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Seite 3: Ausgerechnet eine App zum Lernen neuer Sprachen hat mir wieder Lust auf Spiele gemacht

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Die Perversion des Spielprinzips

Anfangs ging's tatsächlich vorrangig ums Lernen. Doch schon bald haben meine in fast 30 Jahren des Spielens an PC und Konsolen geschulten Min-Maxing-Instinkte übernommen und ich versuchte, das System möglichst effizient auszunutzen. Durch die Kombination aus XP-Boostern und Challenges unter Zeitdruck könnt ihr in Duolingo nämlich mit eineinhalb Minuten Lernen fast das Dreifache an Erfahrungspunkten herausschlagen, das es für eine reguläre Lektion mit XP-Booster gibt.

Mit Events wie der Blitzrunde lässt sich schnell viel XP verdienen. Darunter leidet der grundsätzliche Fortschritt in meinen Sprachlektionen. Mit Events wie der Blitzrunde lässt sich schnell viel XP verdienen. Darunter leidet der grundsätzliche Fortschritt in meinen Sprachlektionen.

In Verbindung mit dem Liga-Konkurrenzkampf kam es dadurch schnell zu der absurden Situation, dass ich mich fast nur noch mit den schnellen Runden auseinandersetzte, in denen lediglich bereits gelernte Inhalte wiederholt werden, um viel fixer als mit Lektionen Punkte zu grinden. Natürlich machten das auch alle anderen Spieler so (je höher die Liga, desto öfter), weshalb ein Podestplatz bald nur noch mit dieser Taktik zu erreichen war.

Das, was mich eigentlich zum Lernen animieren soll, pervertiert so den ursprünglichen Gamification-Gedanken. Das Spiel wird wichtiger als der Lernprozess - sobald ich das einmal durchschaut hatte, hat es mir Duolingo nachhaltig ruiniert. Und es hat mir gezeigt, dass sich Ähnliches auch in »echten« Videospielen beobachten lässt.

Call of Duty ist eins der prägnantesten Beispiele dafür, wie Spiele uns mit Aufstiegen und Belohnungen bei der Stange halten. Call of Duty ist eins der prägnantesten Beispiele dafür, wie Spiele uns mit Aufstiegen und Belohnungen bei der Stange halten.

Was Duolingo über die Welt der Videospiele aussagt

Denkt nur mal ans Endgame von Spielen wie Diablo 4, wo wir alle immer wieder hirnlos die gleichen Aktivitäten wiederholen, um sinnentleert zu grinden, damit die Zahlen ein Stück weiter nach oben gehen. Nicht Inhalte stehen im Vordergrund, sondern einzig das Anwachsen des XP-Balkens oder der Vergleich mit anderen Spielern (»Ich hab eins der sechs ultra-seltenen Uniques gefunden!«).

Natürlich bin auch ich nicht immun gegen diesen Dopamin-Rush, den Spiele in solchen Momenten in unseren Gehirnen auslösen. Ich habe schließlich alle Ligen durchgespielt. Aber jetzt bin ich ausgebrannt, so wie nach dem Hochziehen eines MMO-Charakters, am Ende eines XCOM-2-Runs oder nach x Stufenaufstiegen im Multiplayer von Call of Duty.

Heutzutage gibt's kaum noch ein Spiel ohne Unlocks, XP und motivierende Mechaniken - egal ob am Smartphone, auf dem PC oder den Konsolen. Spiele waren die ersten, die durch Gamification verändert wurden, sie drehen sich in mehr oder weniger starker Ausprägung immer öfter um eine Art Meta-Game, eine zweite Art, das Spiel zu genießen, die zunehmend von den eigentlichen Inhalten entkoppelt ist. Im Podcast besprechen wir das anhand des Beispiels Forza Horizon 5:

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