Dieser vergessene Großvater von Baldur’s Gate hat meine Liebe zu Rollenspielen entfacht

1992 erschien ein bockschweres Rollenspiel mit Dungeons & Dragons – Setting für Sega Megadrive. Für Sascha war es der Beginn einer bis heute anhaltenden Faszination.

von Sascha Penzhorn,
08.04.2022 11:20 Uhr

Meine erste Berührung mit Dungeons & Dragons hatte ich im Alter von zehn Jahren. Nicht etwa am PC oder beim Spieleabend mit Freunden, sondern am Sega Megadrive. Warriors of the Eternal Sun nutzt das alte D&D-Regelwerk. Also das ganz alte, aus einer Zeit, in der Elfen, Zwerge und Halblinge noch Charakterklassen waren. Das Spiel beginnt damit, dass eine von Goblins belagerte Festung einfach so in eine andere Welt teleportiert wird. Das Gemäuer und ihre Bewohner finden sich in einer fremden Umgebung wieder. Also schickt der Herzog vier Abenteurer aus, um die Gegend zu erkunden und Verbündete zu finden. Diese kleine Heldentruppe erstellt ihr zu Spielbeginn selbst.

Für jede Figur legt ihr immer erst mal die Klasse fest: Kämpfer, Kleriker, Dieb, Zauberer (der hieß damals schlicht »Magic User«), Zwerg, Halbling oder Elf. Kein Witz – damals warst du entweder Kämpfer oder Zwerg, Magic User oder Elf, nicht beides. Zudem dürft ihr, rein kosmetisch, das Geschlecht sowie die Farbe der Sprites eurer Charaktere auswählen.

Das Setting Eine komplette Festung findet sich plötzlich in einem prähistorischen Tal unter einer sengenden, roten Sonne wieder.

Die Charaktererstellung Die Charaktergenerierung war für ein Konsolenspiel dieser Zeit sehr detailliert.

Dieser Vorgang kann euch gut eine Stunde eures Lebens oder mehr kosten. Nicht etwa, weil so furchtbar viele Gestaltungsmöglichkeiten für eure Party existieren, die sind sehr überschaubar, sondern wegen der Attribute, die komplett per Zufall ausgewürfelt werden. Hat euer Kämpfer 16-18 Punkte in allen Bereichen, aber nur 8 Punkte in Stärke? So ein Pech! Die einzige Option ist, alle Attribute neu auszuwürfeln oder als Schwächling loszuziehen. Um vier Charaktere mit guten Werten zu bekommen, braucht ihr sehr viel Zeit und Geduld oder verdammt viel Würfelglück. 

Der Autor
Dank Spielen wie Warriors of the Eternal Sun kam Sascha Penzhorn zu Dungeons & Dragons im Pen & Paper – Format. Durch Rollenspielabende mit Freunden wiederum kam er zum Schreiben. Als chronisch abgebrannter Teenager kann man sich nämlich nicht dauernd neue Abenteuerbücher und Erweiterungen leisten und muss notfalls selbst kreativ werden, um die Spielegruppe bei Laune zu halten. Heute schreibt er neben Kolumnen und Spieletests auch selbst Abenteuer, Quests und Lore für Rollenspiele. Keine die irgendwie wichtig sind oder von denen ihr jemals gehört habt, aber es ist ehrliche Arbeit. 

Dinos und Heavy Metal

Tretet ihr vor die Festungstore, erwartet ihr womöglich mittelalterliche Musik und Feinde wie Orks und Goblins. Stattdessen kloppt ihr euch mit Tiermenschen, Dinosauriern und durchgeknallten Anhängern eines blutrünstigen Stammes, den sogenannten Azcans.

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