Kaum ein Thema polarisiert in der Medienwelt gerade so stark wie generative KI. Verschiedene KI-Tools sollen bei der Produktion von Videospielen vor allem Arbeitsabläufe erleichtern und werden dadurch immer mehr mit kreativen Prozessen verwoben. Das finden längst nicht alle gut.
Aber in der Technologie steckt auch ein großes Potenzial, zumindest wenn man euch fragt. KI könnte eine Lücke schließen, die aktuell immer größer und größer wird: deutsche Sprachausgaben in Spielen.
Wir wollten vor ein paar Tagen von euch wissen, ob ihr in Videospielen lieber eine KI-generierte deutsche Synchronisation hättet als gar keine. Es gab viele Meinungen zu dem Thema und am Ende ist ein deutlicher Trend zu erkennen.
Zwei Drittel von euch sind offen für KI-Synchros, unter einer Bedingung
Insgesamt haben zum Zeitpunkt unserer Auswertung 3.820 GameStar-Leserinnen und -Leser an der Umfrage teilgenommen. Vielen Dank dafür! Aber jetzt ans Eingemachte:
Ein Drittel lehnt generative KI bei deutschen Synchronisierungen konsequent ab. Ein weiteres Drittel von euch würde hier vorbehaltlos »Ja« sagen, während das letzte Drittel für eine solche Nutzung eine wichtige Bedingung hätte: Die Qualität muss stimmen.
Die Zahlen allein bilden natürlich nur einen Teil des Gesamtbildes ab, ein Blick in die Kommentare verrät uns eure Gedankengänge hinter der Abstimmung.
»Das große Aber«
Ihr habt euch mit über 130 Kommentaren an der Diskussion beteiligt. Dabei wird das Qualitäts-Kriterium immer wieder hervorgehoben. Wenn KI zum Einsatz kommt, muss sie Emotionen ähnlich transportieren wie reale Sprecherinnen und Sprecher. So sagt GameStar-User raven1386 beispielsweise: »Wenn Betonungen und Aussprachen ständig daneben liegen und es extrem künstlich klingt, dann auf keinen Fall, denn das würde mich aus der Immersion reißen.«
Damit wird in den Augen einiger GameStar-User allerdings nur eine Seite der Medaille beleuchtet – die des Endverbrauchers. Auf der anderen Seite steht aber noch eine ganze Branche, auf die KI-Synchros Auswirkungen hätten. GameStar-User Buzzn schreibt:
[...] Das große Aber: Das würde allerdings einen negativen Präzedenzfall schaffen. Publisher könnten sich fragen, warum überhaupt noch Geld für Synchronsprecher ausgeben, wenn der Kunde ja offensichtlich auch KI-Stimmen akzeptiert. Was als Krücke für kleine Studios und Indies gedacht war, könnte dann sehr wahrscheinlich auch zu weiterem Kostendumping auch bei AAA Entwicklern führen und dem deutschen Synchronsprecherberuf noch mehr Schaden zufügen.
GameStar-User Tamblon schreibt etwas ganz Ähnliches. Er kommt selbst aus der Schauspiel- beziehungsweise Synchro-Branche und sieht das Thema KI extrem kritisch:
[...] Wir reden hier nicht nur von Synchro ja nein, oder mit KI, sondern wir reden hier von Jobs, sogar sehr vielen Jobs, eigentlich reden wir hier über ein ganzes Künstlergenre. [...]
[V]ielleicht befinden wir uns bereits (meine Kollegen und ich) auf einer sinkenden Titanic, aber ich weiß eins: kampflos werden wir sicher nicht untergehen, und wenn die Gesellschaft wieder merkt, dass keine KI der Welt zaubern kann, wir Künstler aber schon, wird der Kampf gegen die KI leichter. KI ist toll, wenn sie unterstützt, aber grauenhaft, wenn sie ersetzt.
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Gruselig oder Genial? Wir haben mit Ubisofts Spiele-KI gesprochen | FYNG Talk
In anderen Kommentaren blickt man da schon hoffnungsvoller in die Zukunft. Viele von euch haben längst akzeptiert, dass die KI-Welle nicht mehr aufzuhalten zu sein scheint. GameStar-User nofxman ist sich sicher:
Wenn wir in ein paar Jahren in Open Worlds unendlich hochwertige KI Stimmen haben, [...] hat sich die Diskussion eh erledigt.
Das ermöglicht natürlich Optionen die derzeit noch nicht Umsetzbar sind.
Bei einem RDR2 / GTA 6 dürften die hunderten/tausenden gesprochenen NPCs auch einen dicken Batzen am Budget und dem Zeitaufwand ausmachen nehme ich an.
Ich bewerte das nicht. Aber es ist naiv zu glauben, dass das nicht die neue Norm sein wird.
Menschlich gesprochene Spiele werden eine Luxoriöse Ausnaame sein. Bzw. für kleine Projekte mit wenig Sprechern.
User Feomathar sieht in Zeiten von KI keine Ausrede mehr für fehlende Synchronisationen in deutscher Sprache. Es kommt aber noch eine alternative Idee zur Sprache, die auch User Fallout Boy spannend findet.
Feomathar schreibt: »Ich wäre sogar bereit die deutsche Sprache als DLC zu kaufen, wenn sie dann aber wirklich mit professionellen Sprechern gemacht worden ist und nicht KI-Generiert. Da würden Kosten rein kommen und jeder kann es so spielen, wie man will.«
Manche von euch würden also einige Euros extra in die Hand nehmen, um den Entwicklern einen monetären Anreiz zu verschaffen, ihre Spiele in mehreren Ländern samt Sprache zu lokalisieren und dabei auf generative KI zu verzichten.
Wie die Branche in Zukunft mit dem Thema KI umgeht, wird sich zeigen. Wenn man unserer Umfrage Glauben schenkt, gibt es mehrere mögliche Pfade. Mehr zum Thema lest ihr in den Artikeln, die wir euch oben verlinkt haben.
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