe. Nur um sein Team anschließend ankündigen zu lassen, dass es mit dem kostenlosen Wastelanders-Update demnächst NPCs, Dialoge mit Entscheidungen sowie eine richtige neue Storykampagne geben wird. Was für eine Rolle rückwärts!

Das kostenlose Wastelanders-Update von Fallout 76 bringt menschliche NPCs ins Spiel, ein vielgeäußerter Fan-Wunsch. Das kostenlose Wastelanders-Update von Fallout 76 bringt menschliche NPCs ins Spiel, ein vielgeäußerter Fan-Wunsch.

Ubisoft bedankte sich in seiner Pressekonferenz ebenfalls artig per Videobotschaft bei den Division-Spielern, kündigte mit Delta Company ein Community-Programm für Ghost Recon: Breakpoint an und erlaubt mit dem kostenlosen Story-Creator-Modus ab sofort nutzergenerierte Missionen in Assassin's Creed: Odyssey. Und selbst das diesbezüglich eigentlich eher reservierte Square Enix stellte bei in einem Trailer zu Life is Strange 2 die Fans in den Mittelpunkt.

Was steckt hinter all der Liebe?

Ja, natürlich sind all diese Aktionen und Aussagen mehrfach durch den PR-Filter gelaufen. Außer die von Keanu Reeves natürlich. Und nein, natürlich bezirzen uns die Spiele-Hersteller nicht ganz uneigennützig, sondern aus einem guten Grund.

Die Spiele-Branche steht vor einem gewaltigen Umbruch: Schon bald wird nicht mehr zählen, wie viele Spiele man verkauft hat, sondern über wie viele zahlende Abonnenten man verfügt. Spätestens jetzt sollte jedem klar: Die Netflixisierung unseres Lieblings-Hobbys hat begonnen und wird nicht mehr aufzuhalten sein.

Allen voran Microsoft setzt voll und ganz auf die Abokarte. Wer knapp 15 Euro im Monat für den Xbox Game Pass Ultimate bezahlt, muss eigentlich keine Spiele mehr kaufen. EA hat mit Origin Access Premier sein Programm bereits am laufen, und jetzt bietet auch Ubisoft sein komplettes Line-up für 15 Euro pro Monat im Uplay Plus Abo an.

Wer Abos will, muss Kunden pflegen

Und was hat das jetzt mit all den Liebesbekundungen zu tun? Nun, mit dem Wechsel vom Einzelkauf- zum Abomodell ändert sich fundamental die Kommunikationsstrategie. Statt Spiele zu bewerben, müssen die Hersteller nun Kunden umwerben.

Klar, ein gutes Line-up ist nach wie vor wichtig. Mindestens genauso wichtig ist aber der Service drumrum. Wie bequem kann ich ein Abo abschließen oder kündigen? Wie gut hilft mit mir das Abo dabei, mein »nächstes Lieblingsspiel« zu finden, wie es Microsoft so offensiv proklamiert? Und was bekomme ich als Zuckerl oben drauf, damit ich mich als Kunde jederzeit willkommen und wohl fühle?

Im Wettbewerb der Abos wird nicht nur das Spiele-Line-Up entscheiden, sondern auch der Kundenservice. Im Wettbewerb der Abos wird nicht nur das Spiele-Line-Up entscheiden, sondern auch der Kundenservice.

Kein Wunder also, dass die Spiele-Hersteller uns bei dieser E3 derart hofieren. Es geht immer weniger um den kurzen heftigen Flirt eines Spielekaufs und immer mehr um eine möglichst langfristige Liebesbeziehung. Und als glücklich Verheirateter weiß ich, dass so etwas nicht von allein kommt, sondern etwas ist, an das man jeden Tag arbeiten muss.

Und Spielern kann das Balzen um unsere Gunst nur Recht sein. Denn von einer verstärkten Fokussierung auf Kundenwünsche profitieren auch diejenigen, die sich nicht für einen Abo-Service interessieren. Und ein bisschen mehr Liebe schadet eh nie, es muss ja nicht jeden Tag von Keanu Reeves kommen. Obwohl ...

Ihr seht da noch Diskussionsbedarf? Wir auch! Deshalb haben wir im E3-Podcast mit Heiko, Micha, Maurice und Peter weiter über dieses Thema gesprochen (einfach aufs Bild klicken):

Wie die Abo-Offensive das Gaming verädnern wird


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