Storytelling: Und täglich grüßt das Murmeltier
Wenn ihr eine Reihe von ESO-Kapiteln und Story-DLCs hinter euch gebracht habt, dürften die Parallelen bei Erzählstruktur und -aufbau offensichtlich sein. Getreu dem Entwickler-Motto, alle Ereignisse auf der Spielwelt können gleichzeitig ablaufen, verändert sich während einer Gebietsgeschichte nur im gespielten Gebiet etwas. Der Rest Tamriels bleibt davon unbeeinflusst. Das mag noch logisch sein, wenn wir wie im DLC Murkmire eine Abenteuer-Expedition durch verschiedene Ruinen begleiten oder beispielsweise im Gebiet Steinfälle dabei helfen, einen lokal begrenzten Vulkanausbruch zu verhindern.
Deutlich unrealistischer geht es aber zu, wenn mal wieder irgendein Daedra-Fürst versucht, die Welt zu erobern, wie es in Blackwood der Fall war oder einzigartige Feinde wie die Drachen im Kapitel Elsweyr durch die Lande ziehen. Was würde diese daran hindern, sich auch im restlichen Tamriel umzuschauen? Mehrere, quasi gleichzeitig stattfindende Eroberungsversuche durch Daedra, finstere Vampir-Lords und was sich sonst noch so an feindlichem, mächtigem Gezücht tummelt, dürften die Anführer der verschiedenen Fraktionen doch eigentlich wild im Viereck springen lassen, weil sie dem schon logistisch nichts entgegen zu setzen haben.
Statt dessen müssen stets lokale Kräfte, reisende Spielercharaktere und vereinzelte, bekannte Helden anrücken und die Sache wieder glattziehen. Innerhalb der zutiefst zerstrittenen Fraktionen bleibt die Handlung nach Abschluss der Fraktionsgeschichte und dem Kampf gegen Molag Bal im Grundspiel auf einem zerbrechlichen Status Quo eingefroren. Das ist alles andere als motivierend und lässt ein Fortschritts-Gefühl vermissen.
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Dasselbe Problem bringen auch die Jahresabenteuer mit: Spätestens nach dem im letzten Jahresquartal erscheinenden Story-DLC eines Jahres muss die Geschichte abgeschlossen und die Bedrohung durch einen variablen Bösewicht abgewendet sein. Von irgendwelcher Spannung bleibt in etwa so viel übrig, wie bei einem Krimi, bei dem ihr zu Beginn direkt auf die letzten Seiten blättert.
Egal wie rasant manche Storyteile auch inszeniert sein mögen, das vorhersehbare Ende ist unausweichlich. Nach drei Jahresabenteuern, fünf Kapiteln und acht Story-DLCs mit gleichen Strukturen ist die Chance auf eine echte Veränderung eher gering. Immerhin funktioniert das Prinzip 'mehr vom Gleichen' nach wie vor.
Serverpervormance: Wenn das Lag zum Spaßkiller wird
Schon Ende 2019 kündigte das Entwickler-Team vollmundig an, dass man sich verstärkt um die Serverperformanceprobleme kümmern wolle. Immer wiederkehrende serverseitige Lags, verzögert auslösende Fähigkeiten oder erst gar nicht ausgeführter Skilleistenwechsel machten schon vor zwei Jahren das Spielen zu einer echten Geduldsprobe.
Wirklich viel geändert hat sich trotz aller Entwickler-Bemühungen nicht: Auch heute erweisen sich die hartnäckigen Hakler als eines der größten Hindernisse für entspanntes Spielen. Wollt ihr zusätzlich als Schadensausteiler einen merklichen Schadensbonus durch das sogenannte "Einweben" leichter Angriffe in eine Fähigkeiten-Rotation herausholen, seid ihr auf korrekt ausgelöste Fähigkeiten angewiesen. Blöd, wenn dann einfach nichts passiert, egal wie motiviert man auf die passende Taste hämmert!
Dieses hartnäckige Problem führt auch dazu, dass echte Stärken des Spiels nicht genutzt werden. In welchem MMO gibt es ansonsten PvP-Massenschlachten wie bei der umfangreichen Cyrodiil-Kampagne? Hier hätte ESO ein Alleinstellungsmerkmal gegenüber anderen MMOs, das viele Fans locken könnte. Besonders im PvP sind schnelle Serverreaktionen jedoch Pflicht, um keine Seite zu bevorteilen.
Deswegen musste ESO in unserem PvP-Vergleich neben den anderen großen MMOs ordentlich einstecken:
Ob es Zenimax Online Studios noch schafft, hier eine Lösung zu finden, halte ich langsam aber sicher für zweifelhaft. Vielleicht wäre es am sinnvollsten, würde das Entwickler-Team für ein Inhaltsupdate im Jahr aussetzen und sich ausschließlich auf technische Verbesserungen konzentrieren - dringend nötig wäre es!
Wenn ESO weiterhin bei den großen MMO-Platzhirschen mitspielen möchte, muss sich etwas ändern. Gerade jetzt wäre die beste Gelegenheit dazu, denn während New World weiterhin mit Bugs zu kämpfen hat und sich WoW in einer Krise befindet, lechzen viele Spielerinnen und Spieler nach neuen, fesselnden MMOs.
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