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Seite 2: Ausgerechnet eine App zum Lernen neuer Sprachen hat mir wieder Lust auf Spiele gemacht

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Fair und motivierend

Duolingo ist trotz aller Limitierungen (vor allem in Sachen Grammatik) grundsätzlich klasse. Es eignet sich meiner Erfahrung nach hervorragend dafür:

  1. erstmals in eine neue Sprache reinzuschnuppern und sich beispielsweise für einen Urlaub mit den wichtigsten Formulierungen zu rüsten
  2. zur Begleitung eines Sprachkurses, um Sprachpraxis und Verständnis zu schulen sowie (ungezielt) neue Vokabeln zu lernen

Es ist zudem sehr fair in seinen Bezahl- und Free-Optionen. Als Free-User muss ich mir kurze Werbeclips mit einer Länge zwischen 5 und 30 Sekunden nach jeder Lektion ansehen oder wenn ich zusätzliche Kristalle haben will. Letztere werden für diverse Zusatzaufgaben gebraucht, es gibt sie aber auch für Fortschritt in den Lektionen und als Belohnung für den Abschluss von Missionen.

Apropos Missionen: Duolingo benutzt den Grundgedanken der Gamification, um seine Nutzer spielerisch zum Lernen zu motivieren. Das funktioniert erschreckend gut, besonders in Verbindung mit XP-Zahl und Rangliste. Denn beim Spielen steige ich idealerweise jede Woche in eine höhere Liga auf und messe mich mit Spielern aus aller Welt.

Der Blick aufs Profil der Hardcore-Spieler lässt einen vor Ehrfurcht erbleiben: Kornelia hier hat über 500 Tage ohne Pause gespielt! Selbst bei Dota 2 schaffen das nicht viele. Der Blick aufs Profil der Hardcore-Spieler lässt einen vor Ehrfurcht erbleiben: Kornelia hier hat über 500 Tage ohne Pause gespielt! Selbst bei Dota 2 schaffen das nicht viele.

Sich hierbei gegenseitig zu überbieten und um die Top-Platzierungen zu kämpfen, löst eine ungemeine Sogwirkung aus. Die ist tatsächlich so stark, dass ich manchmal um die 15 Stunden pro Woche reine Spielzeit mit Duolingo verbracht habe. Und wenn ich dann sah, wie ein anderer User 5.000 XP pro Tag verdiente, packte mich der Ehrgeiz, es doch noch aufs Podest zu schaffen.

So bin ich innerhalb kürzester Zeit in die höchste Liga namens Diamant aufgestiegen, letzte Woche war das, also rund zweieinhalb Monate nach meinem Einstieg. Ich bin jetzt am Anfang von Lernstufe 3 von 4 und könnte bestimmt noch ein paar Monate so weiterspielen. Aber ich will nicht. Denn Duolingo macht mir inzwischen ein bisschen Angst.

Manipulation am Handy

Je mehr ich mich mit Duolingo beschäftigt habe, umso mehr habe ich verstanden, wie es mich manipuliert. Wohlgemerkt: Die Manipulation ist nicht bösartig. An dieser App ist nur eben einfach alles darauf ausgerichtet, dass ich beim Lernen motiviert bleibe und das ist ja auch in meinem Interesse.

Vorher habe ich gerne mal zwischen zwei Unterrichtsstunden in der Volkshochschule das Vokabellernen vergessen oder aus Unlust die Hausaufgaben erst im letzten Moment gemacht. Ohne diese konstante Beschäftigung mit dem Thema ist es aber sehr schwer, eine neue Sprache zuverlässig zu lernen, besonders in fortgeschrittenem Alter.

Video starten 1:25 Sexy Singles mit Sprachbarriere: Duolingos angebliche TV-Serie ist köstlich

Natürlich gibt es Werbung für das Premium-Abo (Duolingo Super), aber die kostenlose Version lässt sich trotzdem sehr gut nutzen. Mir wurde in meiner Spielzeit sogar zwei Mal für ein paar Tage das Super-Abo geschenkt - fair!

Kritischer sehe ich die Elemente von Pay2Win: Fehler sind für Bezahl-User egal (nicht so wichtig, weil man sich neue Herzen freispielen kann und das eine gute Übung ist) und für bestimmte Challenges müsst ihr keine Kristalle bezahlen.

Letzteres kann in den späteren Ligen tatsächlich zum Problem werden und das bringt mich zu meinem großen Kritikpunkt an Duolingo: Irgendwann hatte ich den Moment erreicht, wo der Spielaspekt den Lerneffekt sabotiert hat. Schuld ist nicht so sehr die App, sondern es sind die anderen Spieler - und ich selbst.

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