Elden Ring: Nightreign wird eine Kluft zwischen die Souls-Spieler treiben – mehr noch, als die Easy-Mode-Debatte. Denn dieses Spin-off richtet sich nicht an jene, die einfach nur mehr Elden Ring erleben wollen. Es richtet sich an diejenigen, denen das Hauptspiel ab Punkt X nicht fordernd genug war.
Das überrascht allerdings nur auf den ersten Blick: Nightreign heißt nur auf dem Papier Elden Ring. Lead Designer ist nicht Hidetaka Miyazaki, sondern Junya Ishizaki, der vorher vor allem die Kämpfe erheblich mitgestaltete. Das Spin-off entspringt seiner Vision, die nichts mit einem Elden Ring 2 oder einem anderen vollwertigen From-Software-Spiel zu tun hat - zumindest nicht so, wie viele Fans es erwarten.
Elden Ring: Nightreign will also ein Spiel für die Elite der Elite sein. Denn schon die typischen Souls-Spiele gelten ja als enorm fordernd. Nightreign will noch härter sein und viel schneller. Ein gewagtes Experiment. Im Test klären wir, ob das aufgeht und ob Nightreign trotzdem auch Standard-Souls-Spieler abholen kann.
So spielt sich eine Runde Nightreign
Nightreign übernimmt Gameplay-Elemente und Assets von Elden Ring, ist im Kern aber eher Koop-Rogue-lite statt klassisches Action-Rollenspiel. Ihr wählt einen von acht Charakteren und startet eine sogenannte Expedition an der Gnade in der Mitte der Tafelrunde. Hier wählt ihr konkret einen sogenannten Nachtfürsten als Ziel aus (mit der Zeit schaltet ihr weitere frei) und seht schon mal, gegen was der Lümmel resistent beziehungsweise anfällig ist.
Eure Spielfigur (es gibt acht klar definierte Charaktere) und den Nachtfürsten könnt ihr für jede Runde frei auswählen, ihr seid nicht festgelegt. Ihr entscheidet außerdem, ob ihr allein oder gemeinsam mit bis zu zwei Mitspielern auf Expedition geht.
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Elden Ring Nightreign im Test: Regen mit Aussicht auf Besserung
Zumindest in der Theorie – alleine ist die Spielerfahrung unglaublich brutal, wer keine Lust auf eine Hardcore-Erfahrung hat, bezirzt deshalb besser ein paar Freunde. Ihr seid nämlich vollkommen alleine – also auch ohne KI-Begleiter – in einem Spiel unterwegs, das ganz klar auf drei Spieler ausgelegt ist.
Nightreign schafft es auch nicht ausreichend, die Lücken zu stopfen und Nachteile auszumerzen, die durch zwei fehlende Teilnehmer im Solo-Modus entstehen. Beispielsweise kann euch keiner wiederbeleben, wenn ihr zu Boden geht – und euer Loot könnt ihr mit niemandem tauschen, falls ihr wieder eine Niete gezogen habt.
Euer Ziel ist die Welt von Limveld, wo ihr Runen sammelt, eure Ausrüstung verbessert und schlichtweg überlebt. Denn während ihr erkundet und kämpft, breitet sich der alles verschlingende Nachtregen unaufhaltsam aus und macht immer größere Teile der Karte unzugänglich. Ihr müsst schnell entscheiden, welche Orte ihr ansteuert – und welche ihr auslasst. Das funktioniert tatsächlich genau wie in einem Battle Royale.
Habt ihr genug gesammelt und euch zum ersten Boss durchgeschlagen, endet der erste Tag. Am zweiten Tag habt ihr die Möglichkeit, verpasste Orte zu besuchen oder euren Build gezielter zu optimieren. Die Karte ist dann wieder aufgedeckt und wird erneut langsam von der Nacht verschlungen.
Am Ende des zweiten Tages wartet ein weiterer Boss. Ist auch er besiegt, stattet ihr noch einem Händler einen letzten Besuch ab, bevor ihr dem von euch ausgesuchten Nachtfürsten gegenübersteht.
Legt ihr den Nightlord der Runde, ist ein Durchgang gemeistert und ihr schaltet weitere Expeditionen mit anderen Endgegnern frei. Habt ihr insgesamt vier von sieben dieser Nachtfürsten geschlagen, geht’s in einem letzten Run gegen den mächtigsten aller Nachtfürsten.
Wie funktioniert das Matchmaking?
Startet an der Gnade in der Mitte der Tafelrunde eine neue Expedition. Wählt dazu einen Boss und setzt die Zahl der Mitspieler fest – zieht alleine oder als Dreiergruppe los. Partien zu zweit sind nicht möglich. Einladungen sind über Steam oder per Passwort möglich - zumindest in der Theorie, letzteres hat bei uns während des Tests noch nicht funktioniert. Beachtet zudem, dass ihr zwar euren Charakter ändern könnt, nicht aber die ausgerüsteten Relikte, passt die also unbedingt vorher an.
Beim Matchmaking bleibt für uns einiges Potenzial liegen - beispielsweise ein Solo-Modus mit KI-Helfern, der den Einstieg ins komplexe Spiel erleichtert. Auch ein Duo-Modus könnte Wartezeiten verringern - ein Monster Hunter skaliert schließlich auch die Schwierigkeit automatisch.
Ein ausgereiftes Kommunikationssystem fehlt ebenfalls. Die Pings erfüllen ihren Zweck. Trotzdem hätten wir uns in einem Spiel, das auf strategischen Gruppenentscheidungen und schnellen Calls basiert, einen Text- oder gar Voice-Chat gewünscht. Für uns war die Spielerfahrung ohne Discord (oder Alternative) deutlich schlechter.
Dass der noch mal eine ganz andere Hausnummer ist als die anderen, dürfte logisch sein. Habt ihr das auch gewuppt, ist das Spiel geschafft. Wer will, kann aber weitere Charaktere und Builds austesten – oder eben alle Bosse schlagen. Besiegt ihr zum Beispiel den finalen Boss einmal mit allen Helden, schaltet ihr eine geheime Sequenz frei.
Sterben funktioniert übrigens auch anders als im klassischen Elden Ring, weil Nighreign ein Rogue-lite ist. Ein Tod außerhalb von Bosskämpfen ist nicht weiter tragisch, man verliert zwar ein Level, steht aber an einer Gnade wieder auf und holt sich seine Runen wie gehabt zurück. Wahlweise wird man von einem Mitspieler an Ort und Stelle wiederbelebt und verliert nichts. Innerhalb von Bosskämpfen gibt es nur die Wiederbelebungsoption. Ist das ganze Team auf dem Boden, bedeutet das ein Game Over.
Anteilige Belohnungen erhaltet ihr aber trotzdem, sodass ihr nie mit leeren Händen aus einem Run kommt. Jeder Run wirft sogenannte Relikte ab, die permanente Boni liefern. Hier verbirgt sich die Progression von Nightreign: Die gesammelten Relikte machen euch stärker für den nächsten Durchgang und helfen dabei, mächtige Builds zusammenzustellen.
Viele Relikte geben euch Buffs wie beispielsweise +1 auf eure Stärke oder Glaube. Einige Relikte verleihen euch aber auch Resistenzen oder fügen euren Waffen direkt zum Start einer Runde eine bestimmte Affinität hinzu. Wenn ihr also wisst, dass der Nachtlord eine Schwäche gegen Gift hat, dafür aber Schlaf-Attacken einsetzt, könnt ihr euch gezielt mit Relikten bereits zum Start eures Runs einen Vorteil verschaffen.
Was sind Relikte und wie setze ich sie richtig ein?
Relikte ermöglichen eine übergreifende Progression in Elden Ring: Nightreign. Als Belohnung jeden Run erhaltet ihr zufällige Relikte, sowie eine Währung für weitere Relikte oder Charakterskins. Was und wie viel ihr bekommt, hängt davon ab, wie weit ihr es geschafft habt.
Relikte stellen im Prinzip permanente Buffs oder Anpassungen dar, die durchaus großen Einfluss haben und ganze Builds freischalten können. So aktiviert ihr beispielsweise Feuerschaden, erhöht den Widerstand gegen Effekte wie Wahnsinn oder stärkt den Spielstil mit Großschwertern, was Vorteile gegen bestimmte Bosse mit sich bringt.
In der Theorie fühlt sich so auch das Scheitern in Elden Ring: Nightreign lohnend an, in der Praxis ist das aber nur bedingt der Fall. Oftmals entspricht bei uns die Auswahl an Relikten nicht dem, was wir für unseren Charakter oder den aktuellen Boss gebraucht hätten, sodass die Enttäuschung überwiegt. So setzen wir erstmal viele Runden in den Sand, bis wir endlich für uns nützliche Buffs zur Auswahl haben.
Ein Hauch von Helden-Shooter
Eine weitere wichtige Komponente für eure Expeditionen sind die Klassen. Ihr wählt in Nightreign zwischen acht Charakteren, deren Werte euren Spielstil bestimmen, obwohl ihr eure Waffe grundsätzlich frei wählt. Auch für die Nachtfürsten spielen Charakterwahl und sich daraus eventuell ergebende Synergien eine wichtige Rolle.
Legt ihr euch mit einem fliegenden Nachtfürsten an, sind Fernkämpfer wie der flinke Bogenschütze Eisenauge gefragt. Und wollt ihr die Haltung eines Feindes brechen, gelingt das meist mit einem wuchtigen Nahkämpfer wie dem Räuber. Der Anspruch der Charaktere schwankt zudem stark und dient als zusätzliches Balance-Element:
Charaktere wie die Gräfin oder das Gespenst bieten ein enormes Potenzial, Schaden auszuteilen, erfordern aber auch sehr viel Geschick. Beide halten wenig aus und müssen ihre Fähigkeiten genau im richtigen Augenblick einsetzen. So beschwört das Gespenst getötete Gegner als Gefährten oder belebt das Team wieder, während die Gräfin sie in Unsichtbarkeit hüllt und gerade erfolgte Angriffe kopiert – inklusive Schaden.
Ein Wylder mit seinem Greifhaken, einer Flammenexplosion und einem zusätzlichen Leben wirkt im Vergleich sehr zahm und einfach zu handhaben. Je nach Held könnt ihr es euch also bewusst leichter oder schwerer machen.
Einmal umbauen, bitte
Ein Stück weit sind die Charaktere über ihre Fähigkeiten also bereits festgelegt. Über Relikte und gefundene Waffen, Zauber, Affinitäten oder Resistenzen während eurer Runden zimmert ihr euch aber dennoch einen eigenen Build zusammen, der idealerweise auf den Endgegner abgestimmt ist.
Ist ein Nachtfürst zum Beispiel schwach gegen Feuerschaden und verteilt Frost in der Arena, solltet ihr euren Helden auf Frostresistenz und Feuerwaffen auslegen. Oder ihr setzt auf allgemeine Synergien: Die Fertigkeit, dass Heilflaschen die Gesundheit langsam kontinuierlich aufladen, passt zum Beispiel perfekt zum Räuber, weil dieser eigentlich permanent an der Front kämpfen und Schaden aufsaugen will, um seinen Konterangriff zu zünden.
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