Sobald Halloween um die Ecke linst wie Michael Myers, werde ich ganz nostalgisch. Nicht nur nach der Zeit, in der ich bei fremden Leuten geklingelt und als Hermine Granger einen Eimer voller Süßigkeiten eingesteckt habe - sondern auch nach einer Zeit, in der mir mein Lieblingsgenre noch viel mehr Freude bereitet hat.
Auf Steam werden so viele Spiele wie noch nie veröffentlicht und trotzdem finde ich kaum noch Horrorspiele, die mich in ihren Bann ziehen. Denn: Viele von ihnen werden gefühlt gar nicht mehr für mich entwickelt. Und dann führt jede auch nur ansatzweise interessante Idee gleich zu dutzenden Copy-Paste-Ablegern. Langweilig.
Jetzt kommt ausgerechnet Blumhouse daher - das Produktionsstudio von Filmen wie Insidious, Paranormal Activity oder Five Nights at Freddy's - und macht mir wieder Hoffnung, dass Kreativität und Mut in mein Lieblings-Genre zurückkehren könnten. Und das hat es bitter nötig.
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Die 5 einflussreichsten Horrorspiele - Diese Games haben das Genre umgekrempelt - Diese Games haben das Genre umgekrempelt
Spiele(n) fürs Publikum
In dieser Kolumne soll es nicht um große Namen wie Resident Evil oder Silent Hill gehen - sie sind gar nicht das Problem (wobei ich mir auch im AA- und AAA-Bereich mehr Innovation und weniger Remakes wünsche!). Die Quelle für meinen Frust liegt in der Indie-Landschaft. Ich bin großer Fan von Entwicklern, die mit kleinem Budget Kunstwerke zaubern. Denn Horror ist so vielfältig und kaum ein anderes Genre bietet so viele Anknüpfungspunkte für Furcht erregende Erlebnisse.
Spiele von Entwicklern wie Chilla's Art oder Rayll Studios machen vor, dass auch die kleinen Dinge unter die Haut kriechen können. In Fears to Fathom: Home Alone etwa schlüpfe ich in die Rolle eines kleinen Schuljungen, der am späten Abend allein im Elternhaus ist und überall Geräusche hört. Wie oft war ich als Kind überzeugt, dass mein knurrender Kühlschrank von einem Dämon besessen ist?
Mittlerweile wird es aber immer schwieriger, solche Spieleperlen zu finden. Denn Steam wird nahezu überflutet von Horrorspielen, die sich ganz klar nicht an mich richten. Warum nicht? Na, weil ich kein Streamer bin.
Spiele wie Don't Scream experimentieren mit dem Mikrofon der Spieler – Monster hören mich also, wenn ich spreche oder schreie. Zumindest in der Theorie. In der Praxis? Weil ich weder streame, noch Let's Plays aufnehme, spreche ich natürlich nicht beim Spielen, was dieses Feature für mich komplett obsolet macht.
Andere Spiele setzen viel auf plumpe Jumpscares. Klar, das generiert Reaktionen, die sich super für die Unterhaltung von Zuschauern anbieten und sich auch toll auf Thumbnails machen. Für mich ist es die billigste Methode, um jemanden einen Schrecken einzujagen, und oft einfach nur schlechtes Spieldesign.
Und dann sind da ja auch noch die ganzen Klone. Wie vor vier Jahren nach dem Erfolg des Steam-Hits Phasmophobia, gibt es auch jetzt noch unzählige Kopien von Horrorspielen, die in der Community viel Aufmerksamkeit bekommen haben. Nach dem kleinen Hype um Exit 8 ist beispielsweise fast jeder neue Horrortitel ein Anomalien-Spiel, das sich daran anlehnt. Sobald ein Entwickler also eine Idee vorgibt, die gut beim Publikum (und in Streams) ankommt, werden massenhaft Kopien davon erzeugt. Puh.
So langsam vermisse ich die Kreativität und den Mut in meinem Lieblingsgenre. Und dann kommt ausgerechnet Blumhouse um die Ecke.
Das beste Beispiel für einen gelungenen Jump Scare kommt lustigerweise aus der klassischen Musik. Franz Joseph Haydn baute in seine Sinfonie Nr. 94 in G-Dur eine unerwartete Überraschung ein. Während die Zuhörer zunächst einer ruhigen Melodie lauschten, schreckten sie im zweiten Satz hoch: Ein lauter »Paukenschlag« (eigentlich waren alle Instrumente beteiligt) riss sie aus ihren Tagträumen. Die angespannten Zuhörer machten sich auf einen zweiten Jump Scare gefasst. Der kam aber nie.
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Fear the Spotlight
Blumhouse ist schon als Filmstudio dafür bekannt, Filme mit vergleichsweise kleinem Budget zu produzieren. Auch bei den Spielen setzt der Publisher nun nicht auf große AAA-Produktionen, sondern möchte kleine Entwicklerinnen und Entwickler unterstützen und ihnen die Möglichkeit geben, all ihre kreativen Ideen umzusetzen und sich auszuprobieren.
Und bereits das erste Spiel Fear the Spotlight von Entwicklerstudio Cozy Game Pals macht mir Hoffnung, dass dank Blumhouse tatsächlich wieder mehr Abwechslung in das Genre kommt.
Das kleine Horrorspielchen ist eine Hommage an Klassiker des Survival-Horrors, inklusive Retro-Stil. Obwohl Fear the Spotlight optisch nicht viel hergibt, kriecht es mir direkt unter die Haut, wie schon lange kein anderes Spiel mehr (mit Ausnahme von Alan Wake 2!).
Ich schlüpfe in die Rolle von Vivian, die mit ihrer Freundin Amy nach Schulschluss mit dem Hexenbrett herumspielen und ein altes Geheimnis zum Leben erwecken. Die Soundkulisse, das gelungene Wechselspiel von Licht und Schatten und die gruseligen Monster schnüren mir die Kehle zu. Ich zucke bei jedem Geräusch zusammen. Mein Herzschlag dröhnt mir in den Ohren, wenn mich ein Gegner verfolgt. Und erst nach ein paar Stunden traue ich mich, wieder aufzuatmen.
Fear the Spotlight setzt mir keine revolutionären Ideen vor. Ich löse kleine Rätsel, laufe vor Monstern weg und erlebe nebenbei eine unterhaltsame, aber nicht sonderlich überraschende Geschichte. Die große Stärke des Spiels liegt in der dichten und intensiven Atmosphäre, die es erzeugt. Damit trifft das kleine Projekt bei mir den richtigen Nerv.
Auch das nächste Spiel im Blumhouse-Lineup steht schon fest: Project C verrät nicht viel über sich. Trotzdem freue ich mich bereits wie ein Schnitzel auf den Release. Schließlich ist Sam Barlow dabei! Das Genie, das uns mein Horror-Highlight 2022 Immortality beschert hat.
Dass all diese kleinen Entwicklerstudios bei Blumhouse nun einen Platz haben, wo Kreativität und außergewöhnliche Ideen im Vordergrund stehen, macht mich ganz hibbelig. Denn ich kann es kaum abwarten, zu sehen, welche Kreationen dabei herauskommen. Vielleicht lassen sich auch andere Studios davon inspirieren und bringen wieder mehr Vielfalt und Einzigartigkeit in mein Lieblingsgenre.
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