Na, wer hätte das gedacht? Nach Antigravity beziehungsweise Insta360 bringt DJI seine erste 360-Grad-Drohne auf den Markt, die ich vorab testen durfte.
Und was habe ich mich beim Auspacken riesig gefreut! Die Avata 360 kann nämlich via RC-Steuerung geflogen werden. Ein Glück! Beim Fliegen muss also keine zweite Person anwesend sein!
Das war ein Manko, das mich gelegentlich bei der sonst hervorragenden Antigravity A1 bedröppelt aus dem Fenster schauen ließ. Was DJIs erste 360-Grad-Drohne in der Luft so anstellt, zeigt mein Ersteindruck.
Transparenzhinweis: DJI hat mir die Drohne für den Test kostenfrei zur Verfügung gestellt. Der Hersteller hatte keinen Einfluss auf den Artikelinhalt und bekam keine Einsicht vor dem Erscheinen des Tests. Es bestand keine Verpflichtung zu einem Testbericht.
Einschränkung: Drohnen-Führerschein
Die DJI Avata 360 überschreitet das Gewicht von 250 Gramm und wird der Kategorie C1 zugeordnet. Der EU-Kompetenznachweis A1/A3 (oft »kleiner Drohnenführerschein« genannt) ist also die Voraussetzung, um diese Drohne innerhalb der EU fliegen zu dürfen.
Der kleine Drohnenführerschein vermittelt wichtige Kenntnisse im Umgang mit der Drohne sowie die Rahmenbedingungen, die mit einem Flug einhergehen. Dazu gehören beispielsweise: Versicherung, Pflichten, Flugverbotszonen, Abstandsregeln zu Menschen und Objekten, Verhalten bei Notfällen oder Verlust der Steuerung und vieles mehr.
Für das Ablegen der Prüfung verlangt das LBA eine Gebühr von 45 Euro (die gut investiert sind). Die Registrierung als Betreiber beim Luftfahrt-Bundesamt ist übrigens für alle verpflichtend, unabhängig von der Drohne. Ebenfalls verpflichtend ist eine entsprechende Drohnen-Haftpflichtversicherung.
Spezifikationen
| Kategorie | Merkmal | Spezifikation |
| Physische Daten | Gewicht | ca. 455 Gramm |
| Abmessungen | 246 × 199 × 55,5 Millimeter (L×B×H) | |
| EU-Klasse | C1 | |
| Flugleistung | Max. Geschwindigkeit | 18 m/s (Sport), 16 m/s (Normal), 6 m/s (Cine) |
| Max. Flugzeit | ca. 23 Minuten | |
| Max. Windwiderstand | 10,7 m/s (Windstärke 5) | |
| Max. Flughöhe | 4500 m (über Meeresspiegel) | |
| Kamerasystem | Sensoren | Zwei 1/1,1-Zoll Square CMOS Sensoren |
| Auflösung (Foto) | 30 MP oder 120 MP (360°-Modus) | |
| Video (360°) | 8K (2:1) bis 60 fps; 6K bis 60 fps | |
| Video (Einzelinse) | 4K bis 60 fps; 2,7K bis 120 fps | |
| ISO-Bereich | 100–25600 (Normal), 100–12800 (D-Log M) | |
| Bitrate | Max. 180 Mbps | |
| Gimbal & Stabilisierung | Mechanisch | 1-Achsen-Gimbal (Neigen: -95° bis 173°) |
| Virtuell | 360° Virtual Gimbal (Neigen/Rollen: -180° bis 180°) | |
| EIS | RockSteady 3.0 & HorizonBalancing | |
| Übertragung & Sensorik | System | DJI O4+ |
| Reichweite | Bis zu 20 km (FCC) / 10 km (CE) | |
| Latenz | ca. 130 ms (mit RC 2/RC-N2) | |
| Hinderniserkennung | Omnidirektional (Vision + LiDAR + Infrarot) | |
| Akku & Speicher | Kapazität | 2700 mAh (Li-ion) |
| Ladezeit | ca. 47 Min. (mit 100W Hub auf 100%) | |
| Interner Speicher | 42 GB | |
| Daten-Speed | Wi-Fi 6 (bis zu 100 MB/s) | |
| Preise | Nur die Drohne | 460 Euro |
| Mit RC2-Controller | 719 Euro | |
| Fly More Combo | 940 Euro |
DJI Avata 360: Schicke Bauform, die Spaß macht
Wie der Name »Avata« vermuten lässt, orientiert sich die neue Drohne an der Quadrocopter-Familie – was ich sehr begrüße. Das Gerät wirkt robust, ist schön handlich und verzichtet auf das nervige Ein- und Ausklappen der Beine.
Die 4-Blatt-Propeller drücken die Drohne in die Luft und sorgen mit bis zu 81 Dezibel für einen lauten, schrillen Sound. Dafür sind die Propeller bestens geschützt und befinden sich in sogenannten Ducts. Das sorgt für eine höhere Crash-Resistenz.
Mir gefällt das Design der DJI Avata 360 sehr gut. Sie passt gut in den Rucksack und man spart sich das lästige Ein- und Ausklappen der Beine. (Bild: Patrick Schneider, GameStar Tech)
Das hat einen weiteren Vorteil: Die Drohne ist extrem wendig und bremst zügig ab. Obwohl man nur am Boden hinter dem Steuer sitzt, fühlt sich das beim Fliegen richtig smooth an.
Meine Pflicht als Tester habe ich natürlich erfüllt. Mit voller Absicht (hust) habe ich die Drohne im Standard-Modus (16 Meter pro Sekunde) fast gegen dickere Äste fliegen lassen. Fast, denn sie bremste zügig ab. Glücklicherweise!
Unter ihr war ein Gewässer und eine E-Mail an den Hersteller wäre mehr als unangenehm gewesen. Dafür hat DJI bei mir mit seiner omnidirektionalen Hinderniserkennung (mit LiDAR-Unterstützung) erneut bleibenden Eindruck hinterlassen.
360 Grad in der Luft: Jetzt auch bei DJI
Auf dem Datenblatt spielt DJI ordentlich mit den Muskeln. Die Drohne nutzt 1-Zoll-äquivalente Sensoren für Aufnahmen in 8K mit bis zu 60 FPS (wahlweise mit HDR). Im Fotomodus stehen euch 120 Megapixel zur Verfügung.
Die Hersteller sprechen zwar immer von 8K, allerdings handelt es sich um die kombinierte Auflösung beider 4K-Linsen. Jedes Objektiv deckt dabei das volle 180-Grad-Sichtfeld ab. Wenn man dieses Sichtfeld auf ein Standardbildformat zuschneidet, sinkt die Auflösung nochmals.
Das Ergebnis der Aufnahmen kann daher gemischte Gefühle hinterlassen:
- Die Sensoren kämpfen in Teilen mit Bildrauschen an den Rändern, vor allem bei dichtem Blattwerk und Gras (viele Details). Selbst mit dem LOG-Farbprofil und den beiden Base-ISO-Werten (100 und 800) für maximalen Dynamikumfang gelingt es mir nicht, das in Schattenbereichen vollständig zu eliminieren.
- Fliegt die Drohne näher an Objekte heran, wirkt das Bild in der Nachbearbeitung insgesamt zunehmend schärfer.
- Das Material wurde mit und ohne Rauschreduzierung sowie mit hoher und moderater Bitrate exportiert.
Bei den 360-Grad-Aufnahmen steht einfach nicht die filmreife Bildqualität, sondern die Immersion und kreative Freiheit im Vordergrund. Dessen muss man sich bewusst sein.
Im folgenden kurzen Video seht ihr, wie das Filmmaterial aussieht:
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DJI Avata 360: So sehen die Drohnen-Aufnahmen aus
Wahlweise fliegt ihr übrigens im Single-Lens-Modus. Dabei dreht sich das Kameraobjektiv nach vorne, sodass ihr normal und nicht in 360 Grad aufnehmt. Das ist praktisch, wenn ihr euch das Reframing später sparen möchtet.
Was ich der Drohne ebenfalls hoch anrechne: Es entsteht kein unschöner Lens-Flare, wenn die Avata 360 zur Sonne fliegt. Die Antigravity A1 hat damit deutlich mehr Probleme und das Zentralgestirn hinterlässt einen großen, unschönen Schleier im Bild.
Ebenfalls praktisch bei der Avata 360 ist das zuvor erwähnte LOG-Farbprofil (D-LOG M). Das flache Farbprofil bewahrt Details in den hellsten und dunkelsten Bereichen. Im Programm könnt ihr das Bildmaterial anschließend mit 10-Bit-Farbtiefe exportieren, wodurch potenziell unschöne Abstufungen im blauen Himmel vermindert werden.
Wie sieht es mit den Fotos aus? Neben der Videofunktion darf bei Drohnen natürlich ein Fotomodus nicht fehlen. Ihr könnt die schönen Landschaften mit bis zu 120 Megapixeln aufnehmen, das entspricht 60 Megapixeln pro Bild.
Die Aufnahmen aus der Drohne gefallen mir sehr gut! Sie wirken ausreichend scharf und sehr lebendig. Dank der 360-Grad-Ansicht gibt es viel Spielraum für kreative Bilder. Das macht richtig Spaß!
Natürlich können sie mit anderen Kameras am Boden in puncto Details, Schärfe und Dynamikumfang nicht mithalten. Kompromisse gibt es auch in der Luft.
Die typischen Spielereien
Wie bei den anderen DJI-Drohnen gibt es eine ganze Palette vorgefertigter Kamerafahrten. So fliegt der kleine Quadrocopter beispielsweise in einem bestimmten Muster von euch weg, umkreist ein Motiv oder verfolgt Personen, Objekte und Fahrzeuge.
Die Objektiverkennung funktioniert dabei sehr zuverlässig. Ihr wählt das Motiv auf dem Display aus und die Drohne orientiert sich daran. Fertig. Im Grunde nichts Neues bei den DJI-Drohnen. Abgesehen davon, dass ihr jetzt alles in 360 Grad filmt.
Neu ist hingegen, dass ihr bei der Nachbearbeitung in der App einen Teil davon aktivieren könnt.
Reframing mit DJI Studio
Der eigentliche Spaß mit 360-Grad-Drohnen beginnt bei der Bearbeitung des Materials. Schließlich nehmt ihr alles um die Drohne herum auf und seid der Regisseur: Welche Winkel und Kamerafahrten sollen in den Kasten?
Diese Frage kann nur eure Kreativität beantworten, deren Grenzen bei dieser Art Drohne fast unerschöpflich sind. Die Studio-App von DJI ist das Mittel, das euch beim Bearbeiten keinen Stock in die Propeller steckt.
Im Test lief alles weitgehend problemlos, vom Schnitt über Effekte bis hin zum Export.
- Das Schnittprogramm bietet Musik, vorgefertigte Kamerabewegungen, anschauliche Übergänge, Texte und Anpassungsmöglichkeiten am Bild.
- Es gibt zudem Optionen für eine Richtungssperre, Framing-Optionen und Keyframe-Animationen. Das bedeutet: Beim Wechsel des Blickwinkels zaubert das Programm einen Effekt aufs Bild.
Lediglich das Laden der Vorschau in höheren Auflösungen dauert lange.
Das Bearbeitungsprogramm enthält alle wichtigen Bordmittel, um das Video zuzuschneiden. Nach einer kurzen Einarbeitungszeit sollte jeder damit zurechtkommen. (Bild: Patrick Schneider, GameStar Tech)
Die mit Abstand praktischste Funktion ist die intelligente Verfolgung. Wenn ihr ein Objekt oder eine Person im Video habt, die die Kamera verfolgen soll, könnt ihr das mit wenigen Klicks nachträglich bewerkstelligen.
Das kommt der Objektverfolgung beim Flug extrem nahe. Es ist klasse, dass DJI bei der Nachbearbeitung an eine solche Funktion mitdenkt!
DJI Avata 360: Nicht nur mit Brille steuerbar
Wie bereits angedeutet, liegt der entscheidende Vorteil dieser Drohne darin, dass sie auch ohne Brille genutzt werden kann. Damit entfällt die Pflicht, eine zweite Person zum Fliegen dabei zu haben.
Die Steuerung via RC2-Controller ist wie gewohnt hervorragend und fühlt sich sehr natürlich an. Alle Knöpfe sind gut erreichbar und haben einen angenehmen Druckpunkt.
Das 5,5-Zoll-Display hat eine Auflösung von 1920 x 1080 und eine maximale Helligkeit von 700 Nits. Draußen im Freien reicht das Dicke aus. Ich wünschte nur, das Display der nächsten Steuereinheit wäre entspiegelt. Wenn das Sonnenlicht direkt auf den Bildschirm knallt, habe zumindest ich Schwierigkeiten, alles zu erkennen.
Wenn ihr bereits einen Controller habt, könnt ihr diesen mit der Drohne koppeln. Ihr müsst also keinen neuen Controller kaufen. Die Drohne gibt es nämlich auch einzeln zu kaufen.
Für FPV-Piloten hat DJI die Kompatibilität zur Goggle N3 plus Motion Controller 3 berücksichtigt. Leider konnte ich den Flug mit der Brille bislang noch nicht testen, aber er steht auf meiner To-do-Liste.
Sobald ich mit der Brille abhebe und einige Flüge absolviert habe, werde ich den Artikel entsprechend mit einem abschließenden Testfazit aktualisieren.
Worauf ich mich noch freuen darf:
- Mit dem Motion Controller lässt sich die Drohne wie ein echter FPV-Quadrocopter fliegen. Überschläge, Rolls und schnelle Manöver sind möglich.
- Für Neueinsteiger bietet DJI automatische Flips und Loops, um ein Gefühl dafür zu vermitteln.
- Zusammen mit der Brille unterstützt die Drohne einen Kopfverfolgungsmodus (Head Tracking). Damit könnt ihr das Sichtfeld der Brille drehen, ohne dass die Drohne ihre Richtung ändert.
- Die Goggle N3 kann auch mit aufgesetzter Brille verwendet werden.
Akkulaufzeit
Der Hersteller gibt eine Akkulaufzeit von 23 Minuten an. Das kommt hin. Bei meinen Flügen erreiche ich etwa 20 Minuten. Dabei düse ich abwechselnd im Sport- und Cine-Modus durch die Lüfte.
Wenn ich die Handbremse löse und im Sportmodus fliege, sinkt die Akkulaufzeit schneller. Hier fliegt die Drohne mit stolzen 18 Metern pro Sekunde.
Den Modus hebe ich mir noch ausgiebig für den Flug mit der Brille auf. Wie bei DJI üblich, gibt es eine Fly-More-Combo. Das bedeutet, dass ihr drei Akkupacks habt, um die Flugzeit zu erhöhen.
Starke Preis-Leistung
DJI schlägt seinen direkten Konkurrenten in Bezug auf den Preis um Längen:
- Nur die Drohne: 460 Euro
- Mit RC2-Controller: 719 Euro
- Fly More Combo: für 940 Euro
Zum Vergleich: Die Antigravity wurde seinerzeit zu einem Preis von stolzen 1.400 Euro eingeführt. Mittlerweile ist der Preis zwar gefallen, sie ist aber immer noch für etwa 1.190 Euro (ohne zusätzliche Akkus) zu haben.
In puncto Preis-Leistung ist DJI deutlich besser aufgestellt. Ihr erhaltet das Gesamtpaket mit Drohne, Akkus, Brille und Steuereinheiten für rund 250 Euro weniger.
Allerdings verfolgen beide Hersteller dabei ihre eigene Philosophie. Im direkten Vergleich setzt Antigravity seinen Fokus auf das Sehen. Die Brille hat ein breiteres Sichtfeld (90 Grad statt 54 Grad), was für potenziell mehr Immersion sorgt. Zudem ist die Auflösung der Antigravity-Brille höher und sie verfügt über diverse technische Finessen.
DJI hingegen setzt voll auf Content Creator, für die das Filmen in 360 Grad ohne Spotter wichtig ist.
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