Auch wenn E-Sport immer relevanter wird, bleibt eine Karriere im Gaming für viele ein ferner Wunschtraum. In der Regel schaffen es nur die Besten der Besten, Fuß in dieser Branche zu fassen, doch so manch einer sucht nach praktischen Abkürzungen.
Im MOBA Arena of Valor sorgte jetzt ein Cheating-Versuch für Aufsehen, bei dem die thailändische E-Sportlerin Warasin Naraphat – besser bekannt als Tokyogurl – auf frischer Tat ertappt wurde. Doch es blieb mutmaßlich nicht bei einmaligem Betrug. Anscheinend basiert ihre gesamte Laufbahn auf Lügen.
Über Discord zum Sieg
Tokyogurl galt zuvor als aufsteigender Stern am E-Sport-Himmel, der dem thailändischen Team Talon zahlreiche Siege bescherte. Doch diese Fassade ist jetzt zusammengestürzt wie ein Kartenhaus.
Ans Licht kam der Schwindel während der Southeast Asian Games, einem Arena-of-Valor-Turnier, das 2025 in Thailand ausgetragen wurde. Team Talon, repräsentierte das Gastgeberland mit Tokyogurl in der Rolle als Carry.
Während der Gruppenphase im Match gegen Vietnam wurde das Spiel pausiert, nachdem ein Mitarbeiter etwas Seltsames auf dem Bildschirm von Tokyogurl entdeckte. Die Szenen seht ihr zum Beispiel im YouTube-Video von Mujin zu diesem Thema ab 9:52:
Link zum YouTube-Inhalt
Ihre Handbewegungen schienen nicht mit dem Geschehen auf ihrem Bildschirm übereinzustimmen. Nach der Unterbrechung verschlechterte sich Tokyogurls Performance merklich. Talon verlor das Match 3 zu 0 gegen das vietnamesische Team.
Am selben Tag meldete sich das Komitee der Thailand National Olympic mit einem Statement zu Wort, das bestätigte, dass die E-Sportlerin unautorisierte Soft- oder Hardware von Drittanbietern nutzte. Deshalb wurde sie von einer weiteren Teilnahme am Turnier ausgeschlossen und musste das Team verlassen.
Später kam ans Licht, wie genau Tokyogurl betrogen hatte. Das Turnier wurde auf einem privaten Online-Server ausgetragen und die Teilnehmerinnen bekamen einen frischen Spielaccount. Anstatt sich selbst einzuloggen, schickte Tokyogurl die Logindaten an eine andere Person, die das Match an ihrer Stelle spielte. Über eine Discord-Übertragung brachte sie die Spielszenen auf ihr Gerät vor Ort und stimmte ihre Handbewegungen damit ab.
Der Umstand, dass Tokyogurl deutlich schlechter spielte, nachdem sie aufgeflogen war, legt nahe, dass es nicht das erste Mal war, dass sie heimlich jemand anderen spielen ließ. Abschließend bestätigt ist das allerdings bisher nicht.
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Stirbt der E-Sport vor sich hin?
Mittlerweile ist auch bekannt, wer hinter dieser anderen Person steckt: Tokyogurls fester Freund und selbst ehemaliger Arena of Valor E-Sportler »Cheerio«. Auf TikTok bekannte er sich in einem Statement. Aus dem Thailändischen:
Ich möchte die Vorkommnisse während der Südostasienspiele und anderer Wettkämpfe aufklären, bei denen der Verdacht aufkam, dass in mehreren Disziplinen ein Dritter als Ersatzspieler eingesetzt wurde.
Ich gebe zu, dies getan zu haben, wie in den Nachrichten berichtet wurde.
Ich hatte Zeit, über mein Handeln nachzudenken und bereue es zutiefst. Ich entschuldige mich aufrichtig bei der Gesellschaft.
Die Reaktionen auf diesen Skandal fallen erwartungsgemäß erschüttert aus. Sowohl ehemalige Team-Mitglieder wie Kapitänin Jormkon »Givemeakiss« Pumseenil als auch der Präsident der Thai Esport Federation Santi Lothong zeigen sich schockiert.
Letzterer gab zudem bekannt, dass Thailand sein Frauen-AOV-Team von den 33. Südostasienspielen zurückziehen wird. »Als Gastgeberland können wir nicht zulassen, dass das Turnier so weitergeht«, fügt er hinzu.
Auch die Fans des Teams nehmen die vergangenen Ereignisse ernst. Frauen haben es im professionellen Gaming ohnehin schon schwer. Das Verhalten von Tokyogurl, so die Sorge, trage dazu bei, bestehende Vorurteile zu verfestigen – insbesondere die Annahme, Frauen seien im Gaming weniger talentiert als Männer.

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