Ich gehöre zu den Menschen, die noch selbst einkaufen fahren und ihren Einkaufszettel per Stift und Papier schreiben.
Als Alternative habe ich schon versucht, die Liste mit dem Handy zu erstellen. Aber Stift und Zettel im Laden zur Hand zu nehmen und eingepackte Artikel darauf durchzustreichen, gelingt mir doch irgendwie immer schneller – und es fühlt sich besser an.
Studien zu dem Thema zeigen gleichzeitig, dass es gleich mehrere andere gute Gründe dafür gibt, eine analoge Liste statt einer digitalen zu verwenden.
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Gezielter Einkaufen
Eine Studie der Drexel Universität in Philadelphia von 2018 kommt zu dem Schluss, dass digitale Einkaufslisten zu mehr ungeplanten und hedonischen Käufen
führen.
Gleichzeitig enthalten Einkaufslisten auf Papier laut den Forschern tendenziell mehr Artikel, die aber gezielter eingekauft werden.
Sie erklären das unter anderem damit, dass das Schreiben per Hand eine größere gedankliche Beteiligung und Verbindlichkeit mit sich bringt als das Tippen einer Liste auf dem Handy.
Vergleichbare positive Effekte vom Schreiben per Hand sind auch in anderen Studien dokumentiert, wie ihr im folgenden Artikel nachlesen könnt: Die Generation Z verliert eine wichtige Fähigkeit, die wir seit 5.500 Jahren besitzen: Viele beherrschen das Schreiben per Hand nicht mehr
.
Besseres Training für unser Gehirn
Wer per Hand schreibt, kann sich nicht nur tendenziell besser an Dinge erinnern, sondern aktiviert auch mehr Hirnregionen.
Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Universität Trondheim aus dem Jahr 2024 mit dem Titel Das Schreiben mit der Hand, nicht aber das Tippen, führt zu weitreichender Gehirnkonnektivität: Eine High-Density-EEG-Studie mit Implikationen für den Unterricht
.
Die Forscher führen das auch darauf zurück, dass man beim Schreiben per Hand zum Formen von Buchstaben durchaus feinmotorisch vorgehen muss. Beim Schreiben auf dem Handy tippt man dagegen nur an die passende Stelle des Displays.
Eine noch jüngere Studie von 2025 weist ebenfalls auf deutliche messbare Unterschiede bei der Geirnaktivität zwischen dem Schreiben per Hand und per Tastatur hin:
Das Schreiben von Hand aktiviert ein breiteres Netzwerk von Gehirnregionen, die an motorischen, sensorischen und kognitiven Prozessen beteiligt sind, und trägt so zu einem tieferen Lernerfolg, einer besseren Gedächtnisleistung und einer effektiveren Auseinandersetzung mit schriftlichem Material bei. Das Tippen ist zwar effizienter und automatisierter, beansprucht jedoch weniger neuronale Schaltkreise, was zu einer passiveren kognitiven Auseinandersetzung führt.
Die räumliche Codierung
Auf einem per Hand geschriebenen Zettel haben alle Einträge eine feste Position (von der Möglichkeit des Ausradierens einmal abgesehen).
Listenpunkte auf dem Handy können sich dagegen an verschiedenen Stellen befinden, etwa durch das Scrollen auf dem Bildschirm. In manchen Apps verschwinden abgehakte Einträge außerdem, was das Gesamtbild der Liste ebenfalls verändert.
Diesen Punkt greift die Studie Papiernotizbücher vs. mobile Geräte: Unterschiede in der Gehirnaktivität beim Abrufen von Erinnerungen
der Universtität Tokyo von 2021 auf. Dort heißt es unter anderem folgendermaßen:
Es ist zu beachten, dass die physischen Abmessungen und die räumliche Anordnung eines Dokuments bei einem Notizbuch aus Papier konstant bleiben, während sie auf dem Display eines Tablets oder Smartphones variabel sind. Darüber hinaus liefern nicht nur die physische Interaktion der Hand mit Stift und Papier während des Notizenschreibens, sondern auch das tatsächliche Verfassen von Notizen auf jeder einzelnen Seite des realen Papiers konkretere Informationen zur Codierung, da diese Informationen auf dem physisch identischen Bildschirm eines Tablets oder Smartphones leicht gelöscht und durch neue Informationen ersetzt werden können.
Weiter heißt es, dass diese Eigenschaften des Papiers dabei helfen können, bestimmte Informationen abzurufen
.
Die Konstanz eines handgeschriebenen Notizzettels erleichtert uns also den Umgang damit und das Erfassen der Informationen darauf – im Gegensatz zu einem Notizzettel auf dem Handydisplay, dessen Inhalt sich oft ändert.
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Weniger Ablenkung
Handys sind Alltagshelfer, die wir für alles Mögliche nutzen können: digitale Einkaufslisten, Kontaktaufnahme mit Freunden und Verwandten, Recherche, Unterhaltung per YouTube, Tiktok & Co. – die Liste ist lang.
Das bedeutet gleichzeitig, dass Handys uns leicht ablenken können, auch beim Einkaufen. Eine Studie aus dem Jahr 2019 hat sich diesem Thema gewidmet, mit dem folgenden Ergebnis:
Anhand von Feld- und Versuchsdaten zeigen wir, dass die Nutzung des Mobiltelefons für andere Zwecke als das Einkaufen die Fähigkeit der Verbraucher beeinträchtigt, ihre Einkaufspläne im Geschäft präzise umzusetzen, und mit einer Zunahme ungeplanter Käufe einhergeht.
Wer eine digitale Einkaufsliste auf dem Handy verwendet, läuft eher Gefahr, es kurz für einen anderen Zweck abseits des Einkaufens zu nutzen – schließlich nimmt man es dann ohnehin immer wieder zur Hand, um auf die Einkaufsliste zu schauen. Und der Weg zu Whatsapp, Instagram & Co. ist dann nicht mehr weit.
Es gibt also gleich mehrere Aspekte, die für das Schreiben eines Einkaufszettels mit der Hand sprechen.
Wie sieht es bei euch aus?
Abschließend möchte ich wissen, wie ihr das mit den Einkaufslisten macht: digital oder analog? Nehmt gerne an der folgenden Umfrage dazu teil:
Einen interessanten Blick der Auswirkungen von Technik auf uns und unseren Alltag werfen wir übrigens auch im oben verlinkten Artikel, der sich einem gewissen Genetationenvergleich widmet.
Lasst mich gerne ergänzend zu der obigen Umfrage in den Kommentaren wissen, warum ihr euch für das Schreiben von Einkaufszetteln per Hand oder per Handy entscheidet und wie ihr über mögliche generelle positive Effekte des Schreibens per Hand denkt.

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