Mit dem Hai-Angriff von BlueBrixx bekomme ich im Grunde genau das, was ich bestellt habe. Doch als das Modell dann zusammengebaut vor mir stand, wusste ich genau: Das wird nicht lange bei mir stehen. Und das ist schade, denn an sich gefällt mir das Set optisch recht gut - sonst hätte ich es ja auch nicht gekauft. Die Probleme liegen an einer ganz anderen Stelle.
Darum geht's: Der Hai-Angriff greift die legendäre Szene aus Steven Spielbergs Der weiße Hai auf, in der das Forschungsboot von dem namensgebenden Fisch angegriffen wird. Eine direkte Kopie ist es aber nicht. So sieht nicht nur das Schiff anders aus, auch der Rumpf ist zerstört und der Hai ist deutlich größer.
Für Fans des Films dürfte das Modell dennoch ziemlich interessant sein (so bin auch ich darauf aufmerksam geworden). Ich habe es einem ordentlichen Test unterzogen und kann euch verraten, was euch erwartet.
Fakten zum Set
- Name: Der Hai-Angriff
- Marke: BlueBrixx Special
- Verfügbarkeit: Exklusiv im BlueBrixx Online-Shop (letzte Auflage)
- Steinezahl: 1.257 Steine
- Preis: 60 Euro
- Preis pro Teil: 4,8 Cent pro Stein
- Maße:
- Länge: 51 Zentimeter
- Breite: 25,5 Zentimeter
- Höhe: 15 Zentimeter (bis zur Antennenspitze)
Ein zeitloses Motiv trifft auf Retro-Charme
Der Hai-Angriff von BlueBrixx hat zwei große Stärken. Zunächst das Motiv des bösartigen Hais, der ein kleines Boot angreift oder gar zermalmt, das vor allem von Steven Spielbergs bahnbrechenden Tierhorror-Klassiker Der weiße Hai inspiriert wurde. Eine direkte Umsetzung aus dem legendären Film ist es aber nicht, mehr eine Adaption der grundsätzlichen Idee.
Das Motiv selbst ist aufregend, berühmt und trotzdem unverbraucht - zumindest im Klemmbaustein-Regal. Man könnte es beinahe als kleines Highlight für Film-, Hai- und/oder Horror-Fans bezeichnen.
Die zweite große Stärke ist die Umsetzung des Retro-Charmes. Denn nicht nur das Motiv ist ein Klassiker, auch das Design des Modells ist an frühere Jahre der Klemmbaustein-Industrie angelehnt. So finden sich hier kaum ungewöhnliche Spezial-Teile, stattdessen wurde auf Teile gesetzt, die ihr meist in Omas Lego-Kiste vom Dachboden findet. Die Ausnahmen sind hier vor allem die Fliesen, die auf dem Hai und dem Schiffs-Deck befestigt sind und das Modell glatter und hochwertiger erscheinen lassen.
Das Film-Motiv im Zusammenspiel mit dem modernisierten Retro-Charme ergeben ein wunderbar nostalgisches Gesamtwerk, das so aussieht, wie ich alte Lego-Sets in meiner nostalgisch verklärten Erinnerung habe. Und das finde ich als ehemaliges Kind, das genau mit diesen Steine aufgewachsen ist, einfach großartig.
Wer genau das sucht, dürfte mit dem Hai-Angriff glücklich werden. Leider liefert sich BlueBrixx bei dem Set auch einige Schnitzer, die den Gesamteindruck ziemlich trüben.
Was ist mit der Lizenz?
Der Hai-Angriff hat keine Lizenz von Der weiße Hai. Und das ist auch gar nicht unbedingt nötig, denn was ihr hier bekommt, ist eher die Idee eines Hai-Angriffs auf ein Schiff als die bekannte Szene aus dem Film. Das zeigt sich schon daran, dass sich die Schiffe optisch stark unterscheiden. Nicht mal die Farbe ist identisch.
Das Boot im Film ist größtenteils dunkelgrün eingefärbt. Bildquelle: Universal Pictures (links).
Gleichzeitig ist aber klar, dass das Modell bei den meisten Fans von Der Weiße Hai starke Gefühle auslösen dürfte. Und ehrlicherweise hätte ich ohne nachzusehen auch gar nicht gewusst, wie das Boot im Film überhaupt aussieht. Ob euch das als Fan stört, bleibt natürlich euch überlassen.
Das ganze Thema rund um Lizenzen, mutmaßliche Plagiate und Inspirationen ist übrigens äußerst komplex. Eine genauere Erklärung, welche Punkte dafür erfüllt werden müssen, liefert euch der Copyright-Anwalt Tobias Voßberg.
Viele kleine Probleme machen ein großes
Zu oft hätte ich beim Bauen am liebsten in die Tischkante gebissen. Diesen einen großen Fehler hat der Hai-Angriff zwar nicht, es ist eher die Masse an Kleinigkeiten, die bei mir immer wieder für Stirnrunzeln gesorgt hat.
Spaß ist eine Frage der Ausdauer. In den fünf Stunden, die ich für den Zusammenbau gebraucht habe, gefiel mir nur die zweite Hälfte. In der ersten habe ich hauptsächlich die Plattform gebaut, die trotz der großen Grundplatten ziemlich viele Steine verspeist.
An die Grenzen meiner guten Laune brachte mich dann das dazugehörige Wasser, bei dem ich knapp eine Stunde lang Steine auf eine ebene Fläche gedrückt habe. Dabei musste ich mich aufgrund der vielen gleichfarbigen, aneinanderliegenden Steine stets konzentrieren. Und wenn ich dann einen Fehler gemacht habe, war es trotz Teile-Trenner eine Katastrophe, diesen wieder auszubügeln. Freude kam bei mir erst so richtig auf, als es in der zweiten Hälfte an den Bau des Schiffs und des Hais ging.
Wichtig: Da es sich um ein in die Jahre gekommenes BlueBrixx-Special-Set handelt, gibt es keine gedruckte Anleitung, sondern nur eine PDF-Datei. Mit der richtigen Technik kann das aber auch Vorteile haben. So nutze ich ein neun Jahre altes Tablet sowie einen Handyhalter und habe dadurch deutlich mehr Platz auf dem Tisch als bei der klassischen Variante. Das ist natürlich aber Geschmackssache.
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Wir zeigen den über 1.200 Teile großen Hai-Angriff von BlueBrixx
Abfallende Teile: Insgesamt ist das Modell ziemlich robust, doch der Haifisch bildet da eine Ausnahme. So haben etwa dessen Flossen ein Scharnier, doch das kann nicht bewegt werden, ohne sie komplett abzureißen. Auch in der Maulkonstruktion neigen einige Steine dazu, bereits bei kleineren Bewegungen abzufallen.
Und der Fisch selbst ist theoretisch mit vier Noppen befestigt, praktisch sind es aber nur zwei, da beim Ausrichten jedes Mal die Flossen abfallen und ich irgendwann aufgegeben habe. Stattdessen ist der Hai bei mir nur noch in eine Mulde eingelegt. Solange ich das Model aber nicht allzu sehr auf die Seite drehe, bewegt er sich nicht.
Durchwachsene Steine: Bei dem Hai-Angriff handelt es sich um ein älteres Modell und das merke ich auch an den Steinen - im Guten wie im Schlechten. Positiv ist, dass die dezenten Angusspunkte nicht weiter auffallen und teilweise kaum zu finden sind. Das ist heute leider nicht mehr so. Farbabweichungen sind mir gar keine aufgefallen.
Gleichzeitig hatte ich mehrere Steine, die mit grauen, rissartigen Flecken versehen sind. Die lassen sich bedauerlicherweise auch nicht abwaschen. Die meisten beschädigten Teile konnte ich so verbauen, dass sie von außen unsichtbar sind. Teilweise musste ich dafür aber einige Bauschritte zurückgehen, um Steine auszutauschen.
Und dann sind da noch die grauen Fliesen auf dem Hai-Rücken. Bei genügend Licht scheinen die Negativnoppen durch die Oberfläche durch. Das stört mich nicht allzu sehr, schließlich leuchte ich es nicht alle Tage direkt mit einer Lampe an.
Fantasievolle Proportionen: Bei genauerem Hinsehen fällt auf, dass die Proportionen innerhalb des Modells ziemlich inkohärent sind. Während etwa die Kajütentür fünf Blöcke hoch ist, sind es bei der Reling nur zwei Drittel eines Blocks. Im Lego-Minifiguren-Maßstab wären das in unserer Welt knapp 30 Zentimeter. Sagen wir mal so, mit Blick auf die bundesrechtlichen Schiffssicherheitsverordnung von 100 Zentimetern müsste da wohl eine Frachter-Ladung an Augen zugedrückt werden, damit das Ding in See stechen darf (zumindest sagt das Google).
Natürlich reden wir hier von einem Klemmbaustein-Modell, da ist es nicht ganz so leicht, einen einheitlichen Maßstab einzuhalten. Doch das ist dann schon etwas zu doll für meinen Geschmack.
Zu viel Platz und tote Fläche: Über all die vorigen Punkte kann ich als bekennender Hai-Fan hinwegsehen, was mich am Ende dann aber dazu bringt, das Modell zeitnah wieder abzubauen, ist die schiere Größe. Der Hai-Angriff benötigt durch die großen Platten unglaublich viel Platz, hat gleichzeitig aber viel toten Raum, auf dem einfach gar nichts zu sehen ist.
Besonders in der Breite hätte BlueBrixx ordentlich sparen können, insgesamt etwa zehn Zentimeter. Dass das Wasser auch ohne eine riesige Fläche gut aussehen kann, zeigt Der weiße Hai von Lego. Weitere Infos dazu gibt es auf der nächsten Seite.
Außerdem ist mir der weiße Hai in Proportion zum Schiff etwas zu groß. Auch einem 30 Prozent kleineren Tier hätte ich in der Klemmbausteinwelt zugetraut, ein Loch in den Rumpf zu mampfen - schließlich kommt es ja bekanntlich auf die Technik an.
Ich kann kaum glauben, dass ich das mal sage, aber hier wäre mir etwas mehr Sparsamkeit lieber gewesen. Zum Vergleich: Auf dieselbe Fläche könnte ich auch fast die über 5.000 Teile große Burg Blaustein stellen. Und so gerne ich mir den Hai-Angriff auch ansehe, da habe ich einfach andere Modelle, die wesentlich mehr Eindruck schinden und zum Erkunden einladen.
Wenn mich über die Weihnachtstage die Muße packt, werde ich versuchen, aus den Teilen eine abgespeckte Variante zu bauen. Aber ehrlicherweise habe ich gerade bei meinem Pokémon-Smaragd-Modul die Batterie erneuern lassen und werde deswegen wohl damit beschäftigt sein, mein Tohaido zu trainieren.
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