Epic vor Gericht: Massenhaft Firmengeheimnisse landen im Internet

Am Montag begann der Prozess zwischen Epic und Apple. Geleakte Dokumente geben nun einen Einblick in Epics Firmengeheimnisse.

von Dennis Zirkler,
04.05.2021 15:00 Uhr

Der Rechttstreit zwischen Apple und Epic begann wegen Ingame-Käufen in Fortnite. Der Rechttstreit zwischen Apple und Epic begann wegen Ingame-Käufen in Fortnite.

Der Rechtsstreit zwischen Epic Games und Apple geht in die nächste Runde: Am Montag, dem 3. Mai 2021, fand der Prozessauftakt statt. In den kommenden Wochen soll nun geklärt werden, ob Apples Geschäftspraktik, im App Store 30 Prozent aller Umsätze einzubehalten, als rechtmäßig gilt.

Gleichzeitig gelangen am 3. Mai 2021 einige Dokumente aus dem Prozess an die Öffentlichkeit, die viele interne Zahlen und Firmengeheimnisse von Epic Games offenlegen. Wir bieten euch eine Übersicht.

Wie viel Epic die Gratis-Spiele kosten

Auf Twitter veröffentlichte der Videospieljournalist Simon Carless eine durchgesickerte Tabelle, die offenbar zeigt, was Epic Games den Publishern für ihre wöchentlichen Gratisspiele zahlt.

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So funktioniert das Bezahlsystem für kostenlose Spiele: Die Grafik verrät, dass Epic für die Gratisspiele einen einmaligen Betrag an Entwickler bzw. Publisher zahlt. So hat Epic für Subnautica etwa einmalig 1,4 Millionen US-Dollar überwiesen.

Auch die Anzahl, wie oft das Gratis-Game abgerufen wurde, ist ersichtlich: Subnautica wurde anschließend von ganzen 4,6 Millionen Nutzern der eigenen Bibliothek - im Schnitt erhält der Entwickler also nur rund 30 Cent pro verschenktem Spiel. Falls ihr also zu den Leuten gehört, die Spiele abrufen, um den Entwicklern so zusätzliches Epic-Geld in die Taschen zu spülen: das funktioniert eher schlecht als recht.

Neue Epic-Store-Nutzer pro Gratisspiel: Die Tabelle zeigt ebenfalls, wie viele neue Nutzer mit jedem neuen Angebot sich für den Epic Store registriert haben. Besonders lohnenswert waren hier etwa Indiespiele wie World of Goo, die bei einer Investition von 50.000 Dollar das Dreifache an neuen Usern einbrachte.

Als Flop für Epic dürfte sich hingegen wohl der Plattformer Celeste herausgestellt haben: Hier zahlte der Publisher 12 Dollar für jeden neugewonnen Nutzer.

Exklusivdeal um Borderlands 3 kostete fast 150 Millionen Dollar

Außerdem ist nun die konkrete Summe bekannt geworden, die Epic für die einjährige Exklusivität von Borderlands 3 berappen musste: Insgesamt zahlte man hier fast 150 Millionen US-Dollar an Publisher 2K Games.

Die Summe setzt sich aus einer Mindestgarantie für Verkäufe, Marketingverpflichtungen und nicht erstattungsfähigen Gebühren zusammen. Dazu kommen die Kosten für die Gratisspiele Borderlands: The Handsome Collection (11 Millionen Dollar) und Civilization 6 (20 Millionen Dollar) - für die floss also ein Vielfaches von dem, was man beispielsweise für andere AAA-Titel wie die Batman-Arkham-Spiele zahlte.

Sony verdient am Crossplay mit

Was allgemein bekannt sein dürfte: Lange stellte sich Sony quer, wenn es um Crossplay zwischen der PlayStation 4 und anderen Konsolen ging. Während Xbox-, Switch- und PC-Spieler gemeinsam Fortnite, Rocket League und Minecraft spielten, mussten PS4-Spieler draussen bleiben.

The Verge zeigt einen Brief von Epics Vizepräsident Joe Kreiner an Sony, in dem er dem Konsolenhersteller vom Crossplay überzeugen will: Im Gegenzug bot er unter anderem Marketingdaten oder kostenlose Ingame-Goodies, mit denen Sony sein PS Plus-Abo bewerben könnte. Jedoch vergeblich, denn Sony blockte ab.

Erst im August 2019 öffnete sich Sony dem Crossplay, weil sie eine Möglichkeit gefunden haben, damit Geld zu verdienen: Als einziges Unternehmen fordern die Japaner eine Gebühr, falls ein Publisher Crossplay mit einer PlayStation-Konsole in sein Spiel implementieren will - das bestätigte Epics CEO Tim Sweeney nun am ersten Prozesstag.

Wie geht's mit dem Epic Store weiter?

Erst kürzlich wurde bekannt, dass Epic aktuell riesige Verluste mit seinem Store hinnehmen muss:

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Am ersten Prozesstag bestätigte der Epic-Chef, dass der Publisher durch die aggressiven Marketingausgaben für Exklusivdeals und Gratis-Spiele aktuell viel Geld verliert. Allerdings erwartet »Tim Sweeney, innerhalb von drei oder vier Jahren profitabel zu werden«.

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