Die KI kann in Spielen ein furchterregender Gegner sein: In Alien: Isolation lernt das Monster aus unserem Verhalten und kontert so unsere Überlebensstrategien. In Fear gehen die feindlichen Soldaten taktisch vor und überraschen uns mit Flankenmanövern. Und Shadow of Mordor hetzt uns genau die Orks auf den Hals, die uns das (Über-)Leben am schwersten machen.
Manchmal sind es aber auch unsere Verbündeten, die uns in Spielen die meisten Nerven kosten. Sei es, weil sie sich selten dämlich anstellen, weil sie uns mit ihrer Persönlichkeit auf die Nerven gehen oder weil sie uns etwas Unverzeihliches antun. Wir haben in der Redaktion herumgefragt, welche Begleiter in Spielen eigentlich die schlimmsten sind und 6 Antworten bekommen:
- Ashley (Resident Evil 4)
- Lydia (The Elder Scrolls 5: Skyrim)
- Phai (The Legend of Zelda: Skyward Sword)
- Dogmeat (Fallout 4)
- Mud (Gothic 1)
- Tristian (Pathfinder: Kingmaker)
Ashley (Resident Evil 4)
Mary Marx (+ Natalie + der Rest der Resi-spielenden-Redaktion): Kaum ein anderer NPC hat mich (uns) so sehr auf die Palme gebracht wie die Präsidententochter aus Resident Evil 4. Nicht nur, dass sie gerade im Original maximal nutzlos war, ihr hoher LEON
-Schrei, klingelt mir (uns) 21 Jahre später immer noch in den Ohren.
Anstatt dass sie aber wenigstens irgendwo in einer Ecke nutzlos rumstand, platzierte sie sich immer so geschickt, dass jeder Kultist, den ich mit Leon nicht binnen 0,2 Sekunden über den Haufen schoss, sie sich über die Schulter warf und abhauen wollte.
20:01
Resident Evil 4 - Im Test-Video zum Remake ist Ashley (rechts im Bild) natürlich auch ein Thema
Oder - falls keine Kultisten in der Nähe waren, war auch der Punkt direkt vor der Mündung meiner (unserer) Schrotflinte auch immer ein beliebter Hangout-Spot. Der wahre Horror von Resident Evil 4 war blond und trug Minirock!
Lydia (The Elder Scrolls 5: Skyrim)
Jesko: Oh Lydia, wie oft habe ich dich schon verflucht? Für all die unzähligen Male, in denen du mich verraten hast, als ich durch von Banditen besetzte Dungeons schleichen wollte oder mich daran gehindert hast, durch schmale Gänge und Passagen zu gehen.
Für all die Male, die du mit all meinem Loot im Inventar einfach verschwunden bist, weil du irgendwo gestorben bist, ohne dass ich es gemerkt habe. Oder für rund 356.000 Mal in denen du mir erklärt hast, dass du geschworen hast, meine Last zu tragen ...
Huscarl Lydia ist eine der ersten Begleiterinnen, die wir in Skyrim freischalten. Und weil die gepanzerte Nord-Kriegerin mit soliden Statuswerten gerade zu Spielbeginn eine gute Wahl ist, habe ich mehr Stunden mit ihr in Himmelsrand verbracht, als mir lieb ist.
Denn schon nach kurzer Zeit fällt auf, dass die gute Dame nur gefühlte fünf verschiedene Dialogzeilen hat und dank der mäßigen Begleiter-KI immer wieder Fallen auslöst oder dumm in der Gegend herumsteht. Rückblickend betrachtet gehört all das irgendwie zum Charme von Skyrim, allerdings haben die Entwickler bei anderen Begleitern wie Vampirin Serana auch schon einen deutlich besseren Job gemacht.
Bei Lydia musste letztendlich die Community ran: Dank Mods wie Improved Follower Dialogue, der über 1.400 Zeilen Dialog für Lydia neu vertont, wirkt die Kriegerin mittlerweile fast wie ein glaubhafter Mensch. Hoffen wir, dass sich Bethesda daran für Elder Scrolls 6 ein Beispiel nimmt.
Phai (The Legend of Zelda: Skyward Sword)
Franzi Hammerschmidt: »Es besteht eine Wahrscheinlichkeit von 95 Prozent, dass sich hinter dieser Tür die Quelle des Bösen befindet, die wir suchen«, tönt es aus meinem Schwert, während ich in The Legend of Zelda: Skyward Sword vor einer RIESIGEN Pforte stehe. Nein, wirklich? Da wäre ich ja gar nicht drauf gekommen!
Noch besser: »Die Hitze in diesem Bereich übersteigt die Toleranzgrenze deines Körpers. Ich empfehle dringend die Verwendung von hitzebeständiger Ausrüstung.« Phai, ich weiß!!! Hier ist überall Lava und kleine Funken fliegen durch die Luft, dass ich da nicht einfach herumspazieren kann, ist mir klar. Vor allem, weil ich beim Betreten der Welt schon kurz einmal in Flammen stand.
2:17
The Legend of Zelda: Skyward Sword HD - Im Trailer zum Remaster tritt unser Schwert Phai auch in seiner Menschlichen Form auf
Phai hat ein unglaubliches Talent dafür, komplett offensichtliche Dinge als ganz brisante Neuigkeiten zu verkaufen. Sollte unser Begleiter wirklich mal einen sinnvollen Hinweis geben, verrät er uns teilweise die Lösung für (eigentlich) spannende Rätsel. Danke für nichts!
Dogmeat (Fallout 4)
Tillmann Bier: Dogmeat ist in Fallout 4 eigentlich der perfekte Begleiter. Statt sich ständig wiederholenden Dialogzeilen oder ungefragtem Rat gibt es nur Bellen, Kläffen, Jaulen und Niesen. Dogmeat verurteilt mich auch nicht, wenn ich mich moralisch fragwürdig verhalte und er ist natürlich treu und mutig, wie es sich für den besten Freund des Menschen gehört.
Warum taucht der Schäferhund dann überhaupt hier auf? Als Beweisstück A möchte ich einige Konversationen wiedergeben, die ich so oder so ähnlich mit Dogmeat geführt habe:
Bleib stehen, Dogmeat! *Kawumm* *Fiep*
Halt Dogmeat, das ist eine Falle! *Klick* *Bumm*
Nicht hier entlang, Dogmeat! *Jaul*
Beweisstück B ist dieses Video, das zwar nicht von mir stammt, aber ich schwöre, genau das habe ich erlebt:
Link zum Reddit-Inhalt
Dafür, dass der Hund im Ödland überleben konnte, hat er absolut gar kein Gefahrenbewusstsein. Er würde einer Todeskralle ins Bein beißen und rennt sehenden Auges in Minenfelder. Manchmal springt er auch einfach von einem Hochhaus und kauert dann wimmernd 12 Stockwerke weiter unten.
Und oft genug bringt er mich gerade dann in Gefahr oder stellt irgendeinen Unsinn an, wenn ich im Survivalmodus spiele und seit zwei Stunden nicht gespeichert habe. Das Schlimmste daran: Wie kann ich zu diesem niedlichen Hundegesicht sagen, dass ich das nächste mal lieber alleine unterwegs bin?
Mud (Gothic 1)
Johann-Martin Langner: Das macht richtig Spaß mit dir. Schön, dass du mich mitnimmst. Das können wir öfter mal machen. Und heute ist ja auch noch viel Zeit.
Manche Begleiter sucht man sich nicht aus ... sie finden einen und lassen einfach nicht mehr los, so auch in Gothic.
Mud ist der selbsternannte beste Freund des Namenlosen Helden und ein Paradebeispiel für Begleiter, die wirklich niemand bestellt hat. Er heftet sich im Alten Lager ungefragt an eure Fersen, kommentiert jeden Schritt mit infantilen Sätzen und ergreift bei jeglicher Gefahr sofort die Flucht – eine ganz große Hilfe eben.
Das Schlimmste an ihm? Er klebt unbeirrt an euren Hacken. Mud ignoriert subtile (sowie direkte) Abweisungen mit einer bewundernswerten Ignoranz, bis man schließlich die Geduld verliert und ihn im Wald den Wölfen oder einer Gruppe Blutfliegen überlässt, um endlich wieder seine Ruhe zu haben.
Tristian (Pathfinder: Kingmaker)
Fabiano Uslenghi: Ich versuche hier wirklich heftige Spoiler zu vermeiden und gehe nicht auf jedes Detail ein, aber falls ihr noch vorhabt, Pathfinder: Kingmaker zu spielen – dann lest besser nicht weiter. Es lohnt sich, ist ein grandioses Rollenspiel. Jetzt aber zu dem Begleiter meiner Wahl: Tristian.
Der weichgespülte Kleriker einer Sonnengöttin hat mir im gesamten Spiel mehr als einmal komplett den Allerwertesten gerettet. Er ist der Heiler meiner ganzen Party gewesen. Ohne Tristian hätte ich keinen kniffligen Dungeon durchquert, keinen Boss besiegt und nichts davon überhaupt erst versucht. Ich war von dem Kerl durchgehend abhängig und hey, er wirkt ja auch eigentlich wie eine rundum nette Person, die man gerne dabei hat.
Und nein, ich hab mich nicht im Thema dieses Artikels geirrt. Ich weiß, dass es um die schlimmsten Begleiter geht. Aus mir spricht hier aber auch vor allem verletztes Vertrauen. Tristian war einfach … er war mein Junge! Mein Anker! Ohne Tristian, kein Baron der Raublande. Ich wäre verloren gewesen.
Tja, und das war ich dann auch, als mir der bislang eigentlich durch und durch korrekte Tristian übel ein Messer in den Rücken jagte. Ich will gar nicht zu sehr darauf eingehen, wieso – das könnt ihr schön selbst herausfinden. Aber es passiert.
7:49
Pathfinder: Kingmaker - Test-Video zum epischen Rollenspiel
Auf einen Schlag war eines der wichtigsten Gruppenmitglieder meiner Party einfach weg (übrigens samt Ausrüstung, die ich ihm dutzende Stunden lang in die Tasche gesteckt hab). Ich stand völlig schutzlos in der Pampa und habe mich gefühlt, als hätte mir jemand eine Niere gestohlen. Nie habe ich mich persönlich so verraten gefühlt und selten hat sich so ein Verrat dermaßen auf das Gameplay ausgewirkt.
Das habe ich nie überwunden. Und ja, eigentlich ist das ein toller Moment. Tristian hat eine tolle Geschichte. Aber mir wird trotzdem heute noch übel vor Herzschmerz, wenn ich an sein Gesicht denke.
Das sind unsere Kandidaten für die schlimmsten Begleiter in Spielen, aber natürlich wollen wir auch wissen, was ihr denkt! Welcher Verbündeter ging euch in eurer Spielerkarriere fraglos am meisten auf den Geist und was ist der Grund dafür? Lasst eure Wut, Frustration oder Enttäuschung einfach in den Kommentaren raus, natürlich aber zivilisiert. Vielleicht können die armen NPCs gar nichts dafür.

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