Nicht nur die dunkelsten Tage der Ubisoft-Formel evozieren manchmal ein »Gefühl des Déjà-vu oder der Langeweile«, sondern auch das Buch Cent Mille Milliards de Poèmes – zumindest laut der deutschen Wikipedia-Beschreibung. Denn dieses stattliche französische Werk aus dem Jahr 1961 hat mit den größten Open-World-Blockbustern eines gemeinsam: Man braucht verflixt lange, um das Ende zu sehen.
Im Fall von Cent Mille Milliards de Poèmes sogar 190 Millionen Jahre – und weil das so kurios klingt, muss ich diesen Buch-Fund unbedingt mit euch teilen!
Also: Cent Mille Milliards de Poèmes heißt hierzulande Hunderttausend Milliarden Gedichte, und das ist ein ziemlich treffender Titel. Das Buch stammt aus der Feder des französischen Dichters Raymond Queneau, der in den 60ern sehr viel mit Experimental-Literatur ... naja, experimentiert hat.
In seiner Schreibgruppe Oulipo ging es darum, sprachliche Normen aufzusprengen, indem man sich ironischerweise bestimmten Zwängen unterwarf. So entstand beispielsweise der Roman Anton Voyls Fortgang, der komplett auf den Buchstaben »e« verzichtet.
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Wie funktioniert dieser obskure Gedichtband?
Das Experiment hinter Cent Mille Milliards de Poèmes geht in eine andere Richtung: Der Autor verfasst zehn Gedichte (streng genommen: Sonette) mit jeweils 14 Versen, die aber so formuliert sind, dass sich in allen zehn Gedichten beispielsweise jeder dritte Vers auf jeden ersten Vers aus jedem anderen der zehn Gedichte reimt.
Klingt bisschen nach Hirnknoten, deshalb simpler: Stellt euch 10 Gedichte hintereinander vor und ihr schnippelt alle Verse mit der Schere auseinander und könnt sie bunt hin- und herkombinieren. In diesem TikTok seht ihr das auch als Video:
Link zum TikTok-Inhalt
Und jetzt wird's mathematisch: Durch fiese Flexibilität beim Kombinieren all der Verse erreicht ihr 10¹⁴ mögliche Mischungen – also die titelgebenden Hunderttausend Milliarden Gedichte. Und wenn ihr für jede Sonett-Kombi etwa eine Minute Lesezeit einplant, landet ihr bei 190.128.526 Jahren Lesezeit. In etwa so lange dauert es auch, alle Brandon-Sanderson-Romane durchzupauken (den Joke habe ich aus unserem Team-Chat geklaut, danke Peter).
Wikipedia sagt dazu: »Wenn man bei eingehender Lektüre nach den zehn Einzelsonetten sich immer wieder andere Kombinationen zusammenstellt und liest, stellen sich manchmal überraschende neue Eindrücke ein, manchmal auch ein Gefühl des Déjà-vu oder der Langeweile, weil man jede einzelne Zeile schon mindestens einmal gelesen hat, einige auch schon mehrmals.«
So, jetzt habt ihr Trivia-Wissen, mit dem ihr auf der nächsten Party angeben könnt. Was mich natürlich auch interessieren würde: Hat jemand von euch die 190 Millionen Jahre schon durchgezogen? Streckt sich das hinten raus zu sehr? Lasst es mich wissen!
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