Für die meisten von uns gehört Discord mittlerweile fest zum PC-Alltag dazu. Wir treffen uns in Voice-Channels mit Freunden für Multiplayer-Runden, quatschen, streamen Gameplay oder schicken uns gegenseitig im Text-Chat die neuesten Memes. Weil all das auf Discord geht, hat die App irgendwann langsam aber sicher Teamspeak als meistgenutzten Sprachchat-Dienst der Gaming-Community verdrängt.
Und genau diesen Marktvorteil könnte Discord bald zur lukrativen Einnahmequelle machen. Das behauptet zumindest der Branchen-Experte Michael Bell in einem neuen YouTube-Video, das derzeit für Aufsehen sorgt.
Auf seinem Kanal Bellular News berichtet der YouTuber von einem Testlauf, mit dem derzeit Discord erprobt, Skins für externe Spiele direkt in der eigenen App zu verkaufen und dabei auch eure Freundesliste gegen euch auszuspielen.
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Shoppen, ohne das Spiel zu starten
Im Zentrum des Projekts steht der Hero-Shooter Marvel Rivals. Kunden, die in den USA, Großbritannien, Irland, Kanada und Ozenanien den Discord-Shop benutzen, finden dort neuerdings nicht nur Profilhintergründe, sondern eine eigene Store-Kategorie für das Marvel-Spiel. Der Clou: Ihr könnt dort Skins und Bundles für Echtgeld kaufen, ohne das Spiel überhaupt installiert oder gestartet zu haben. Verknüpft ihr euren Account, landet das Item direkt im Inventar.
Discord zielt hier allerdings gar nicht so sehr auf euren Eigenbedarf ab. Das eigentlich revolutionäre – oder je nach Sichtweise bedenkliche – Feature ist die Integration von Wunschlisten und Geschenken.
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Seit ich Marvel Rivals spiele, hat CoD jeden Reiz verloren
Die eigene Freundesliste als Waffe
Laut Discords Chief Technological Officer (CTO) Stanislav Vishnevskiy sind bereits jetzt fast 20 Prozent aller Shop-Käufe auf der Plattform Geschenke an Freunde und andere Spieler. Und genau diesen Anteil will das Unternehmen nun massiv ausbauen.
Wie das funktionieren soll, beschreibt Bellular News in seinem Video so: Ihr schaut einem Freund im Discord-Stream zu, wie er Marvel Rivals spielt. Mit wenigen Klicks könnt ihr ihm einen Skin schenken, der sofort bei ihm im Spiel aufploppt – ohne dass ihr den Voice-Chat verlassen oder euch mit Gutschein-Keys herumschlagen müsst.
YouTuber Michael Bell bezeichnet das drastisch als das zur-Waffe-machen eurer Freundesliste
. Denn der soziale Druck oder auch der spontane Impuls, einem Freund etwas Gutes zu tun, senken die Hürden zum Geld ausgeben bei vielen Konsumenten drastisch. Discord weiß das und will genau diese Geldquelle erschließen.
Warum macht Discord das?
Die Antwort ist relativ naheliegend: Discord plant einen Börsengang. Einen Termin dafür gibt's zwar noch nicht; zuvor will Discord aber eine weitere profitable Einnahmequelle abseits der aktuellen Nitro-Abos erschließen. In seinem Analyse-Video bezeichnet Bellular News das als »Infrastructure Play«. Discord will sich damit für Spieleentwickler unverzichtbar machen.
Bereits im März führte das Unternehmen das sogenannte Social Software Development Kit (kurz Social SDK) ein, mit dem Entwickler Freundeslisten und Partysysteme einfach in ihre Spiele integrieren können. Der neue Shop soll nun die finanzielle »Karotte« vor der Nase der Publisher sein: Discord verspricht, die Ingame-Ökonomie auch auf Bereiche außerhalb des Spiels auszuweiten. Das Ziel ist es, an Spielern zu verdienen, selbst wenn diese gar nicht eingeloggt sind, sondern nur über das Spiel reden.
Was bedeutet das für uns Nutzer?
Sollte sich das Modell durchsetzen, könnte sich die Art, wie wir Discord nutzen, verändern. Die Plattform wandelt sich von der reinen Kommunikations-App zum Marktplatz. Auf der einen Seite wird es dadurch zwar potenziell einfach, Freunden etwas zu schenken, andererseits werden unsere sozialen Kontakte aber auch stärker kommerziell ausgenutzt.
Für Discord sind diese Experimente außerdem ein Versuch, sein Geschäftsmodell gegenüber der Konkurrenz unangreifbar zu machen. Denn wer wechselt schon die Plattform, wenn dort nicht nur die Freunde sind, sondern auch das gesamte Inventar und die Wunschlisten liegen? Aktuell ist das zwar noch Zukunftsmusik, doch die Indizien sprechen eine klare Sprache, wohin die Reise bei Discord geht.
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