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The Elder Scrolls Online muss endlich umdenken, wenn es erfolgreich bleiben möchte

Meinung: The Elder Scrolls Online ist seit sieben Jahren auf dem Markt. Allerdings hat mit der Zeit neben vielen neuen Inhalten auch so einige Probleme angesammelt, die es laut Gloria unbedingt angehen muss.

von Gloria H. Manderfeld,
28.11.2021 07:50 Uhr

Neue Inhalte sind bei jedem MMORPG eine gute Sache. Deren Strahlkraft verliert sich aber schnell, wenn nicht gleichzeitig auch alte Probleme gelöst werden. Auch bei The Elder Scrolls Online haben sich seit 2014 einige Baustellen angesammelt, die gerade langjährigen Fans wie mir das Spiel ordentlich vermiesen.

Das ist schade, denn eigentlich bietet ESO eine wirklich großartige Erfahrung. Vor allem für Solisten ist das MMO hervorragend geeignet, wie unser MMO-Vergleich zeigt:

Welches ist das beste Solo-MMO 2021?   58     9

MMORPG-Vergleich

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Damit ESO aber weiterhin Spaß macht und motivierend ist, muss es umdenken. Es kann nicht mehr so weitermachen wie bisher, wenn es zwischen MMO-Schwergewichten wie Guild Wars 2 oder Final Fantasy 14 bestehen will. Daher müssen die Entwickler folgende Probleme unbedingt angehen:

Unsere Autorin Gloria H. Manderfeld hat mit The Elder Scrolls Online schon einige Höhen und Tiefen erlebt. Während sie meist durch interessante Geschichten bei den Quests versöhnt wird, sieht es mit dem technischen Grundgerüst des Spiels und so einigen anderen Problemen allerdings anders aus. Ihrer Ansicht nach sind vor allem die Server-Performance-Probleme die größte Baustelle von allen. Die muss dringend angegangen und gelöst werden.

Kampfsystem: So wird Freiheit zur Mogelpackung

Wer in World of Warcraft, Guild Wars 2 oder Star Wars: The Old Republic mitsamt der strikten Waffen- und Ausrüstungsqualitätsbindung an die gewählte Klasse kennt, schielt vielleicht etwas neidisch auf die tamriel'sche Konkurrenz. Denn The Elder Scrolls Online wirbt schon seit Release mit der großen Freiheit bei der Zusammenstellung eurer Kampffähigkeiten. Wer die in Plattenrüstung gewandete, Schaden austeilende Zauberer-Echse spielen möchte, kann das ohne Hindernisse tun. Doch spätestens im Endgame stoßen wir bei Raids an die Grenzen dieser Freiheit.

Neben den drei Klassen-Fertigkeitslinien stehen euch grundsätzlich dank verschiedener Waffen, NPC-Orden und die Verwandlungen zum Vampir oder Werwolf reichlich weitere Fertigkeitslinien zur Verfügung. Aus denen baut ihr euch Fähigkeiten nach Wahl in die beiden Skill-Leisten ein und könnt sie durch Anwendung verbessert. Soweit so gut. Doch wer in Raids als eine der drei klassichen Rollen (Tank, Schadenstausteiler oder Heiler) wirklich was erreichen will, muss sich an ein enges Korsett an Fähigkeiten-Kombinationen halten.

Wer die Fähigkeiten der Magier-Gilde lernen will, hält in der offenen Spielwelt nach einer Menge Bücher Ausschau. Wer die Fähigkeiten der Magier-Gilde lernen will, hält in der offenen Spielwelt nach einer Menge Bücher Ausschau.

Ganz nach dem Gedanken des Min-Maxing finden starke Fähigkeiten aus den Nicht-Klassen-Fertigkeitslinien zwangsläufig den Weg in so gut wie jede Skill-Leiste. Und solange die Ausgangsklasse auch nur halbwegs stimmt, wird aus unserer plattenzaubernden Schadensechse früher oder später eh wieder eine argonische Heilschleuder in Stoffrüstung, damit sie maximal von ihren Rassen-, Waffen- und Rüstungsboni profitiert. Echte Vielfalt sieht anders aus. Hier muss Entwickler Zenimax unbedingt nachbessern, damit auch wieder unkonventionelle Fähigkeiten-Kombinationen, sowie Rassen- und Rüstunsgsgemische attraktiv werden.

Doch der Meta-Zwang ist nicht das einzige Problem. Auch die wenig individuell gestalteten Klassenfähigkeiten stehen seit Jahren bei ESO-Fans in der Kritik. Wenn ihr nicht gerade mit einem Bären herumlauft, eifrig aus Leichen Geister oder Knochenkonstrukte beschwört, Flatterviecher mitschleift oder eine Lichtlanze oder Flammenpeitsche schwingt, sind eure Charaktere nicht wirklich als Wächter, Nekromanten, Zauberer, Templer oder Drachenritter zu erkennen.

Denn der generalistische Ansatz 'alle können fast alles lernen' nimmt den einzelnen Klassen ihren Charme und ihr Alleinstellungsmerkmal. So unterscheiden sich die Klassen untereinander maximal durch das besitzen eines Begleiters oder eben den oben genannten Klassenfähigkeiten. Auch das die zusätzlichen Boni im Championsystem ab Level 50 bringen leider wenig Verbesserung, da es auch hier für die verschiedenen Rollen passendere und weniger passendere Effekte gibt.

Mit Championpunkten kauft ihr ab Level 50 Boni für die gewählte Spielweise eurer Charaktere. Mit Championpunkten kauft ihr ab Level 50 Boni für die gewählte Spielweise eurer Charaktere.

Das ganze System fühlt sich damit an wie ein goldener Käfig: Was eigentlich als großer Quell der Freiheit angepriesen wird, schränkt sich einerseits durch den Fokus auf Schadensmaximierung in Raids ein und führt andererseits dazu, dass sich beinahe jede Klasse anfühlt, wie die andere.

Ändern dürfte sich am Klassensystem und den Fähigkeiten in Zukunft leider nichts. Denn jede größere Änderung würde bedeuten, dass alle Klassen von Grund auf überarbeitet werden müssten. Der Aufwand und das Balancing wären so enorm, dass es vermutlich wirtschaftlich als auch technisch wenig Sinn ergeben würde. Vielleicht findet sich hier in Zukunft eine andere Lösung.

Innovationen: Gut geklaut, aber nicht halb gewonnen

Wo wir gerade bei Aufwand sind: In den letzten Jahren hatte das Entwickler-Team einen relativ bequemen Job. Sie konnten sich an erfolgreichen Inhalten anderer MMORPGs orientieren und daraus für ESO das passende Pendant mit den nötigen Variationen basteln. Das Archäologiesystem von World of Warcraft finden wir im Kapitel Greymoor, hilfreiche NPC-Gefährten wie von Star Wars: The Old Republic begleiten uns seit dem Kapitel Blackwood und dass wir uns seit dem DLC Dragonhold elegant mit der Hakenseil-Armbrust durch die Gegend katapultieren, wurde auch aus der Galaxie weit, weit entfernt abgeguckt. Versteht mich bitte nicht falsch: Inspirationen an anderer Stelle zu suchen ist nichts Schlechtes und das Rad muss nicht immer neu erfunden werden - solange genug Kreativität mit einfließt. Und genau da harkt es.

Gefährtin Mirri Elendis unterstützt uns im Kampf gegen fiese Kultisten-Schergen. Gefährtin Mirri Elendis unterstützt uns im Kampf gegen fiese Kultisten-Schergen.

Gerade beim lästigen Suchen nach dem Ausgrabungshügel in einem einmal ausgespähten Gebiet zeigt sich, dass Zenimax Online Studios gar nicht so weit vom Vorbild abweicht, sondern das Grundprinzip nur mit zwei weiteren Minispielen aufbläst. Wirklich innovativ ist das nicht.

Doch wie sieht es für die Zukunft aus? Nachdem ESO ein umfangreiches Housing-System bietet, bleibt nicht allzu viel übrig, das als neuer alter Inhalt fürs kommende Jahr taugen könnte. Haustierkämpfe nach WoW-Vorbild? Flug-Reittiere oder die Möglichkeit, in Gewässern zu besonderen Orten zu tauchen? Klar ist nur eines: Die ewig nach Neuerungen hungernde MMORPG-Community wird sich damit vermutlich nicht zufrieden geben.

Eines der beiden Minispiele des Archäologie-Systems wird mit steigender Schwierigkeit teils richtig knifflig. Eines der beiden Minispiele des Archäologie-Systems wird mit steigender Schwierigkeit teils richtig knifflig.

Auch bei Schauplätzen kommender Inhalte könnte es künftig eng werden. Nach den Kapiteln Morrowind, Greymoor und Blackwood sind die beliebtesten Elder Scrolls-Singleplayerspiele als Vorlage abgearbeitet. Will Zenimax sich nicht bei den weniger erfolgreichen Elder Scrolls-Titeln bedienen, bleibt als Vorbild im Grunde nur noch The Elder Scrolls II: Daggerfall mit den noch nicht zugänglichen Regionen des Königreichs Hammerfell übrig.

Mit dem Nostalgiebonus konnte ESO 2020 reichlich Skyrim-Fans ins Spiel locken, doch diese Möglichkeit samt wachsender Spielerbasis ist nun ausgereizt. Entweder folgen nun weitere Regionen, die sich an eines der Spiele anlehnen, oder Zenimax versucht sich an vollkommen neuen Ideen. Das das klappen kann, hat schon der DLC Clockwork City gezeigt.

So könnte ESO in Zukunft weitergehen   15     3

Nächster Halt Hammerfell?

So könnte ESO in Zukunft weitergehen

Ob Experimente jedoch gewollt sind, entscheiden in internationalen Unternehmen für gewöhnlich zunächst die Buchhalter - und die sorgen zumeist eher für einen konservativen Ansatz. Wir sollten uns aber trotzdem noch einen Funken Hoffnung bewahren, dass ESO einen neuen, innovativen Schritt wagt. Den hat es übrigens auch beim Storytelling nötig

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