Heutzutage gehört der Fernseher zur Standardausstattung jedes Wohnzimmers – und gerade deswegen gibt es zig kleine Stolpersteine, durch die man sich auf die Nase legen kann.
Drei davon räume ich euch aus dem Weg, damit ihr nicht in die Röhre schaut.
1. Fehler: Auf »falsches« HDR reinfallen
HDR gehört mittlerweile zum Standard bei TVs und Monitoren. Darum seht ihr auf nahezu jedem TV-Karton ein riesiges »HDR10«-Logo.
Was nur im Kleingedruckten steht: Dieses Logo bedeutet zwar, dass der Fernseher das HDR-Signal versteht und verarbeitet, aber nicht, dass er auch die Hardware besitzt, um es entsprechend zu zeigen.
Ja, Helligkeit und Kontraste sind für HDR wichtig, aber eben auch der Farbraum. Das Zauberwort heißt Wide Color Gamut (kurz: WCG).
Was ist Wide Color Gamut?
Wide Color Gamut (WCG) bezeichnet die Fähigkeit eines Displays, einer Kamera oder eines Bildsystems, einen größeren Farbraum als herkömmliche Standards wie sRGB darzustellen oder aufzuzeichnen. Dadurch können deutlich mehr und intensivere Farben angezeigt werden.
Kurz und gut: Wenn euer TV bemerkenswertes HDR darstellen soll, braucht er eine hohe Spitzenhelligkeit (bestenfalls mindestens 800 bis 1.000 Nits) und Wide Color Gamut. Achtet hierbei vor allem auf die Farbraumabdeckung.
- DCI-P3 ist der gängige Standard fürs Kino und HDR-Displays
- Rec.2020 stellt noch einen viel größeren Farbraum dar, den aber sogar High-End-Modelle noch nicht vollumfänglich darstellen können.
Ein billiger TV mit vermeintlichem HDR kann euch sogar das Bild verhunzen. Es entsteht Clipping (das Verschlucken von Details) und Color Banding (Streifen und Kanten bei Farbübergängen). Letzteres erkläre ich ausführlich in einem Artikel.
Je weniger Farben ein TV darstellen kann, desto härter sind die Abstufungen (auch Treppchenbildung genannt). (Bildquelle: Maxe S., GameStar)
2. Fehler: Euren Raum ignorieren
Da kauft ihr euch womöglich den krassesten TV mit technischen Daten, bei denen man mit den Ohren schlackert – und dann sieht das Teil daheim gar nicht so prall aus und klingt auch noch miserabel.
Einer der größten Fehler ist es, euren Raum nicht mitzudenken. Dabei meine ich nicht, einen riesigen TV für ein kleines Zimmer zu kaufen. Das ist nicht das Problem.
Der teuerste OLED-Fernseher bringt nur ein ausgewaschenes Bild, wenn ihr ihn nachmittags laufen lasst – Südseite und große Fensterfront oben drauf.
Das Raumlicht diktiert die Panel-Technologie. Wenn ihr wisst, dass euer Wohnzimmer grundsätzlich sehr hell ist und ihr selten im dunkeln Filme schaut, greift zu Mini-LED statt OLED. Die können einfallendes Licht besser ausgleichen.
Besonders wichtig ist die Raumbeschaffenheit für den Sound. Schall verteilt sich durch Reflexionen im Raum. Das gilt für TV-Lautsprecher, aber auch Soundbars oder Aktivboxen. Das bedeutet:
- Dachschrägen sorgen für Konfusschall, weil sie den Schall überall hin reflektieren, aber nicht zu euch.
- Hohe Altbaudecken sorgen für Hall, weil der Schall weit schwingen muss, bis er auf die Decke trifft.
- Dasselbe gilt für sehr große Räume, etwa durch offene Wohnküchen.
- Sogenannte »schallharte« sorgen ebenfalls für Diffusschall, weil der Schall von dort mehrfach reflektiert. Schallhart sind zum Beispiel nackte Wände, Glas, Spiegel oder ein glatter Parkettboden.
Abhilfe könnt ihr ganz leicht schaffen und braucht dazu nicht einmal teures Audio-Equipment.
Etwaige Dachschrägen und hohe Decken umgeht ist bestenfalls mit Rear-Speakern. Dadurch teilt sich der Klang besser auf und wird direkt auf euch geschossen.
Ist der Klang im Wohnzimmer blechern oder hallt, hilft oft schon ein hochfloriger Teppich und Stoffvorhänge vor den Fenstern. Die absorbieren Schall und sorgen dafür, dass Fenster und Boden diesen nicht so oft reflektieren.
3. Fehler: Glasreiniger verwenden
Ab und an muss man das Display ja doch saubermachen, sei es wegen des Staubs oder weil sich plötzlich fettige Fingerabdrücke darauf befinden (vornehmlich von Kindern).
Die erste Intention ist, Glasreiniger zu verwenden.
Davon rate ich ab.
Moderne Panels (nicht nur die von TVs) besitzen eine empfindliche Anti-Reflexionsbeschichtungen. Glas- oder Allzweckreiniger in Kombination mit einem Papier- oder Geschirrtuch können zu aggressiv für die Beschichtung sein. Alkohole und Ammoniak-Verbindungen hinterlassen unter Umständen milchige, blinde Flecken (von Kratzern durch die Tücher mal ganz zu schweigen.
So geht’s besser:
- Ist das Display nur staubig, nutzt entweder Druckluftspray (hilft auch bei verstaubten Anschlüssen) oder großporige Mikrofasertücher.
- Bei Schlieren und Fingertapsern empfehle ich destilliertes Wasser und ein Mikrofasertuch. Ist der Dreck hartnäckig, verwendet einen Tropfen Spülmittel.
Ich weiß schon, viele von euch haben schon zig mal TV oder Monitor mit einem Küchentuch saubergemacht und nie Probleme gehabt. Ich persönlich will das Risiko nicht eingehen, meinen teuren TV mit Kalk im Leitungswasser oder Fasern im Papiertuch zu zerkratzen.
11:48
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Nach all den Jahren als Heimkino-Redakteur habe ich noch mehr als genügend Stolperfallen in petto. Wenn ihr einen Fehler kennt – oder vielleicht sogar versehentlich begangen habt –, schreibt ihn in die Kommentare. Wenn die einen ins Fettnäpfchen treten, hilft es den anderen. Teilt gerne eure Weisheiten in den Kommentaren.

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