Vor 16 Monaten ersetzte Duolingo 10 Prozent seiner Mitarbeiter durch KI. Heute rudert der CEO zurück: »Ich sehe KI nicht als Ersatz«

Duolingo wollte vollmundig ein »AI-first«-Unternehmen sein. Nun gibt sich CEO Luis von Ahn allerdings auf LinkedIn recht kleinlaut.

Duolingo-CEO Luis von Ahn zeigte sich öffentlich KI-begeistert, jetzt macht er einen Rückzieher. (Bildquelle links: Luis von Ahn, LinkedIn) Duolingo-CEO Luis von Ahn zeigte sich öffentlich KI-begeistert, jetzt macht er einen Rückzieher. (Bildquelle links: Luis von Ahn, LinkedIn)

KI oder lieber echte Menschen? Nachdem Duolingo-CEO Luis von Ahn erst im April angekündigt hat, nur noch dann neue Mitarbeiter einzustellen, wenn die Arbeit nicht von KI erledigt werden kann, gibt er sich nur gemäßigter.

Über seine Beweggründe zum Sinneswandel darf man aber spekulieren.

Duolingo will AI-first sein

Im Januar 2024 beendete die Sprachlern-App Duolingo die Verträge mit 10 Prozent seiner freien Mitarbeiter. Ein Mitarbeiter ließ damals über Bloomberg verlauten: Ein Teil davon könnte auf KI zurückzuführen sein.

Zumindest in einem Brief aus dem November 2023 an seine Aktionäre bekräftigte Konzernchef von Ahn, dass das Unternehmen generative KI einsetze, um neue Inhalte dramatisch schneller zu produzieren.

Dazu gehören bei Duolingo unter anderem:

  • Skripte für Shows, die beim Sprachenlernen helfen sollen
  • Stimmen in der App
  • Feedback und Konversationen bei Duolingo Max.

Erst letzten April kündigte von Ahn in einem Memo an seine Mitarbeiter (die unternehmensintern als Duos bezeichnet werden) an, dass Duolingo AI-first sein möchte. Das bedeute für das Unternehmen unter anderem:

  • Neueinstellungen werde es nur dann geben, wenn ein Team nicht mehr automatisieren kann
  • Freie Mitarbeiter (contractors) würden schrittweise nicht mehr für Aufgaben eingesetzt werden, die von KI übernommen werden könnten.

AI-first kommt bei den Kunden nicht gut an

Die AI-first-Strategie kommt bei den Nutzern nicht gut an. Kritik in den sozialen Medien versuchte die Firma auf Instagram noch ironisch zu begegnen.

Allerdings bleiben die Kommentatoren bei ihrer Kritik, der Kommentar mit den meisten, über 17.000 Likes, lautet derzeit schlicht:

Stellt Linguisten ein. Hört auf, KI zu nutzen.

Mittlerweile ist die Ablehnung gegenüber Duolingo so groß, dass auch von Ahn sich zum Zurückrudern genötigt sieht. Auf LinkedIn schreibt er dieser Tage, dass ihm sein Memo vom April nicht gelungen sei und weiter:

Um es klarzustellen: Ich sehe KI nicht als Ersatz für das, was unsere Mitarbeiter tun (tatsächlich stellen wir weiterhin mit der gleichen Geschwindigkeit ein wie zuvor). Ich sehe sie als ein Werkzeug, um das, was wir tun, mit der gleichen oder besseren Qualität zu beschleunigen.

Allerdings liegt die Annahme nahe, dass hinter von Ahns Sinneswandel mehr der Versuch einer Imagebereinigung liegt als ein echter Strategiewechsel. Denn sowohl die Entlassungen aus dem Jahr 2024, als auch die im Memo angekündigten Mitarbeiter-Einsparungen betreffen freie Mitarbeiter. Die werden in LinkedIn-Post von von Ahn mit keinem Wort erwähnt.

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