Die Nische der Nische
Die zweite Einstiegshürde: Wer über den Preis hinwegsehen kann, muss immer noch zur Zielgruppe gehören. Eriksholm ist ein Stealth-Taktikspiel aus der isometrischen Perspektive, vergleichbar mit Titeln wie Commandos oder Desperados. Das schreckt bereits so manchen ab; das Genre war nie so populär wie Shooter oder Action-Adventures.
Echtzeit-Taktikspiele ohne Pause gelten als anspruchsvoll und stressig, das Frustpotenzial ist groß. Aber Eriksholm ist selbst in diesem Rahmen extrem unerfolgreich. Fortsetzungen bekannter Marken wie Commandos: Origins kamen auf immerhin 2.296 gleichzeitige Spieler beziehungsweise 6.057 (Desperados 3).
Auch gegen Shadow Gambit: The Cursed Crew, das mit 3.930 gleichzeitigen Spielern wegen mieser Zukunftsaussichten mitverantwortlich für die Schließung von Entwickler Mimimi Games war, wirken die 491 maximal gleichzeitig aktiven Eriksholm-Spieler verschwindend gering.
Vielleicht ist die Genre-Zielgruppe einfach zu klein? Was ich ebenfalls für wahrscheinlich halte: Der starke Story-Fokus von Eriksholm geht zulasten der spielerischen Freiheit, die viele Fans dieser Art von Spielen erwarten.
Es gibt weniger offene Level, die zum Experimentieren einladen, und stattdessen eine sehr stringente Erzählung. Das macht das Spiel zwar zu einem immersiven Erlebnis, könnte aber Hardcore-Taktikern missfallen, die maximale Freiheit bevorzugen. So sitzt Eriksholm zwischen den Stühlen.
Im Sommerloch versunken
Meine dritte und vielleicht traurigste Theorie betrifft das Marketing. Hätte ich auf der Gamescom 2024 nicht die Gelegenheit bekommen, Eriksholm erstmals anzuspielen, hätte ich im Vorfeld kaum etwas vom Spiel mitbekommen.
Der Release war flüsterleise, es gab keine Werbekampagne, keine Integration bei großen Streamern. Im historisch schwachen Juli, wenn die meisten Menschen in den Urlaub oder zumindest ins Schwimmbad fahren, dürfte das zu wenig gewesen sein, um Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.
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Für kleine Titel ohne massive Marketingkampagne ist es unglaublich schwer, überhaupt wahrgenommen zu werden. Vielleicht hätte ein Release im Game Pass Eriksholm retten können. Dort hätte es eine viel größere Sichtbarkeit bekommen und eine breitere Spielerschaft erreichen können, ohne dass die Leute 40 Euro dafür zahlen müssen.
Meine Hoffnung ist jetzt, dass das Spiel über einen längeren Zeitraum durch Preissenkungen in Steam Sales und Mundpropaganda doch noch ein größeres Publikum erreichen kann. Ich hoffe es inständig, denn River End Games hat hier ein Juwel geschaffen, das es verdient, entdeckt zu werden.
Es wäre eine Schande, wenn diese offensichtlich begabten Entwickler aufgrund mangelnder Reichweite in Schwierigkeiten geraten würden und wir niemals einen Nachfolger zu Eriksholm: The Stolen Dream bekämen.
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