Unnötige Verschlimmbesserung
In den 90er- und 2000er-Jahren war die Automap in Diablo und Diablo 2 eine technische Notwendigkeit. Die prozedural generierten Dungeons waren labyrinthisch, und ohne die mitlaufende Strichzeichnung hätte man sich hoffnungslos in den Katakomben unter der Kathedrale von Tristram verlaufen.
Mit Diablo 3 begann die schleichende Erosion dieses Systems. Das Overlay wurde statisch und der Charakter blieb beim Öffnen der großen Karte stehen. Außerdem wurde die Navigation durch das Einblenden vieler Symbole erschwert, gerade in Städten. Doch erst Diablo 4 vollzog den harten Bruch.
Hier gibt es nur noch das Entweder-oder: Entweder man schaut auf die opake Minimap in der Ecke oder man öffnet die Vollbildkarte, die das gesamte Geschehen verdeckt und euch schutzlos den Angriffen der Dämonenhorden aussetzt.
Ich finde das ebenso ärgerlich wie dämlich, denn dass die alte Lösung noch heute funktioniert, zeigt ja Path of Exile 2:
Das Ende der Immersion
Das Ironische an der ganzen Situation ist die Begründung der Entwickler. Blizzard hat in der Vergangenheit mehrfach argumentiert, dass ein Overlay die wunderschön gestaltete Welt verdecken würde. Man wolle nicht, dass die Spieler durch ein Gitter aus roten Linien auf die Grafik blicken.
Das klingt auf dem Papier nach einem edlen, künstlerischen Anspruch. In der Praxis führt es jedoch zum exakten Gegenteil. Da die Welt von Sanktuario zwar hübsch, aber oft unübersichtlich ist und klare Landmarken zur Orientierung fehlen, fixiere ich meine Augen fast permanent auf die Minimap.
2:36
Diablo 4: Dieser Albtraum-Dungeon droppt so viel Loot, dass wir länger looten als kämpfen
Noch schlimmer wird das Ganze, wenn ich die mit Ruhe gespielte Story-Kampagne abgeschlossen habe und ins Min-Max-dominierte Endgame wechsele. Dort spiele ich einen Minimap-Simulator auf Autopilot. Während mein Charakter in der Mitte des Bildschirms spektakuläre Zauber entfesselt, huschen meine Augen immer wieder an den rechten Bildschirmrand, weit entfernt von der Action.
Dadurch nehme ich die Umgebung nur noch peripher wahr - und renne gerne mal mit meinem Pferd gegen »überraschend« auftauchende Barrieren. Ein transparentes Overlay wäre hier ein hervorragender Kompromiss. Ich behaupte sogar: Mit einem Overlay würde ich mehr von der Welt sehen, weil mein Fokus in der Bildschirmmitte bliebe, anstatt ständig in die Ecke zu wandern.

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