Diebstahl mithilfe Kinect - Illegaler 3D-Scan eines 3.000 Jahre alten ägyptischen Artefakts veröffentlicht

Mithilfe der Xbox-Kinect-Hardware haben Künstler die Büste der Nofretete illegal gescannt und als 3D-Scan veröffentlicht. Die Aktion war politisch motiviert.

von Christian Just,
23.02.2018 15:27 Uhr

Mit einer Kinect unter dem Mantel wurde 2015 die Büste der Nofretete illegal gescannt.Mit einer Kinect unter dem Mantel wurde 2015 die Büste der Nofretete illegal gescannt.

Die Künstler Nora Al-Badri und Jan Nikolai Nelles haben mithilfe einer alten Kinect ein antikes Ägypisches Artefakt im Berliner Neuen Museum gescannt und einen hoch-detaillierten 3D-Druck davon erstellt. Doch nicht etwa, um sich an der Kopie zu bereichern, vielmehr wollten sie wichtige Fragen aufwerfen.

Was ist geschehen?

Nora Al-Badri und Jan Nikolai Nelles haben im Jahr 2015 das Neue Museum in Berlin besucht, in dessen Ägyptischer Ausstellung seit 1924 die Büste der Nofretete, eines der bekanntesten Artefakte aus dem antiken Ägypten, ausgestellt wird. Nora Al-Badri habe dann mit einer eigens entwickelten tragbaren Kinect-Installation unbemerkt einen Scan der hinter Panzerglas geschützten Büste erstellt. Dabei beobachteten die Künstler genau die Wachrouten der Sicherheitskräfte des Museums und agierten vorsichtig und unbemerkt. Später hätten sie aus den Kinect-Daten einen 3D-Druck erstellt.

In der Folge reisten sie nach Kairo stellten die entstandene Replik dort aus. Als sie die Gelegenheit bekamen, die Büste im Anschluss dem ägyptischen Ministerium für Kultur zu überreichen, lehnten sie dies ab. Die Künstler entschlossen sich anstatt dessen dazu, den 3D-Druck in der ägyptischen Wüste zu vergraben.

Was war das Motiv?

Nora Al-Badri und Jan Nikolai Nelles wollten mit ihrer Aktion Licht auf eine Debatte über die Frage werfen, wer das Recht habe, den Besitz eines wertvollen Artefakts der Menschheitsgeschichte zu beanspruchen. Die Büste von Nofretete gelangte 1912 durch Ausgrabungen der Deutschen-Orient-Gesellschaft in die Hände von Ludwig Borchardt, der das Relikt in der Folge nach Deutschland brachte.

Bis 1924 wurde der Fund geheim gehalten und als man die Büste schließlich in Berlin ausstellte, forderten das Ägyptische Museum Kairo und die Ägyptische Regierung das Stück zurück und boten im Austausch andere Relikte an. Nach längerem hin und her entschied sich das deutsche Ministerium für Wissenschaft 1930 gegen eine Rückgabe der Büste. Das Relikt wird bis heute in Berlin ausgestellt.

Nicht mit Kinect allein gearbeitet

Bald nach der Veröffentlichung der 3D-Scans von Nofretetes Büste wurden Fragen nach der technischen Durchführbarkeit laut. Kritiker behaupteten, es sei unmöglich, einen derart detaillierten Scan mit der Kinect-Hardware zu erstellen, schon gar nicht durch eine Panzerglas-Scheibe hindurch.

Im Interview mit Eurogamer gestand Jan Nikolai Nelles ein, dass die Scans mit der Kinect-Hardware nur einen Teil der benötigten Daten für den detaillierten 3D-Druck lieferten.

"Wir haben Techniken kombiniert. Wir haben nicht nur die Kinect-Daten verwendet, aber man kann die Kinect nutzen, um bestimmte Messungen durchzuführen und kombiniert diese dann mit Daten, die man durch andere Methoden gesammelt hat."

Woher die anderen Daten stammen, äußerte Nelles nicht. Übrigens haben die Künstler die Scan-Daten öffentlich zum Download freigegeben, weil sie der Überzeugung sind, dass niemand den Besitz alter Relikte beanspruchen sollte.

Obwohl die Aktion des Datenklaus illegal ist, hat das Museum bislang keine rechtlichen Schritte gegen die Künstler eingeleitet. Vermutlich auch deshalb, um nicht die öffentliche Debatte um die Rechtmäßigkeit des Verbleibs der Büste im Besitz des Museums weiter anzuheizen.

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